Am Montag startete die Sandstein-Werkstatt der Kronacher Sommerakademie in ihre nächste Runde. Baustellenbedingt klopft und hämmert es heuer nicht auf der Festung, sondern im Atelier von Tobias Schreiber im Dobersgrund.

Es ist ein Tasten, Schauen, Hämmern und Wegnehmen: Elf Steinkünstler greifen an diesem strahlend schönen Montagmorgen beherzt zu Meißel und Hammer, um damit ihre Sandsteine auf dem stabilen Arbeitspodest zu bearbeiten. Gemeinsam machen sie sich daran, das die Lucas-Cranach-Stadt so prägende Ausgangsmaterial in ein kleines Kunstwerk zu verwandeln.

Die erste Kursstaffel geht über zwei Wochen. Einige bleiben nur eine Woche dabei, dafür stoßen andere in der nächsten Woche dazu. Kurs 2 beginnt am 30. Juli. Aufgrund der Baustelle auf der Festung Rosenberg findet die Sandstein-Werkstatt heuer ausnahmsweise im idyllisch gelegenen Atelier-Garten von Tobias Schreiber statt. Hier, weitab des lärmenden Straßenverkehrs, inmitten herrlicher Natur, wo man nur Vogelgesang und das Plätschern des Paulus-Baches hört, haben die kreativen Köpfe am Montag ihre Arbeit aufgenommen. Unter professioneller Anleitung des freischaffenden Bildhauers Tobias Schreiber schaffen sie Reliefs, Ornamente oder Figürliches.



Zum 15. Mal dabei

Die "Dienstältesten" sind Lore Walker und Maria Hausmann aus Kronach sowie Elisabeth Ehrhardt aus Nürnberg, die jeweils zum 15. Mal dabei sind. Brigitte Bühler aus Unterrodach bringt es auf stolze 14 Mal. Die vierhandwerklich begabten Damen haben auch heuer wieder schöne Motive ausgewählt, wobei Maria Hausmann schon umdisponieren musste. "Tobias Schreiber hat gemeint, das, was ich mir vorgenommen hatte, würde mit Sandstein nicht funktionieren", erzählt die Kronacherin. Dies sei aber kein Problem. Nun wolle sie einen Baumstamm in Stein hauen, neben dem rechts und links zwei Personen hervorlugen und sich anschauen. "Mal sehen, was dabei herauskommt", schmunzelt sie.

Schon einige Freunde und Bekannte kamen in den Genuss eines von Lore Walker geklopften Kunstwerks. Und auch heuer fertigt die Kronacherin wieder zwei Geschenke für liebe Menschen. "Das erste wird ein Geschenk für eine Goldene Hochzeit. Ich war im vergangenen Jahr eingeladen und habe den Beiden versprochen, dass sie heuer einen persönlich gestalteten Stein bekommen", verrät sie. Ihr zweites Werk wird ein Herz.


Ein Arm brach ab

Elisabeth Ehrhardt hat sich etwas Abstraktes vorgenommen. "Im letzten Jahr habe ich mich mit der Gestaltung eines Kleinkindes geplagt. Kurz vor der Fertigstellung ist mir dann ein Arm abgebrochen", ärgert sie sich. Bei einem abstrakten Werk falle das nicht so ins Auge, wenn mal was - sprichwörtlich - daneben geht. Brigitte Bühler möchte eine in sich geschlungene, schlafende Frau nach der Motivvorlage einer Rötelzeichnung erschaffen.

Den weitesten Anfahrtsweg hatte auch heuer wieder Johannes Thum aus Leverkusen - ebenfalls schon ein "guter alter Bekannter", der in den letzten Jahren viel "tierisc hGutes" geschaffen hat: beispielsweise einen Frosch, einen Bär und einen Wal.

Von der neuen Kulisse zeigen sich alle Steinkünstler begeistert. "Es ist hier ein sehr ruhiges Arbeiten, inmitten herrlicher Natur. Das ist einfach schön hier", schwärmt Maria Hausmann. Als Schutz vor Regen oder allzu heißer Sonnenstrahlung hatte Tobias Schreiber sogar eigens eine Holzüberdachung errichtet. Ihm galt dann auch der besondere Dank von Kerstin Löw, Leiterin des Tourismus- und Veranstaltungsbetriebes der Stadt Kronach. "Der Umzug hierher war nicht selbstverständlich und es war kein kleiner Akt, die Werkstatt zu räumen", zeigte sie sich dankbar.


Inspirierender Ort

Die neue Kulisse sei sicherlich eine neue Inspiration für die Teilnehmer, Schönes zu schaffen. Sie hoffte, dass die Kurse im kommenden Jahr wieder auf der Festung stattfinden können. Den Teilnehmern wünschte sie, das von ihnen angestrebte Kunstwerk plastisch umzusetzen. Als Geschenk überreichte sie allen jeweils eine Freikarte für den Besuch eines Stücks ihrer Wahl der Rosenberg-Festspiele.

Die Grüße der Stadt sowie von Rathauschef Wolfgang Beiergrößlein übermittelte Kronachs Dritter Bürgermeister Markus Wich. Dieser stellte dabei die enge Verbindung zum in der Lucas-Cranach-Stadt allgegenwärtigen Sandstein heraus. Kein anderer Werkstoff habe die Stadt über Jahrhunderte hinweg derart geprägt. Herzlich dankte er Tobias Schreiber für die Übernahme der Sandstein-Werkstatt nach dem Tod seines Vaters Heinrich Schreiber im Jahre 2016, der diese gegründet und über 20 Jahre lang geleitet hatte. Es sei Tobias Schreiber zu verdanken, dass dieses Angebot weiterhin fester Bestandteil im Jahresprogramm der Stadt bleiben und auch heuer während der Großbaumaßnahme auf der Festung stattfinden könne.

"Mir war es wichtig, dass die Sandstein-Werkstatt keine Pause erfährt. Wenn etwas einmal ausgesetzt hat, ist es schwer, das wieder in Gang zu bringen. Eine Pause wäre die schlechteste Lösung gewesen", zeigte sich Schreiber sicher. Den Teilnehmern legte er ans Herz, das Maximum aus ihrem Stein herauszuholen: "Gebt euch nicht mit weniger zufrieden, lasst den Stein fliegen - Haut rein!" Einen großen Wunsch trugen die Teilnehmer an Löw und Wich heran. Sie wünschten sich einen Holzbildhauerkurs, nachdem der Frankenwald schon seit Jahrhunderten durch seinen Wald- und Holzreichtum sowie von der Flößereigeprägt werde. "Eine wirklich gute Idee für ein neues Angebot", befand die Tourismus-Chefin und griff die Anregung gerne auf.


Der Kurs

Der Bildhauerei Kurs 2 findet vom 30. Juli bis 10. August. Alternativ gibt es die Möglichkeit, jeweils eine Woche in der Zeit vom 30. Juli bis 3.August beziehungsweise 6. August bis 10. August daran teilzunehmen. Die Kursgebühren betragen 300 Euro für die gesamte Kursdauer/185 Euro für jeweils fünf Tage Kursdauer, zusätzlich Materialkosten je nach Größe des Steins. Für Informationen steht Tobias Schreiber gerne zur Verfügung -telefonisch unter 09261/52888 (ab 18 Uhr) oder per Email: tobias_schreiber@gmx.de