Die Überwachungszentrale des Stromversorgers Bayernwerk in Neunburg vorm Wald konnte die schadhaften Bereiche zwischen den jeweiligen Knotenpunkten - den Trafostationen - relativ schnell orten und - da es eine Ringversorgung gibt - vom Netz nehmen, also wegschalten. Dann wurde sukzessive Ort für Ort ans Netz geschaltet. Deshalb dauerte der Stromausfall in Schauberg nur kurze Zeit, andernorts bis 18.10 Uhr.

Das bestätigte Bayernwerk-Pressesprecherin Esther Knemeyer Pereira auf Anfrage. Sie erläuterte, dass von Neuburg vorm Wald aus Knotenpunkt für Knotenpunkt in der zusammengebrochenen Stromversorgung zugeschaltet wird. Wenn's wieder einen Kabelfehler gibt, dann hat man die schadhafte Stelle gefunden und schaltet von der vorherigen Trafostation nicht mehr weiter. Um die Stromversorgung im Niederspannungsbereich (bis 380 Volt) insgesamt zu gewährleisten, wird dann Knotenpunkt für Knotenpunkt von der anderen Richtung aus zugeschaltet - bis zur Trafostation vor der Schadstelle. Die Haushalte zwischen den beiden betroffenen Trafostationen werden ja über Niederspannung (bis 380 Volt) versorgt. Deshalb hat man in diesem Bereich auch nichts von den späteren Reparaturen mitbekommen. Diese Prozedur des Zuschaltens der einzelnen Abschnitte zwischen den Knotenstationen hat einige Zeit gedauert, was den Stromausfall von bis zu eineinhalb Stunden erklärt.

Inzwischen wurden am Donnerstagabend die Bayernwerk-Techniker der Bereitschaft alarmiert: Matthias und Tobias Rauh (Vater und Sohn) aus Haig hatten am Vatertag Dienst und fuhren nach Pressig und Steinbach am Wald zu den Trafostationen. Auch die Bayernwerk-Mitarbeiter Martin Rotmann und Matthias Braun wurden vom Standort Bamberg aus mit ihrem hochgerüsteten Messwagen umgehend nach Pressig geschickt, um die schadhafte Stelle zu orten. Sie trafen dort gegen 20.30 Uhr ein.

An der Trafostation in der Pressiger Angerstraße, gleich neben dem Friedhof, dockte der Kabelmesswagen an der inzwischen stromlosen 20-kV-Leitung an. "Das ist nichts Neues für uns, aber doch ist größte Vorsicht geboten", sagte Matthias Rauh. Immerhin kann bei einer solchen Spannung ein Funke bei einer Distanz von weniger als 20 Zentimetern überspringen. Die schadhafte 20-kV-Leitung war inzwischen stromlos und geerdet. Somit war der Weg frei für Martin Rotmann. Der hatte spezielle Sicherheitshandschuhe angelegt, Helm mit Schutzvisier aufgesetzt, schloss das Kabel des Messwagens an die schadhafte 20-kV-Leitung an und begann im Messwagen mit den Messungen.

Nach kurzer Zeit konnte Martin Rotmann melden: "Der Kabelfehler ist nach 347 Metern zwischen den Hausnummern 1 und 3." Der Abstand zwischen den beiden Trafostationen beträgt etwa 800 Meter. Tobias Rauh und Matthias Braun hätten Entfernungsmessrad und Bodenmikrofon eigentlich nicht gebraucht, so exakt war die Beschreibung. Sie machten sich auf den Weg und stellten fest, dass die Hinweise ihres Kollegen nicht exakter hätten sein können.

Um die Suche mit dem Bodenmikrofon zu erleichtern, schickte Martin Rotmann vom Messwagen aus alle fünf Sekunden einen 8000-Volt-Stromstoß durch die Leitung. "An der Stelle des Kabelfehlers macht das ,plopp‘. Das ist wie Blitz und Donner", sagte Matthias Braun und deutete auf eine Stelle auf dem Asphalt des Gehsteigs, genau dort, wo Sekunden später auch sein Bodenmikrofon einen Knall meldete. Die Schadstelle wurde um 21.15 Uhr mit blauer Farbe markiert - und ab ging's nach Steinbach am Wald zum nächsten Trafo. Auch dort wurde das eingespielte Techniker-Quartett schnell fündig, so dass die Bagger schon am Freitag früh anrücken konnten.