Wenn nur fünf Leute gekommen wären, hätte Helmut Schiffner aufgegeben. Aber es waren über 100. Der Besitzer des Schlosshofs Hain wehrt sich vehement gegen den geplanten Bau von fünf großen Windkraftanlagen auf dem nahe gelegenen Reinberg.

Am Freitagabend hatten er und seine Frau Inge Neubauer zu einer Kundgebung eingeladen und Unterschriftenlisten ausgelegt. Die Listen mit den Signaturen der Bürger sollen den Gemeinderäten bei der Sitzung am kommenden Dienstag vorgelegt werden.

"Wenn die Windräder kommen, werden wir mit dem Seminarhof gehen müssen", stellte Helmut Schiffner fest, denn die Pferde würden die Geräusche der Windräder nicht verkraften. Mit dem Bau der geplanten Windkraftanlagen werde der südliche Kreis Kronach aufs Schwerste geschädigt. Das Tor zum Frankenwald werde von Windrädern gesäumt. Die Windkraftanlagen auf dem Reinberg würden die letzten Anlagen in Bayern sein, die so nahe an bewohntes Gebiet gebaut werden dürften. "Die Dinger sind 200 Meter hoch, Vierzehnheiligen nur 74 Meter", sprach Helmut Schiffner einen markanten Größenvergleich an. Die Kanzeln der Windräder in 140 Metern Höhe seien so groß wie Einfamilienhäuser.


Viel Beifall

Die Kundgebung in Hain sei die erste öffentliche Versammlung zum Thema Windkraft im Markt Küps, prangerte Helmut Schiffner die schlechte Informationspolitik an und erhielt für diese Feststellung viel Beifall.

"Man hat uns regelrecht hinters Licht geführt", schimpfte er. "Warum machen Sie das?" fragte er die politisch Verantwortlichen. Er fühle sich verraten und verkauft. Er erwarte von den Volksvertretern, dass sie "die Monster vom Reinberg" verhinderten. An der Kundgebung nahmen auch mehrere Ratsmitglieder teil. Zwei davon, Ursula Eberle-Berlips (CSU) und Helga Mück (Freie Wähler), teilten nach der Versammlung mit, dass auch die Marktgemeinderäte nicht hinreichend informiert worden seien. Man habe zwar eine Grundsatzentscheidung für Windkraft getroffen, aber bis vor Kurzem nicht gewusst, dass daraus ein Bauantrag resultiere - und noch dazu mit diesen Ausmaßen. Seit Wochen lägen mehrere Leitz-Ordner mit den Anträgen im Rathaus, die Räte hätten lediglich eine dreiviertel Seite als Info bekommen. Sie hätte sich von Anfang an eine offenere Diskussion gewünscht, sagte Ursula Eberle-Berlips. Sie sehe die Energiewende in einer dezentralen Energieversorgung, aber man müsse jeden Einzelfall prüfen.

Inge Neubauer war verbittert und berichtete mit zitternder Stimme, dass ihr vor zwei Jahren gesagt worden sei, die Bürger würden rechtzeitig informiert. "Das geschah am vergangenen Samstag", sagte sie und sah ihr Lebenswerk, den Schlosshof Hain, in Gefahr.


Der Schlüssel

Rechtsanwalt Björn Kleyhauer, der die Interessen von Helmut Schiffner vertritt, informierte über die verschiedenen Verfahrensschritte. Er bat darum, auf die Ratsmitglieder einzuwirken, das gemeindliche Einvernehmen zu verweigern. Er war sich sicher, dass der potenzielle Betreiber den Klageweg nicht beschreiten werde.

Helmut Schiffner griff in seiner Rede auch den Bund Naturschutz an. Er verstehe nicht, dass die Naturschützer an der Windkraft festhielten, denn die Windenergie sei zu einem Geschäft verkommen. "Wir müssen jetzt aus der Nummer raus - und der Marktgemeinderat hat den Schlüssel dazu", sagte Schiffner.

Viele der Versammlungsteilnehmer trugen sich in die Unterschriftenlisten ein. Darunter war auch ein Grundstückseigentümer vom Reinberg, der es bereute, sein Einverständnis gegeben zu haben. Das könne er nun nicht mehr rückgängig machen, weil er vertraglich gebunden sei. Der Gesangverein Hain, der am Freitagabend einen Auftritt bei einer goldenen Hochzeit hatte und deshalb nicht an der Kundgebung teilnehmen konnte, hatte schon vorher auf den Listen unterschrieben.