"Wind of Change" wurde von Klaus Meine kurz vor dem Fall der Mauer geschrieben und nach der Wiedervereinigung Anfang 1991 als Single herausgebracht. Die gesungene und gepfiffene Rockballade der "Scorpions" stellt für die meisten Deutschen wohl die Wende-Hymne schlechthin dar: Menschen, die für ihren Wunsch nach Freiheit auf die Straße gehen, sich bemerkbar machen. Es ist ein Song der Hoffnung auf eine sich verändernde Welt.

Die Veränderung sind wir. Jeder Einzelne kann den Mut aufbringen, etwas zu verändern; so wie damals bei der friedlichen Revolution - auch das war die Botschaft der berührenden Konzert-Andacht am Sonntagabend in der vollen Christuskirche, in bewährter Art und Weise mit dem Duo "Hearts of Gold": mal still und mal leise, nachdenklich und melancholisch, aber auch voller Hoffnung und das Leben feiernd, aber immer bewegend! Im Englischen wird Veränderung ("Change") leicht zur Chance ("Chance"): Nehme das "g" und wechsle es aus durch ein "c" - dann wird daraus die große Chance!

Welche Wirkmacht von der Musik ausgehen kann, das zeigten Hans-Joachim Schäfer und Gerhard Müller als "Hearts of Gold" nicht "nur" mit der Wiedervereinigungs-Hymne, sondern mit einer ganzen Reihe weiterer Lieder im Kontext zum Thema Veränderung und Wandel. Die vielen Facetten des Themas zogen sich dabei wie ein roter Faden durch das sorgsam zusammengestellte Konzertprogramm voller musikalischer Stimmungsbilder.

Genesis und Bob Dylan

Interpretiert wurden die Lieder von den beiden Bandmitgliedern wie gewohnt live und unplugged mit zwei Akustikgitarren und zweistimmigem Gesang, wovon gerade in Kirchen eine noch größere Emotionalität ausgeht. Zu Ehren kamen Stücke solcher Musikgrößen wie Genesis ("Carpet Crawlers"), Peter Gabriel ("Solsbury Hill"), Joni Mitchell ("Both sides now"), Scorpions ("Wind of change"), Don Fardon ("Indian Reservation"), Bob Dylan ("The times they are changin´ "), John Lennon ("Imagine"), Led Zeppelin ("Stairway to heaven") sowie Queen ("We will rock you", "We are the champions).

Verstärkt wurde die von den Songs ausgehende Wirkung durch die Ausführungen von Diakonin Annette Teille, die zwischen den Stücken mit tiefgehenden Gedanken, Impulsen und Geschichten zum Thema "Mut zur Veränderung" für den stimmigen Rahmen sorgte. "Veränderungen gehören zum Leben dazu. Sie sind unvermeidbar, weil wir ohne Veränderung auf der Stelle treten würden, Entwicklung und Wachstum nicht möglich wären", zeigte sie sich sicher. Aber da sei auch Unsicherheit und Angst, weil man im Vorfeld das Unbekannte schlecht einschätzen könne. Mit dem Alten kenne man sich aus; aber Neues? Die Menschen hätten ganz unterschiedliche Herangehensweisen, sich auf Veränderungen einzulassen: Der Pessimist wolle von Veränderung gar nichts wissen; der Optimist begreife diese als Chance.

Ihr Ehemann Christoph Teille, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinden Weißenbrunn und Hummendorf, erzählte von seinen persönlichen Erlebnissen beim Mauerfall. "Am Ende waren die Machtlosen doch stärker als die Staatsmacht", bekundete er. Gleichzeitig sprach er aber auch davon, dass im Vorfeld in den Krankenhäusern schon Blutkonserven bereitgehalten und Scharfschützen auf den Dächern von Leipzig in Bereitschaft gewesen seien. Warum dann letztendlich nicht geschossen worden sei, wisse er nicht.

Spenden für die Suppenküche

Tradition der Konzert-Andacht ist auch der soziale Aspekt. Mit den Spenden wird dieses Mal die Suppenküche im Beratungszentrum der Diakonie bedacht. Die Ansprechpartnerin, Diplom-Pädagogin Burgunde Brauer von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit, stellte das Kooperationsprojekt des Diakonischen Werkes und des Caritasverbandes vor. Genutzt werden kann es von Menschen in finanziellen Notlagen - wie Hartz IV- und Grundsicherungsempfänger, Menschen mit geringem Erwerbseinkommen sowie mit geringer Rente. Diese erhalten von Montag bis Freitag als Mittagessen täglich wechselnde vollwertige Menüs mit Vor-, Haupt- und Nachspeise zum Gesamtpreis von einem Euro, um nicht am Essen sparen zu müssen.

Am Ende konnte das Publikum nicht genug bekommen von der wunderbaren Musik, bei der auch Mitmachen angesagt war. Die Besucher betätigten sich beispielsweise beim Queen-Klassiker "We will rock you" als "Schlagzeug"-Ersatz durch zweimaliges Schlagen auf die Kirchenbänke und anschließendes einmaliges Händeklatschen. Und natürlich wurde auch der hymnenähnliche Refrain mit angestimmt, der - wie alle Songtexte des Abends - zum Mitsingen im Programm abgedruckt war.

Rhythmisches Klatschen erfolgte auch bei der ersten Zugabe "Cecilia" von Simon & Garfunkel, während bei "Que será, será" von Doris Day alle Besucher in den Bänken schunkelten. Was für ein Bild!

Nach dem Konzert wurde eine weitere Tradition beibehalten. So trafen sich die beiden Band-Mitglieder mit ihrem treuen Publikum im CoCoNo zur geselligen "Nachbesprechung".