Alkohol-, Gurt- und Geschwindigkeitskontrollen: Drei Punkte, mit denen die Polizei die Verkehrssicherheit erhöhen will. "Gerade bei Geschwindigkeitskontrollen dürfen sich die Kontrollen aber nicht in der Fläche verlieren", betont Polizeirat Uwe Herrmann, Leiter der Polizeiinspektion Kronach. Die Maßnahmen müssten vielmehr immer wieder an Unfallbrennpunkten durchgeführt werden, damit sich das im Unterbewusstsein der Autofahrer festsetzt. "Ansonsten verpufft der Kontrolldruck."

Die Maßnahmen der Polizei scheinen sich auszuzahlen. So ist die Zahl der Unfälle mit Personenschaden im Landkreis Kronach von 228 im Jahr 2010 auf 184 im vergangenen Jahr zurückgegangen. "Da stehen wir im Vergleich gut da", betont Herrmann mit Stolz und führt diese Entwicklung nicht zuletzt auf die "große Anzahl an Geschwindigkeitsmessungen" zurück. Auch wenn er keine genauen Zahlen nennen will, so werden heute alleine von der Polizei in Kronach sechsmal so viele Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt wie noch vor zehn Jahren. Generell ist Herrmann davon überzeugt, dass im Landkreis Kronach im oberfrankenweiten Vergleich überdurchschnittlich viele Kontrollen erfolgen.

"Das ist ein Steckenpferd von mir", räumt Georg Pabstmann ein, der mit seinem Team nicht zuletzt häufig mit der Laserpistole Kontrollen durchführt. Hier bringt der technische Fortschritt Vorteile mit sich: "Früher konnte mit der Laserpistole auf einer Entfernung von 300 Metern kaum eine gültige Messung durchgeführt werden. Heute kann ich auf einer Entfernung von einem Kilometer messen", erklärt Pabstmann. Vorteilhaft machen sich Laserkontrollen nicht zuletzt auch bei Kontrollen von Lkw bemerkbar.

Viele Sicherheitsleistungen

"Wir behalten mittlerweile sehr viele Sicherheitsleistungen von ausländischen Fahrern ein", erklärt Herrmann, der den Landkreis Kronach als Durchfahrtsgebiet für ausländische Lkw ausgemacht hat. "Und die lassen es häufig treiben", spricht er zahlreiche Geschwindigkeitsverstöße an. "Die Fahrer zahlen dann genau so viel wie deutsche Raser."

Kann das Geld bei Lasermessungen mit anschließender Anhaltung sofort kassiert werden, würde nach einer herkömmlichen Kontrolle mit "Blitzerfoto" ein Verfahren gegen Fahrer vor allem aus Ländern wie Polen, Tschechien oder Rumänien ins Leere führen. Herrmann verdeutlicht, dass es sich bei den Geschwindigkeitskontrollen nicht um Abzockerei handelt. "Rund 80 Prozent der Messungen finden außerhalb der Ortschaften statt", erklärt der Leiter der Kronacher Polizei und verweist auf Unfallbrennpunkte als Orte für die durchgeführten Messungen.

Konzentration auf Schulwege

Bei den restlichen Kontrollen konzentriere man sich hauptsächlich auf Schulwege. Das Ergebnis: "Wir haben heuer schon elf Fahrverbote ausgesprochen", erklärt Georg Pabstmann. Für Herrmann sind im Übrigen derartige Strafen die beste Prävention. "Die Erfahrung zeigt, dass die Wirkung am größten ist, wenn es an den Geldbeutel oder an den Führerschein geht. Das merken wir übrigens auch bei der Drogenbekämpfung. Da ist schon so mancher clean geworden, weil er befürchten musste, dass ihm das Landratsamt den Führerschein wegen wiederholten Fahrens unter Drogeneinwirkung wegnimmt", erzählt Herrmann.

Interessant ist auch eine weitere Statistik: Alleine im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Kronach ist die Zahl der alkoholbedingten Unfälle von 114 im Jahr 1983 auf 19 im vergangenen Jahr zurückgegangen. Zwar gebe es von Jahr zu Jahr immer wieder mal Schwankungen, die seien aber häufig nicht erklärbar. Deshalb sind für Herrmann nur Langzeitstatistiken aussagekräftig.

Bewusstseinswandel

Was Alkoholfahrten betrifft, glaubt Herrmann einen Bewusstseinswandel bei den Autofahrern zu erkennen. Dies bestätigt auch Verkehrssachbearbeiter Georg Pabstmann: "Wir stellen das immer wieder bei Kontrollen zu Festveranstaltungen fest. Es gibt heute deutlich mehr Fahrgemeinschaften. Da sitzen dann neben dem nüchternen Fahrer noch vier Betrunkene im Auto." Und Herrmann ergänzt: "Die Menschen sind vorsichtiger geworden. Die Mobilität ist gerade den Jüngeren sehr wichtig. Einen Führerscheinentzug riskieren nur noch wenige." Pabstmann sieht zudem im begleitenden Fahren einen positiven Aspekt, den er jedoch nicht genau belegen kann, da noch keine Statistiken vorliegen.

Eine positive Entwicklung gibt es im Zuständigkeitsbereich der Kronacher Polizei auch bei der Zahl der Verkehrsunfälle mit getöteten Personen . Gab es 1980 noch 24 Verkehrstote, war es im vergangenen Jahr nur noch ein tödlicher Unfall. Nimmt man den Bereich der Polizeiinspektion Ludwigsstadt noch hinzu, gab es 2012 im Landkreis Kronach "nur" zwei Menschen, die bei Unfällen ums Leben kamen.

Oft reichen Kleinigkeiten

Um Unfallschwerpunkte zu entschärfen, reichen Geschwindigkeitskontrollen oft nicht aus. Nicht selten tritt dann die Unfallkommission zusammen, in der neben Mitarbeitern des Landratsamtes und des Staatlichen Bauamtes auch Georg Pabstmann vertreten ist. Als Maßnahmen dienen häufig bauliche Veränderungen. "Oft sind es nur Kleinigkeiten", betont Pabstmann und spricht beispielsweise ein Stopp-Schild in Erlabrück an. Seitdem dieses entfernt (!) wurde, gebe es dort weniger Auffahrunfälle.

Änderungen sind laut Pabstmann an der Kronacher Kreuzung in Richtung Weißenbrunn vorgesehen. "Wenn man auf der linken Spur neben einem Lkw unterwegs ist, kann es passieren, dass man die Ampel nicht sieht. Dadurch haben sich im Kreuzungsbereich immer wieder Unfälle ereignet." Deshalb wird eine zusätzliche Ampel installiert und die Anlage auf LED umgerüstet. Zudem wird ein Wegweiserschild versetzt, um eine bessere Sicht zu gewährleisten.

Für Pabstmann haben sich die bislang durchgeführten Maßnahmen von Polizei und Unfallkommission bewährt. Das Ziel ist dabei immer das Gleiche: eine Verbesserung der Sicherheit.