Das Schreinerhandwerk im Landkreis Kronach sucht händeringend Nachwuchs. Das gilt nicht für die Fenster Ebertsch GmbH in Birnbaum. Hier fand zum 1. Januar ein Generationswechsel statt. Zufriedenheit und Dankbarkeit sind in den Gesichtszügen des Seniorchefs Gottfried Ebertsch zu erkennen. "Es geht weiter und darüber bin ich sehr froh!"

Und in der Tat: Mit Thomas Ebertsch und seinem Bruder Andreas ist die Nachfolge der 120 Jahre bestehenden Traditionsschreinerei für die nächsten Jahre gesichert. Mit einem gewissen Stolz zeigen die beiden Jungunternehmer ihre Firma. Zu sehen sind einige Holzbearbeitungsmaschinen, der Fuhrpark der u. a. aus Transporter, Lastwagen, Kleinbus, Diesel- und Elektrogabelstapler besteht.


Neue Aufgabengebiete erschließen

Die neueste Errungenschaft ist eine CNC-Fertigungsanlage. Darauf, so Andreas Ebertsch, sollen unter anderem neue Produkte, speziell für den Denkmalschutz, gefertigt werden. Denn, in den letzten Jahren seien die Tätigkeiten im Neubaubereich zurückgegangen, dafür haben aber Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, auch bei denkmalgeschützten Gebäuden, zugenommen.

Sowohl er als auch sein Bruder sind überzeugt, dass mit dieser mehreren Hunderttausend Euro umfassenden Investition Kosten bei der Herstellung gespart werden und gleichzeitig die steigenden Kundenansprüche zufriedengestellt werden können. Eigentlich wollte Andreas Ebertsch, der eine Ausbildung zum Diplom-Ingenieur Holztechnik absolviert hat und berufliche Erfahrungen in Australien gesammelt hat, noch Kanada entdecken. Aber dann kam die Liebe dazwischen und zunehmend auch der Gedanke, "dass es doch eine schöne Aufgabe ist, zusammen mit meinem Bruder den Familienbetrieb weiterzuführen."


Zuversichtlich in die Zukunft

Die Auftragslage sei stabil. Auch die positiven Zukunftsprognosen was das Bau- und Schreinerhandwerk betrifft, haben die Entscheidung beeinflusst.

Die beiden Jungunternehmer ergänzen sich. Während Thomas Ebertsch, als gelernter Industriemechaniker und Bürokaufmann CAD-Zeichnungen für Architekten und Planer fertigt, sich um Bürokratie, Kunden und Verwaltungsaufgaben kümmert, ist Andreas Ebertsch mehr für die Produktion und Umsetzung der Aufträge verantwortlich.

Das Schreinerhandwerk sei faszinierend, meinen beide. "Wo sonst, als im Handwerk, bin ich von der Planung an involviert und kann am Ende mein Produkt ansehen und anfassen? Am Ende des Arbeitstages bleibt etwas Beständiges", begründet Thomas Ebertsch.

Außerdem sei die Arbeit sehr abwechslungsreich, denn die Kunden haben sehr individuelle Wünsche, sei es bei den Fenstern, Haustüren, Fassaden etc. Hinzu kommen weitere Aufgaben wie die Unterstützung der Architekten bei Ausschreibungen, Renovierungs- und Montagearbeiten, Wartung, etc. "Uns wird´s bestimmt nicht langweilig!"


So soll es weitergehen

Die beiden jungen Männer haben auch Pläne mit ihrer Schreinerei. Mittelfristig wollen sie, gemeinsam mit ihrem Team, den Betrieb als kompetenten Problemlöser weiter ausbauen, das Leistungsangebot aktualisieren. Es geht ihnen auch darum, ihren zwölf Mitarbeitern weiterhin berufliche Perspektiven zu geben, schließlich liegt der Erfolg der Schreinerei Ebertsch nicht zuletzt in deren Leistungsbereitschaft begründet.

Die ersten Wochen als Geschäftsführer haben die jungen Männer hinter sich. Was die Zukunft betrifft, sind beide zuversichtlich: "Gebaut wird immer - und außerdem haben wir mit unserem Vater Gottfried und unseren langjährigen Mitarbeitern immer kompetente Ratgeber an unserer Seite!"

Auch der Obermeister der Schreiner-Innung Kronach, Heinrich Schneider, freut sich über den erfolgreichen Generationswechsel beim Innungsbetrieb Ebertsch. "Ein Schreiner wird immer Arbeit haben", meint auch er. Denn gebaut und saniert werde immer.

Problem sei allerdings, geeigneten Nachwuchs zu finden. Deshalb wurde vom Landesverband die Aktion "Born2B Schreiner.de" ins Leben gerufen. Vorhanden sind auch eine Lehrlings- und Praktikumsbörse, bei der man innerhalb von wenigen Sekunden einen Ausbildungsbetrieb in Wohnortnähe findet.


Zwei Herausforderungen

Im Landkreis Kronach gebe es zwei Herausforderungen: Zum einen habe das Schreinerhandwerk in der Industrie einen starken Mitbewerber um kluge und geeignete Köpfe. Zum anderen sei auch die Beschulung ein Problem. Vorbei sind die Zeiten, als der angehende Schreiner in der Kronacher Berufsschule theoretisch unterrichtet wurde. Jetzt müssen die jungen Menschen nach dem Berufsgrundschuljahr nach Coburg. Für einen Auszubildenden aus dem Norden bedeute dies lange Fahrtzeiten, insbesondere wenn er auf den Zug angewiesen ist, weil er des Alters wegen noch keinen Führerschein hat.

Trotz aller Problematik lohne es sich, so Schneider, den Weg auf sich zu nehmen. "Denn das Schreinerhandwerk ist nicht nur mit viel Kreativität verbunden, sondern es bestehen auch gute Aufstiegschancen. Beispielsweise kann man sich zum Schreinermeister, Holztechniker oder zum Innenarchitekt weiterentwickeln. Für Spätzünder ist selbst ein Studium nach erfolgreicher Meisterprüfung möglich."