"Die Weihnachten des Ebenezer Scrooge" war ein kultureller Höhepunkt, der vielen Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Es wurde aber auch deutlich, dass die Tettauer in der Lage sind, gemeinsam etwas Großartiges auf die Beine zu stellen und somit den Bekanntheitsgrad ihrer Gemeinde weit über die Rennsteig-Region hinaus zu steigern.

Es ist Samstagnachmittag, die Generalprobe findet statt. Die Kulisse bietet ein winterliches Bild. Ton und Technik werden noch einmal überprüft. Von Lampenfieber der Akteure ist nichts zu spüren. Vielmehr ist Erwartung und Begeisterung in den Gesichtern der Laienschauspieler zu erkennen.

Und dann geht der Vorhang auf. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die wundersame Wandlung des hartherzigen, geizigen und menschenverachtenden Londoner Geschäftsmannes Ebenezer Scrooge (Fabian Altmann).
Am Heiligen Abend erhält dieser seltsamen Besuch: Sein Freund und Geschäftspartner Jakob Marley (Benjamin Baier) schaut vorbei. Seit 20 Jahren ist dieser tot und nun lebt er als Geist zwischen Himmel und Erde. Seine Aufgabe ist es, aus Scrooge einen besseren Menschen zu machen.

Ein harter Brocken

Doch der ist ein harter Brocken - selbst Marleys Geisterfreunde, die in einem schauerlichen Tanz ihr trostloses Dasein beklagen, beeindrucken ihn kaum. Scrooge zeigt sich ungerührt und die Tatsache, dass sein alter Freund an die Erde gekettet bleibt, wenn er sich nicht erweichen lässt, ist ihm ebenso gleichgültig wie die Not seiner Kunden.

Dann bekommt Marley Verstärkung: Ein geheimnisvoller Engel erscheint, der die beiden auf eine Reise durch die Zeit mitnimmt. Während dieser Reise geht Scrooge selbst durch die verschiedenen Stationen seines Lebens, es ist wie ein Blick in den Spiegel.

In der Vergangenheit war Scrooge ein einsamer kleiner Junge, später musste er mit erleben, wie er den einzigen Menschen, den er geliebt hat, wegen seiner eigenen Gier verlässt. Seine Bösartigkeit bekommt erste Risse. Er erlebt, wie Menschen, für die er nie ein gutes Wort übrig hatte, voller Mitgefühl ihr Glas auf ihn erheben. Er erkennt, wie leer sein Leben ohne Liebe, Mitleid und Zuneigung ist. Er entdeckt mithilfe des Engels, der sich als seine einstige Liebe entpuppt, dass er unter seiner rauen Schale ein weiches Herz besitzt. Scrooge lernt, wieder an die Liebe und an das Leben zu glauben.

Zufrieden blickt Benjamin Baier nach der Generalprobe in die Runde. Er hat die Gesamtleitung des Singspiels inne. Es sei im Sommer 2011 gewesen, als er beruflich in München unterwegs war. Da fiel ihn ein Plakat ins Auge, auf dem auf dieses Stück hingewiesen wurde. Von diesem Augenblick an ließ ihn der Gedanke nicht mehr los, das Weihnachtsspiel in Tettau aufzuführen. "Aber zuerst musste ich mit meinen Technikern abchecken, ob ein derartiges Weihnachtsspiel vor Ort überhaupt möglich ist, schließlich haben wir beispielsweise keine fahrbare Bühne." Auch wurde vor der Entscheidung die entsprechende DVD abgespielt.

Seit Juni wird geprobt

Seit Juni wurde nun regelmäßig geprobt. Diese Stunden, so der Regisseur, waren mit viel Spaß und manchmal auch mit "Donnerwetter" verbunden.

Dankbar blickt er in seine Runde. Der ganze Aufwand und die Inszenierung seien letztendlich nur möglich gewesen, weil die Theatergruppe, Kult Tettau und der Singkreis Tettau sich einig waren, alles für diese Aufführungen zu geben. Was die Kostümierung betrifft, so Baier, so hat sich jeder Aktive selbst darum gekümmert.
Das Stück selbst vermittelte Heiterkeit, ein weihnachtliches Ambiente, regte zum Nachdenken an und spendete mitunter auch Trost.

Heiter beispielsweise, als Jakob Marley (Benjamin Baier), der vor 20 Jahren starb, als unerlöster Geist sang: "Ich geb mein Leben, um nicht mehr Geist zu sein", oder wenn der eiskalte Scrooge (Fabian Altmann) von Weihnachten und Heucheleien sprach. Weihnachtliches Ambiente vermittelte die gesamte Kulisse mit Bühnen- und Lichttechnik, aber auch teilweise die Kostümierung einiger Darsteller.

Nancy Gerisch spielte als Engel die dritte Hauptrolle, hinter Scrooge und Marley. Ihre Auftritte gehörten zu den wohl gefühlvollsten Momenten in diesem Musical. Zum Nachdenken regte es an, als davon die Rede war, dass sich zu Weihnachten viele das Beste wünschen, dies in der Realität aber oftmals nur Phrasen sind.


Die Mitwirkenden

Auf der Bühne Matthias Fiedler (Mr. Cratchit), Monika Barnickel (Mrs. Cratchit), Josua Fiedler (Timmy), Hubert Ruß (Mr. Fezziwig), Gabriele Petersam (Mrs. Fezziwig), Maximilian Heimann (junger Scrooge), Maximilian Pechtold (junger Marley), Michelle Knappe (Liz Pommeroy), Ines Pechtold, Nina Münchberg, Katrin Münchberg, Nadine Beier (Geister), Toni Baier, Nataly Baier (Kinder), Melina Neubauer, Lydia Müller (Schneider), Antje Ruß (Bettler), Doris Haußner, Ilona Heimann, Manuela Scheidig, Ruth Haußner, Martina Marianne, Christine Seifferth, Karolin Zipfel, Gabriele Schülein, Sabine Heinz, Carmen Sesselman, Katrin Kaegebein (Volk), Christiane Fiedler (Bürgermeister), Manja Hopf, Dieter Heinrich (Polizist), Noah Fiedler (Scrooge Kind), Silas Fiedler, Emma Franz (Schulkinder), Clara Franz (Fan),

Chorleitung Anja Knabner,

Choreographie Lydia Müller

Tanzensemble Sarah Neubauer, Denise Löffler, Helena Heimann (auch als Belle), Svenja Hoderlein, Anika Nebatz, Marie-Kristin Heinz, Denise Krischke, Bianca Güntsch, Stefanie Heinz.

Hinter der Bühne Thomas Pohl, Felix Treuner, Michael Sesselmann (Tontechnk), Christian Freier, Reik Paukstadt (Lichttechnik), Wolfgang Heinz, Andreas Müller (Bühnenbauten), Heiko Löffler, Wolfgang Heinz, Albert Sesselmann (Bühnenumbauten), Regieassistenz: Madelein Stein, Maske: Salon Schirmer, Souffleuse: Sabine Münchberg, Anja Heinz.

Musik Querflöte: Elisabeth Neubauer, Keyboard/Klavier: Wolfgang Milich, Klarinette: Doris Haußner, E-Bass: Richard Neubauer

Termine Weitere Aufführungen sind: Samstag, 15. Dezember, 20 Uhr, in der Festhalle, Sonntag, 16. Dezember, 16.30 Uhr, in der Festhalle