Das Abenteuer begann mit einem billigen Reiseführer vom Grabbeltisch. Britta Rürup blätterte darin herum und bekam Lust nach Vietnam zu reisen. Sie erzählte ihrer Freundin Stephanie Kraus davon, die sich schnell von der Idee begeistern ließ. Vor zweieinhalb Jahren entdeckte sie das Buch, vor einem halben Jahr waren sie endlich dort. "Es kam immer etwas dazwischen", sagt Stephanie Kraus. Außerdem musste einiges geplant werden. Schließlich wollten sie keinen gewöhnlichen Pauschalurlaub machen, es sollte etwas Besonderes sein, da waren sich beide Frauen einig.

"Man braucht jemanden, mit dem man so etwas machen kann. Wir beide ticken einfach ähnlich", sagt Britta Rürup und scrollt am Laptop die Bilder durch, die sie auf ihrer Reise gemacht haben: Reisterrassen, Berge, Seen, traditionelle Märkte und Essen sind auf vielen zu sehen. Das ist kein Zufall. Die beiden Freundinnen wollten Vietnam vor allem von seiner kulinarischen Seite kennenlernen.

Straßenküche auf den Schultern

Die Freundinnen kauften sich ihre Speisen häufig auf der Straße, was in Vietnam nicht ungewöhnlich ist. "Die Gäste sitzen auf kleinen Hockern", erzählt Britta Rürup und beschreibt, wie das Essen an die Gäste kommt. Die Landfrauen tragen den kompletten Imbiss an einer Holzlatte auf ihren Schultern. Das Gemüse ist angegart. Die Speisen werden dann auf einem Kohlegrill zubereitet. Auch die Hocker sind an der Holzlatte befestigt. Kraus schätzt das Gewicht auf 60 bis 70 Kilogramm. "Die Einheimischen sind sehr nett und fleißig. Die Qualität der Speisen war immer gut", erinnert sich Britta Rürup.

Das liegt auch daran, dass die frische Zubereitung typisch für die vietnamesische Küche ist, wie Stephanie Kraus weiß. "Der Umgang mit Lebensmitteln ist ein ganz anderer, als den, den man in Deutschland kennt." Am Markt gibt es jeden Tag frisches Fleisch, das allerdings nicht gekühlt wird. "Es ist üblich, dass am Tag der Schlachtung das Fleisch auch verzehrt wird", sagt Stephanie Kraus. In Deutschland wird Rindfleisch abgehangen, damit das Fleisch zart wird. In Vietnam dagegen wird es vier bis fünf Stunden in der Brühe gekocht, bevor es gegessen wird.

Schärfe kein Muss

Jede Mahlzeit, auch das Frühstück, hat die gleichen Eigenschaften: Es ist warm, frisch, scharf und süß. Schärfe ist immer ein Plus, aber kein Muss. "Das unterscheidet das Essen in Vietnam von dem in Thailand." Die Süße wird meist über Zucker oder Kokos hergestellt. Schokolade würde bei der Wärme sehr schnell schmelzen. "Die vietnamesische Küche ist sehr gesund, bodenständig und zukunftsorientiert. Sie ist leicht bekömmlich und vitaminreich", beschreibt Stephanie Kraus.

Doch die Frauen haben nicht nur vietnamesisch gegessen, sondern auch einen Kochkurs gemacht, um die Straßenküche besser kennenzulernen. Vieles sei leicht zuzubereiten, doch es nimmt oft viel Zeit in Anspruch. Stephanie Kraus versucht immer wieder, etwas nachzukochen. Manchmal mangelt es in Deutschland aber an den Zutaten. "Dafür muss ich extra nach Bamberg oder Coburg fahren." Manche Gerichte hat sie auch abgeändert, damit sie sie auch in Deutschland kochen kann. Beide Frauen sind beeindruckt von der vietnamesischen Lebensart und versuchen manches in ihren Alltag zu integrieren. Stephanie Kraus schwört auf einen Tee aus frischem Ingwer, Honig und Zitronengras, den sie fast jeden Tag trinkt. "Das erfrischt."