Am Donnerstagnachmittag hatten 140 Mitarbeiter von Loewe Gewissheit, dass es für sie im Unternehmen nicht weitergeht. Einen Anspruch auf eine Abfindung haben sie laut Thomas Bisani, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, trotzdem. Der sei durch das derzeit laufende Schutzschirmverfahren nicht aufgehoben.

Für diesen Anspruch wurde von der Unternehmensleitung und der Arbeitnehmervertretung ein Insolvenzsozialplan aufgestellt. Dabei werden die Bruttomonatsgehälter aller Gekündigten zusammengenommen und mit dem Faktor 2,5 multipliziert. Daraus ergibt sich das Gesamtvolumen dieses Sozialplans.

Aber nicht jeder Betroffene bekommt gleich viel. Die Anteile werden nun gewichtet: Wer beispielsweise alt ist, sehr lang im Betrieb ist, behindert ist oder Unterhaltsverpflichtungen nachkommen muss, der erhält einen größeren Anteil. Das Ergebnis wird auf einer Namensliste festgehalten.

In der Schlange der Gläubiger

Vielmehr als eine verbriefte Forderung ist das aber nicht, erklärt Bisani. "Man bekommt die Abfindung nicht sofort, sondern später aus der Insolvenzmasse. Aber keiner weiß, wie lange das dauert." Das heißt, die gekündigten Loewe-Mitarbeiter reihen sich in die Schlange der Gläubiger ein, mit denen sich Loewe im Laufe des Insolvenzverfahrens einigen muss.

Noch wichtiger als die Abfindung wird derzeit für die Betroffenen die Entscheidung sein, für welches Angebot des Unternehmens sie sich entscheiden. Es wird, wie schon im März, eine Transfergesellschaft geben. Allerdings mit einem Unterschied, der zeigt, dass sich die Situation für Loewe zugespitzt hat. Die Transfergesellschaft besteht nicht mehr für ein ganzes Jahr, sondern höchstens für ein halbes.

Alle Gekündigten, die dort eintreten, bekommen 80 Prozent ihres letzten Bruttogehalts bezahlt. Rund 60 Prozent davon, die Höhe des Arbeitslosengelds, zahlt die Agentur für Arbeit und damit der Steuerzahler. Wie schon bei der ersten Transfergesellschaft gilt auch hier: Die Zeit in der Transfergesellschaft gilt nicht als Arbeitslosigkeit.

Wer nicht in die Transfergesellschaft möchte, kann sich ab dem 1. Oktober freistellen lassen. Faktisch bekommt er dann Arbeitslosengeld - also rund 60 Prozent des letzten Bruttomonatsgehalts. "Ich gehe davon aus, dass fast jeder in die Transfergesellschaft geht", sagt Bisani, "weil das meiner Einschätzung nach die bessere Lösung ist."

Dreiseitiger Vertrag

Wer den dreiseitigen Vertrag zum Eintritt in die Transfergesellschaft unterschreibt, gibt die Möglichkeit auf, vor dem Arbeitsgericht zu klagen. Bisani schätzt die Erfolgschancen einer Klage allerdings als gering ein. Dann, so Bisani, hätten bei der Erstellung der Namensliste Fehler begangen worden sein müssen. Da aber sowohl Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerseite von Rechtsanwälten unterstützt wurden, hält er das für unwahrscheinlich.