Neun im Juli 2018, 38 im Mai 2019 und wenn Ralph Börner in seine Auftragsbücher sieht, zeigt er sich selbstbewusst: "Aufgrund des anstehenden Volumens werden wir in diesem Jahr noch hochfahren auf mindestens 50 Mitarbeiter." "LeadMould" ist auf Werkzeug- und Formenbau für die Automobilindustrie spezialisiert. Erst im August 2018 hat das global agierende Unternehmen mit Hauptsitz China den neuen und damit ersten europäischen Standort in Steinwiesen eröffnet. Nur neun Monate später muss Ralph Börner, der die Geschäfte in Europa leitet, seine damaligen Prognosen nach oben korrigieren.

Wachstum dank Volumen

Wo er vergangenes Jahr noch von 20 Mitarbeitern sprach, sind es heute schon 50 - ist das noch gesundes Wachstum? Ja, sagt Börner und gibt auch die Erklärung ab. "Wir sprechen hier nicht von einem Firmenneustart, sondern einer Erweiterung unserer Kapazitäten aus Asien nach Europa." Große Teile des Kundenstammes habe man vom asiatischen Markt übernehmen können. Dazu zählen laut Börner beispielsweise Audi und BMW. Unter anderem ein Rahmenvertrag mit dem Münchner Autobauer garantiere ihnen momentan ein hohes Jahresvolumen und gewisse Sicherheit.

Mit der Unterstützung des Heimatkonzerns im Rücken, der bei großen Volumen unter die Arme greift, falle die Akquise leichter. Man könne in vielerlei Hinsicht auf die Vorgaben vom Kunden reagieren. Kerngeschäft von "LeadMould" liegt im Neubau in Asien. In Steinwiesen werden Erweiterungen, Änderungen, Reparatur- und Wartungsarbeiten und Prototypenbau vorgenommen.

Mit dem europäischen Servicepunkt habe man für die Automobilisten eine Lücke am Markt geschlossen. "Das hebt uns ab: Wir können Aufträge schnell und kostengünstig umsetzen." Und damit den Preis drücken? Die internationale Struktur sei natürlich auch bei der Preisgestaltung ein Vorteil, räumt Börner ein. "Aufgrund der Konzernbasis und der Location in China können wir die Erwartungen der Fahrzeughersteller erfüllen."

In einem Markt, dem zurzeit von allen Seiten - Börner nennt den Dieselskandal, den Brexit und auch das Thema E-Mobilität - zugesetzt wird, und der Druck auf die Zulieferer steige, stehe man gut da. "Wir können aus dem Vollen schöpfen." Auch anderweitig profitiere man von der Eröffnung des Standortes. "Wir haben mittlerweile volle Kostenkontrolle, weil wir nicht mehr auf externe Dienstleister zurückgreifen müssen", sagt Börner. Weil die Vergabe an Unterlieferanten wegfalle, spare man bis zu 60 Prozent der Kosten ein.

Zweites Standbein

Ein zweites Standbein habe man sich mittlerweile ganz unabhängig von der asiatischen Mutter aufbauen können. Losgelöst vom Kerngeschäft macht "LeadMould" in Steinwiesen in Stanzbiegewerkzeugbau. Know-how hätten die Mitarbeiter mitgebracht. "Das hilft uns natürlich auch über Dürrezeiten, die andere Unternehmen angeblich haben."

Eine gute Ausgangssituation, die auch die Mutter in Asien erkannt hat. Denn nicht nur das Auftragsvolumen gebe das Wachstum vor, natürlich auch der Konzern. Während Börner das "eher vorsichtig und Step-by-Step" in Angriff nehmen wollte, machen die Chinesen Nägel mit Köpfen. Die Erweiterung des Standortes um die zweite Halle auf dem ehemaligen Dreefs-Gelände startet noch in diesem Jahr. Geplant war das eigentlich für 2021. "Hier investieren wir noch einmal rund vier bis fünf Millionen Euro."

An Fachpersonal werde das Wachstum nicht scheitern, da ist sich der 52-Jährige sicher. Bereits vor den Einstellungen im Sommer 2018 habe er gehofft, in der Region personaltechnisch bestens aufgestellt zu sein. Und seine Erwartungen seien noch einmal übertroffen worden. "Wir hatten großes Glück, dass wir gut ausgebildete Leute mit Erfahrung vom Markt akquirieren konnten." Unter den Facharbeitern aus dem Werkzeug- und Formenbau sei der jüngste 29, der älteste 49 Jahre alt. Von seinen Mitarbeitern erwarte er viel, vor allem aber Eigeninitiative. "Die Crew da draußen muss eigenständig ihr Geld verdienen. Ich sage denen immer: Ich bringe die Aufträge, abarbeiten müsst ihr sie." Mittlerweile organisiere sich das Team weitestgehend autark.

Und weil er viel fordere, genießen seine Mitarbeiter auch Freiheiten und Annehmlichkeiten. Er setze auf eine offene Unternehmenspolitik und Mitarbeiterführung. Verträge werden individuell, das Arbeitsumfeld möglichst komfortabel gestaltet. Gerade lasse er zum Beispiel für sein Team einen "Wellnessbereich" herrichten. "Die Mitarbeiter fühlen sich wohl, sie kommen gerne auf die Arbeit - und das spricht für mich."