Die Straßen können menschenleer sein und trotzdem sind überall Gesichter. Ein Phänomen, das immer in Zeiten des Wahlkampfs auftritt.Von sämtlichen Straßenlaternen werden die Passanten und Autofahrer freundlich angelächelt. Wetterfeste Pappkartons sind mit bunten Wahlkampfplakaten beklebt, die Anwärter für Bezirks-, Landtag und Bundestag versuchen, lächelnd Sympathiepunkte bei den Bürgern zu sammeln. Auch die Briefkästen werden mit Flyern und Prospekten rund um die Wahlen und Kandidaten befüllt. All diese Werbung kostet den Parteien und Wahlkämpfern viel Geld.

Was kostet am meisten?

Jürgen Baumgärtner möchte gerne für die CSU in den Landtag einziehen. Sein Wahlkampf wird größtenteils über Spenden finanziert. "Viel mehr als 11 000 Euro darf er aber nicht kosten", sagt er. Alles, was darüber hinaus geht, muss Baumgärtner aus der eigenen Tasche zahlen. Er rechnet mit etwa 1000 bis 2000 Euro.

Das teuerste am Wahlkampf sei das Versenden der Flyer in alle Haushalte des Stimmkreises. "Für beide Landkreise kostet das 6850 Euro", sagt Baumgärtner. Hinzu kommen die Kosten für Plakate und eine Annonce im Anzeigenblatt. Auch kleine Geschenke wie Kugelschreiber gehören dazu.

Amtsinhaber zahlen mehr

"Gegen Ende des Wahlkampfs wird man immer nervöser", sagt Baumgärtner. Da gebe man dann schon mal schnell noch etwas aus, was nicht so nicht eingeplant war - und seien es nur ein paar Luftballons. Die CSU hat im Kreis Kronach eine Geschäftsstelle und ein Abgeordnetenbüro. Räumlich sind sie eins, aber inhaltlich zwei. Die Geschäftsstelle wird über CSU-Mitglieder finanziert. Sie zahlen regelmäßig einen Beitrag. Der fällt bei Bürgermeistern, Kreisräten und Landräten höher aus. "Das funktioniert alles nach einer Satzung im Finanzstatut der CSU", erklärt Baumgärtner.

Der Beitrag der Mitglieder an den Kreisverband ist von ihrem Gehalt abhängig. Im Durchschnitt seien dies monatlich 70 Euro. Etwa das Doppelte sei dann für die jeweiligen Ortsverbände fällig.

FDP hat kein Büro in Kronach

Für das Abgeordnetenbüro von Hans Michelbach ist eine Mitarbeiterin angestellt. "Das ist eine 400 bis 750 Euro"-Kraft. Die Gelder für den Mitarbeiter bringt der Abgeordnete selbst auf. Baumgärtner muss dagegen seine Anfragen und Papierarbeit selbst erledigen.

Ein eigenes Büro hat die FDP im Kreis Kronach nicht. "Das können wir uns nicht leisten", sagt Kreisvorsitzender Björn Cukrowski. Lediglich in Bayreuth gebe es eine Bezirksgeschäftsstelle, die Arbeit, die im jeweiligen Kreis anfalle, mache jeder Kreisvorsitzende von daheim aus - und zwar ehrenamtlich. Zwar könnte Cukrowski seine Auslagen - wie Spritgeld oder Material - geltend machen. "Aber das macht niemand", sagt der FDP-Kandidat.
Für seinen Wahlkampf als Abgeordneter bekomme er von der Landespartei 700 Euro, wie jeder Kandidat. Das reiche hinten und vorne nicht. "Den Rest zahl' ich selbst." 2000 Euro habe ihn der Wahlkampf bisher gekostet. Anzeigen, Plakate, und die Fotos dafür wollen schließlich ebenso bezahlt sein wie die Wahlgeschenke.

Kandidaten zahlen Mehrausgaben

Aus Synergieeffekten und Kostengründen wird die Werbung für den Bezirks- und Landtagswahl bei der SPD im Stimmkreis Kronach-Lichtenfels zusammengelegt. Für beide Wahlen ist ein Budget von 16 000 bis 18 000 Euro angesetzt, verrät Ralf Pohl, der für den Landtag kandidiert. Das Geld setzt sich aus Spenden und Mitteln der Kreisverbände und Kandidaten zusammen. Genau wie bei den anderen Parteien zahlen die Kandidaten auch für Mehrausgaben. Deshalb seien sie bei der Planung vorsichtig, sagt Pohl.

Die SPD hat in Kronach eine Geschäftsstelle und dort ist auch das Büro der Landtagsabgeordneten Christa Steiger. Genau wie bei der CSU gibt es einen Mitarbeiter. Thilo Moosmann kümmert sich um die Angelegenheiten im SPD-Kreisbüro. Das Büro und Mitarbeiter werden unter anderem über "Zuschüsse der Bürgermeister, Abgeordneten und Mandatsträger" finanziert, erklärt Moosmann. Sie zahlen einen gewissen Betrag, der im Jahr im "unteren vierstelligen Bereich" festgesetzt ist.

Ohne Plakate geht es nicht

Größter Kostenpunkt bei den Wahlkampfkosten der SPD sind die Prospekte, die an die Haushalte verteilt werden. Doch Ralf Pohl hält sie auch für das wichtigste Mittel, um im Wahlkampf auf sich aufmerksam zu machen. "Den Prospekt bekommt jeder. Wir stellen uns darin vor", sagt er. Aber auf die Plakate könne man nicht verzichten. "Die Menschen erwarten das einfach auch", begründet Pohl. Zwar käme es nicht auf die Menge an, aber komplett auf Plakate zu verzichten, hätte eine "seltsame" Wirkung auf die Bürger, findet Pohl.

Um auch jüngere Menschen im Wahlkampf zu erreichen braucht es heutzutage eine gute Internet-Präsenz, doch auch die ist mit viel Arbeit und Zeitaufwand verbunden. Genau wie die anderen Abgeordneten wird er dabei von ehrenamtlichen Helfern unterstützt.