Traumhafte Arien, fesselnde Hits aus Musical und Operette, ein strahlend schwebender Sopran und als Fundament die Königin der Instrumente: Sängerin Lisa Rothländer beherrscht mühelos den Spagat zwischen diesen Musikrichtungen. Wunderbar mit ihrer glockenreinen Stimme verschmolz das feinfühlig begleitende Klavierspiel von Sabine Steinmetz, die zudem ausgewählte Werke großartiger Tonschöpfer aus dem Barock bis zur Neuzeit erklingen ließ. Stimmungsvoll ergänzt wurde der musikalische Dialog von Susanne Popp mit zwei Lesungen.

"Rejoice greatly, O daughter of Zion". Schon die ersten Töne der Sopranistin Lisa Rothländer aus Händels Messias-Oratorium sorgen für Gänsehaut. Gefühl im Überfluss, gepaart mit einer tollen Ausstrahlung und großer Präsens. Da schwellen Töne an und erobern sich wie ein brodelnder und schließlich ausbrechender Vulkan das ganze Gotteshaus: in den Höhen ästhetisch rein und in den Tiefen voller Sinnlichkeit!


Mit Charme und Emotion

Ein einziger Genuss auch die warme Leuchtkraft in der Höhe beim von ihr zart, mit viel Herz interpretierten "Laudate Dominum" aus Mozarts "Vesperae Solennes de Confessore": In jeder einzelnen gesungenen Phrase verbindet sie Textausdruck und Klangschönheit perfekt.
Aber auch in der heiteren Welt des Gesanges fühlt sich die gebürtige Schweinfurterin sichtlich wohl. Dabei begeistert sie nicht nur mit ihrer sanften und zugleich starken Stimme, sondern auch mit Charme und Emotionen, die jedoch nie übersteigert wirken.

Einfach köstlich das von ihr charmant "feucht-fröhlich" dargebotene "Schwips-Lied" aus der Strauß-Operette "Eine Nacht in Venedig", das sie - mit einem Glas Sekt in der Hand - spritzig-prickelnd wiedergibt: "Mir ist auf einmal so eigen zumute. Irgendwas prickelt und kitzelt im Blute. Irgendetwas trägt mich weit weg in Himmels Seligkeit. Und ich muss lachen, vor Glück muss ich lachen - auch weil ich Lust hab, was Dummes zu machen."


Die Chemie passte

Einen Hauch vom Glitzer und Glamour der großen Show- und Theaterwelt verbreitet die Sopranistin, die seit 2013 festes Mitglied des MDR-Rundfunkchores ist, mit ihrer Interpretation des Blumenmädchens Eliza Doolittle mit "I could have danced all Night" aus dem Musical "My fair Lady".
Wie gut Orgel und Broadway harmonieren, zeigte auch Sabine Steinmetz, die "Tonight" aus Bernsteins "West Side Story" mit dem für Musicals ungewöhnlichen orchestralen Orgelklang völlig neu erfahrbar machte. Die Kirchenmusikerin an der Stuttgarter Pauluskirche war kurzfristig für ihren erkrankten Schwager, Dekanatskantor Marius Popp, eingesprungen.

Und die "Chemie" zwischen ihr und der Sängerin stimmte; die Beiden schienen ein Herz und eine Seele zu sein! Rhythmisch präzise, stets auf Augenhöhe, veredelte sie mit ihrem präzisen Spiel Rothländers Gesang. Großartig war auch die zum Auftakt des Konzerts von Steinmetz zum Klingen gebrachten Fanfare von Nicolas-Jacques Lemmens sowie Bachs meisterlicher Toccata C-Dur und Adagio BWV 564 als auch - im weiteren Verlauf - die "Offertoire sur les grands jeux" aus der "Messe du jour de Noël" des französischen Romantik-Komponisten Alexandre-Pierre François Boëly.


Viele Überraschungen

Eine stimmungsvolle Umrahmung erfuhr das Konzert, das für viele Überraschungen gut war, durch Susanne Popps Lesungen "Der Sänger" von Johann Wolfgang von Goethe und "Glück" von Wilhelm Schmid. Goethe erzählt in seiner Ballade von einem Kunst genießenden König, der einen Sänger zu sich bittet, um sich an seinem lieblichen Gesang zu erfreuen. Als er ihm als Dank für seine Kunst reich belohnen möchte, lehnt der Sänger jedoch höflich ab, weil er seine Stimme als genug Lohn ansieht.
Der Lebenskunst-Philosoph Schmid unterscheidet in seinem Buch die verschiedenen Glücksarten: das Zufallsglück, das sich nicht beeinflussen lässt, das Wohlfühlglück, welches in der Maximierung von Lust und der Eliminierung von Schmerz besteht und das Glück der Fülle, das sowohl alles Positive wie auch alles Negative umfasst.

Seinen Abschluss erfuhr der musikalische Jahreskehraus mit Gershwins "Summertime" aus der Oper "Porgy and Bess", wobei Rothländer förmlich die Hitze des Sommers vibrieren ließ.


"Beschwipste" Zugabe

Die Besucher hielt es bei ihrem stürmischen Schlussapplaus nicht mehr auf den Sitzen. Vehement erklatschten sie sich eine Zugabe, wobei Rothländer noch einmal das "Schwips-Lied" anstimmte.