Bücher? Freilich! Ein neuer Kühlschrank? Aber sicher doch! Ein Laufband? Kein Problem! Mittlerweile gibt es wohl kein Produkt mehr, das nicht online verschickt werden kann. Kein Wunder, dass auch die Confiserie Lauenstein längst über einen eigenen Online-Shop verfügt und ihre süßen Erzeugnisse in alle Welt sendet - handlich sind die mal rechteckigen, mal quadratischen Kästchen schließlich allemal.

Doch wer am Rechner in den vergangenen zwei Wochen Pralinen oder Schokolade bei der Traditionsconfiserie geordert hat, muss sich noch gedulden, ehe der Postbote mit der ersehnten Lieferung in der Hand an der Tür schellt. "Die sonnigen Tage halten an und uns ,in Schach‘ - leider halten nun auch die Kühlakkus diesen Temperaturen nicht stand. Wir müssen den Versand vorerst leider einstellen und hoffen auf Ihr Verständnis", heißt es seit knapp 14 Tagen auf der Homepage.
"Den Kühlversand, also mit Wasser gefüllte und gefrorene Kühlakkus in den Paketen, bieten wir jetzt schon seit drei oder vier Jahren an und hatten in der Zeit nie Probleme", sagt Vertriebsleiterin Helga Treuner. "Das war jetzt das erste Mal, dass wir auch den Kühlversand einstellen mussten."

In den Lieferwägen des Paketdienstleisters DHL würden im Lagerraum aufgrund der derzeit herrschenden Außentemperaturen teilweise an die 60 Grad erreicht - offenbar zu viel für die Kühlakkus. "Da haben wir Reklamationen erhalten, dass die Ware teilweise schon geschmolzen ist und den Versand dann sofort eingestellt", berichtet Treuner. Seitdem werde jeden Tag aufs neue geprüft, ob die Außentemperaturen ein Maß erreichen, an dem ein Versand wieder gewagt werden kann.

Um die süßen Versuchungen ungekühlt auf die Reise zu schicken, darf es übrigens nicht wärmer als 23 Grad sein. "Dann schmilzt die Schokolade zwar noch nicht, sie ist aber sehr weich und die Zuckerkristalle treten nach außen", erklärt die Vertriebsleiterin. Die Folge seien dann unschöne weiße Flecken auf der Hülle, die das Unternehmen seinen Kunden nicht zumuten möchte.


Süßwaren ins Kühlfach

Die gleiche Einstellung vertritt Dieter Schirmer, der in Hirschfeld einen kleinen Dorfladen betreibt, in dem es Waren des täglichen Bedarfs zu kaufen gibt. Natürlich auch Schokolade und andere Leckereien. "Die ganzen Süßwaren mussten wir ins Kühlfach räumen, die stehen jetzt neben Butter und Käse", erzählt Schirmer.

Eine Erkenntnis, die er gerne schon vor zwei Jahren gehabt hätte. "Unsere Kühlung läuft derzeit permanent. Aber die kriegt die Hitze einfach nicht weg. Kälter als 24 oder 25 Grad wird es nicht. Doch damals dachte ich, dass die Schokolade das schon aushält." Ein teuerer Irrtum. Über 800 Euro betrug das Lehrgeld, dass er durch die mit weißen Flecken versehene Schokolade zahlen musste. "Verkaufen konnte ich die so schließlich nicht mehr. Ich als Kunde hätte die sofort zurückgegeben", sagt Schirmer.
Finanzielle Einbußen gebe es bei Lauenstein allerdings keine, erklärt Treuner. Zum einen mache der Online-Versand weniger als zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus, zum anderen verschiebe sich der Versand lediglich. "Die Kunden haben dafür auch Verständnis", sagt sie. Außerdem werde der Fachhandel nach wie vor beliefert. Denn Pakete, die schwerer als 20 Kilogramm sind, transportiert eine Spedition, deren Lastwagen auf Temperaturen zwischen sechs und zehn Grad heruntergekühlt werden. "Da überlassen wir nichts dem Zufall", betont Vertriebsleiterin Treuner.


Risikoorientierte Kontrollen

Zwar befinden sich in manchen Kühlfächern momentan auch Süßwaren, allerdings auch leicht verderbliche Waren wie Fleisch. Haben die Behörden daher ein besonders kritisches Auge? Die kurze Antwort: nein. "Die Lebensmittelunternehmer sind für die Einhaltung der Kühlkette der von ihnen angebotenen Lebensmittel eigenverantwortlich und somit auch bei höheren

Umgebungstemperaturen angehalten, die Temperaturen häufiger zu kontrollieren", teilt Stefan Engel von der Kronacher Lebensmittelüberwachung mit. Die Kontrollen der Landratsämter seien risikoorientiert und würden daher so durchgeführt, wie es erforderlich ist.


So überstehen Lebensmittel die heißen Tage

1. Welche Temperatur sollte bei leicht verderblichen Lebensmitteln wie Fleisch oder Käse mindestens eingehalten werden?
Grundsätzlich sollte die Lagertemperatur unter sieben Grad und für tiefgefrorene Lebensmittel unter minus 18 Grad liegen. Generell sollten die Kühlgeräte in den Haushalten auf einer möglichst geringen Temperatur eingestellt sein.

2. Welche Risiken können durch zu viel Wärme entstehen?
Durch zu viel Wärme werden leicht verderbliche Lebensmittel mikrobiologisch und physikalisch verändert. Das kann bis zum Verderb der Lebensmittel führen aber auch schon im früheren Stadium qualitative Auswirkungen auf das Lebensmittel haben. Bakterien können sich bei Zimmertemperaturen sehr schnell vermehren. Unter idealen Bedingungen entstehen durch Zellteilung innerhalb von fünf Stunden aus einem Bakterium bis zu eine Million Keime.

3. Was sollten Verbraucher im Umgang mit Lebensmitteln bei großer Hitze beachten?
Leicht verderbliche Lebensmittel sollten beim Einkauf in einer Kühltasche mit Kühlakku transportiert werden, damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Hackfleisch und ähnliche Produkte sollten möglichst noch am Kauftag verbraucht werden. Bei der Verarbeitung beziehungsweise der Zubereitung von leicht verderblichen Lebensmitteln muss zudem auf eine besonders hygienische Arbeitsweise geachtet werden (Hände waschen, Schneidunterlagen für Fleisch und Fisch mit glatter Oberfläche). Rohe Lebensmittel wie Geflügel, Fleisch, Eier und Milchprodukte sollten vor dem Verzehr gründlich durcherhitzt werden. Quelle: Landratsamt Kronach (Lebensmittelüberwachung)