Ist Rassismus lustig? Nein. Klischees und Vorurteile auch nicht, es sei denn, sie werden wie in der Komödie "Monsieur Claude und seine Töchter" ad absurdum geführt. Ein Millionenpublikum lachte sich im Jahr 2014 im Kinofilm schlapp über den bourgeoisen Katholiken Monsieur Claude, dem die Töchter mit ihrer unorthodoxen Gattenwahl die Globalisierung direkt ins gediegene Wohnzimmer tragen.

Die Bühnenfassung in zwei Akten (Text und Inszenierung von Stefan Zimmermann) machte den heiteren Auftakt in die Theatersaison des Kronacher Kreiskulturrings.

Zu selten subversive Pointen

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Familienfest bei den Verneuils. Weder ist der Anlass - die Beschneidung des Enkelsohns - ein Grund zur Freude bei Monsieur Claude (Ralf Novak) und seiner Frau Marie (Mona Perfler) noch das Ehrengeschenk. Die Großeltern sollen die Vorhaut gemäß der jüdischen Tradition in ihrem Garten vergraben, doch der Familienhund ist schneller.

Subversive Pointen wie diese sind leider selten im Stück, dafür macht der Plot den Weg frei für Slapstick und Kalauer und vermeidet es, noch die gängigste Schablone auszulassen: Chinesen (Benedikt Uy als Chao Ling) grinsen andauernd und sind geschäftstüchtig, Araber (Benedikt Zimmermann als Abderazak) sind aggressive Terroristen, Juden (Robert Naumann als Abraham) haben große Nasen und machen in Geld.

Schnäppchenjagd auf dem Notebook

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Die Katholiken bleiben auch nicht ungeschoren. Um einiges mehr als die Beichte von Marie fesselt den Pfarrer die Schnäppchenjagd auf dem Notebook. Alexander Mattheis glänzt in weiteren vier kleinen Rollen mit komödiantischem Talent.

Wenn auch holzschnittartig, so werden die Schwiegersöhne im Gegensatz zu ihren Ehefrauen überhaupt charakterisiert. Michelle (Fee Denise Horstmann) darf ein bisschen hypersensibel sein, Isabelle (Katharina Gschnell) macht als Anwältin Karriere, und Adèle (Sorina Kiefer) ist immerhin Mutter.

Konservatives Weltbild

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Die höheren Töchter glätten die Wogen, wenn sich die Männer ihre liebevoll gepflegten Vorurteile verbal und handgreiflich um die Ohren hauen in Szenen, die wie Filmschnitte aneinander gereiht sind. Projektionen von Wohnungen, Haus und Garten ersetzen das Bühnenbild, die Musik verortet die Ethnien zusätzlich: zu hören sind Klezmer auf Klarinette, arabische Melodien auf der Oud, chinesische Zupfweisen, französisches Akkordeon und afrikanische Djemben.

Soviel Multikulti ist zu viel für die Verneuils. Deren konservatives Weltbild soll Tochter Laura (Laura Antonella Rauch) retten. Fast schafft sie es: Ihr Verlobter Charles (Hans-Jürgen Helsig) ist zwar "nur" Schauspieler, dafür aber Katholik! Allerdings: "Du hättest mich vorwarnen sollen, dass deine Eltern weiß sind!", blafft er seine Zukünftige beim ersten Treffen mit den Schwiegereltern an.

Das alles ist in weiten Strecken amüsant, aber so richtig springt der Funke erst über, als Charles' Eltern (Ida Ouhé und Félix Kama) von der Elfenbeinküste die Bühne betreten - und mit ihnen afrikanische Lebens- und Spielfreude. In manchen Klischees steckt halt doch viel Wahrheit.

Sture Väter

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Die sturen Väter ähneln sich viel mehr, als sie wahr haben wollen. "Misch-Ehen funktionieren nicht", beteuert Papa Koffi, Wasser und Öl ließen sich schließlich auch nicht verbinden. Da ist Monsieur Claude schon einen Schritt weiter und verweist auf die köstliche Mélange von Kaffee und Milch im Cappuccino.

Die wunderbare Männerfreundschaft beginnt mit einem Vollrausch und wird besiegelt mit dem Tausch von Anglerweste und afrikanischem "Boubou". Und natürlich der Heirat von Laura und Charles.

Humor als Waffe gegen Rassismus, diese Idee zündete im Kreiskulturraum. Begeisterter Applaus.