Momentan sind da nur leere Räume. Darin maximal ein paar aufgeschichtete Steine, einiges an Staub und vereinzelt ein paar Holzbalken. Dass es hier einmal gemütlich werden wird, kann man bisher nur erahnen.

Anja Viehweger jedoch weiß schon ganz genau, wie es in dem alten Steinhaus in Untergundelsdorf ab Sommer 2019 zum Start des Kindergartenjahres aussehen soll. "Hier wird der Lese- und Ruheraum sein. Bettchen und Matratzen sind schon bestellt. Und auch die Bücher sind mir wichtig. Ich will den Kindern Medien und Märchen näherbringen", sagt die 39-Jährige.

Beim Rundgang durch das erste Obergeschoss richtet sie in Gedanken bereits die 95 Quadratmeter große Fläche ein. Den Kreativ- und Bewegungsraum, kindergerechte Toiletten und das Zimmer für Lego- und Konstruktionsspiele. "Wir wollen die Zimmer wieder mit Leben erfüllen."


Stube für bis zu zehn Kinder

Der Plan der Kinder-, Alten- und Krankenpflegerin, die 2017 eine Weiterbildung zur Erzieherin an der Fachakademie für Sozialpädagogik in Coburg absolvierte: in dem Haus in Untergundelsdorf eine Großtagespflege mit bis zu zehn Plätzen eröffnen. Zusätzlich soll es vier auf jeweils 30 Tage Betreuung befristete Notfallplätze geben - zum Beispiel, wenn Mütter nach einem Kaiserschnitt plötzlich jemanden brauchen. "Anja's Kinderstube" soll die Tagespflege einmal heißen.

Los gehen soll es in der Eingewöhnungsphase mit ein bis zwei Kindern. "Dann werde ich mit fünf starten und sehen, wie es anläuft. Für die Zukunft suche ich dann eine Tandempartnerin", berichtet Viehweger, die derzeit im Kindergarten von Mannsgereuth (Kreis Lichtenfels) arbeitet und davor in mehreren anderen Kindergärten Erfahrung gesammelt hat. "Es war schon immer mein Traum, mich in meinem Traumberuf selbst zu verwirklichen", sagt sie über die Beweggründe, das Grundstück in Untergundelsdorf zur Tagespflege umzuwandeln.

Die Erzieherin will eine gemischte Gruppe mit Kindern von zwei bis sechs Jahren beaufsichtigen. "Gerade für Einzelkinder ist das gut, wenn unterschiedliche Altersklassen miteinander aufwachsen. Die Kleinen lernen von den Großen und die Älteren übernehmen mehr Verantwortung."


Frühstücksbox nicht benötigt

In ihrer Kinderstube verspricht Viehweger Rundumbetreuung. "Bei mir muss keiner eine Frühstücksbox mitbringen." Stattdessen soll gemeinsam in den Tag gestartet werden. Weiterhin gibt es Mittagessen, Obst und Vesper. Die Öffnungszeiten von "Anja's Kinderstube" sollen von sieben bis 16 Uhr sowie nach Absprache sein. Sie will vor allem für Eltern eine Option sein, die berufsbedingt auf der B 85 pendeln.

Bei Bedarf ist auch ein Hol- und Bringservice nach Kronach geplant. "Ein ruhigeres Kind, das sich in der großen Gruppe nicht so wohl fühlt, soll hier individuelle Betreuung finden", wünscht sich Anja Viehweger.


Noch einiges zu tun

Zum Beispiel will die Gundelsdorferin auch viel Musik machen. "Kinder müssen singen dürfen." Doch das ist noch nicht alles: Auch der Garten soll stark im Fokus stehen. "Kinder sollen naturnah aufwachsen, was heutzutage ja nicht mehr selbstverständlich ist." Auf dem Viehweger'schen Grundstück gibt es viele Quadratmeter Platz mit Wiese und Bäumen. Und auch Tiere - Meerschweinchen, Hühner und Kaninchen - sind vorhanden.

Davor ist aber noch einiges zu tun: Die Räume müssen komplett renoviert, teilweise Erker herausgerissen werden. Außerdem bekommt das Gebäude ein komplett neues Dach. Auch die Treppe muss kindgerecht umgestaltet werden, Sanitäranlagen und eine elektrisch gesteuerte Haustür werden eingebaut.

Die Arbeiten laufen schon eineinhalb Jahre. Anja Viehweger und ihr Mann haben eine sechsstellige Summe in den privat finanzierten Umbau gesteckt. Die Erzieherin schrieb eine Konzeption und stimmte diese mit der Stadt Kronach und dem Kreisjugendamt ab. Nach dem Umbau wird kontrolliert, ob alles passt. Erst dann gibt es die Betriebserlaubnis.

Jugendamt: "Viele Kinder verlassen die Tagespflege im dritten Lebensjahr"

Sandra Müller-Biesenecker ist im Jugendamt des Kreises Kronach damit beschäftigt, sich über die Pflege und Betreuung der Kinder Gedanken zu machen. Wir haben die Mitarbeiterin im Bereich Kindertagespflege zu Vorschriften sowie Vor- und Nachteilen der Betreuungsform befragt.

Frau Müller-Biesenecker, wie läuft es ab, wenn jemand eine Tagespflege eröffnen möchte? Was gibt es für Grundlagen und welche Vorschriften überprüft das Jugendamt?
Sandra Müller-Biesenecker: In der Regel nimmt die Interessentin oder der Interessent zunächst Kontakt zu mir auf und erläutert das Bereuungskonzept. Gemeinsam wird dann besprochen, ob das Wunschkonzept in den vorgesehenen Räumen realisierbar erscheint und inwieweit tatsächlich Bedarf für die Betreuung in Kindertagespflege vorhanden ist. Gegebenenfalls wird das Konzept angepasst.

Was muss geschehen, um die Betriebserlaubnis zu erhalten?

Für die Bedarfsanerkennung ist die jeweilige Kommune zuständig. Sie muss vor Ort beantragt werden. Um bestehende Räume für die Kinderbetreuung im Rahmen der Großtagespflege nutzen zu können, ist zusätzlich eine Baugenehmigung mit Nutzungsänderung erforderlich.Vor Beginn der Großtagespflege finden im Rahmen der Erteilung einer Pflegeerlaubnis eine Eignungsprüfung der Tagespflegepersonen statt. Darüber hinaus müssen sich die Tagespflegemütter als Lebensmittelunternehmer registrieren lassen.

Gibt es bereits ähnliche Modelle wie das in Gundelsdorf geplante im Landkreis?

Zusammenschlüsse von Tagespflegepersonen gibt es mit der Tagespflege Storchenneest in Lauenhain und der Tagespflege Gäsenblümchen im Muki-Treff in Kronach.

Was sind aus Ihrer Sicht Vor- und Nachteile solcher Betreuungsformen?

Die Vorteile der Kindertagespflege sind sicherlich flexiblere Betreuungszeiten. Die Betreuung findet in einer kleinen Gruppe statt, das Konzept kann den Bedürfnissen der oft noch sehr jungen Kinder eher angepasst werden und das Tageskind hat eine feste Bezugsperson. Als nachteilig empfinden manche Eltern, dass ein Einrichtungswechsel stattfinden muss, wenn ihr Kind ab dem dritten Lebensjahr eine Tagesstätte besuchen soll. Denn oftmals wollen die Eltern, dass die Tagespflegekinder die Tagesmütter zu diesem Zeitpunkt verlassen und in eine traditionelle Einrichtung wechseln.

Warum wollen die Eltern das?

Während Kleinkinder von den familienähnlichen Strukturen der Kindertagespflege profitieren, benötigen die meisten Kinder ab dem dritten Lebensjahr den Austausch mit Gleichaltrigen, um Freundschaften aufzubauen, und unterschiedliche Beschäftigungsangebote, um ihre Stärken kennenzulernen und ihre Interessen zu wecken. Dies ist im Rahmen einer Einrichtung, mit mehr Kindern und einem größeren Betreuungsteam besser möglich. Mir ist bislang kein Fall im Kreis bekannt, in dem ein Vorschulkind noch in einer Tagespflege war.

Wie viele Kinder-Betreuungsplätze gibt es im Kreis Kronach?

Am 1. Januar 2018 standen 1796 Regelplätze in traditionellen Kindergärten, 461 Krippenplätze in Kindertagesstätten und 165 Plätze in Horten zur Verfügung. Zusätzlich gibt es 90 Plätze in Kindertagespflege.