Am Tag nach der Landtagswahl hat es die Direktkandidatin der Grünen, Edith Memmel, erwischt: Nach den stressigen Wahlkampf-Wochen und einem spannenden Wahlabend hat bei ihr die Grippe zugeschlagen. Für Memmel hieß es deshalb am gestrigen Montag erst einmal: Genesungs-Modus an, Wahlmodus aus.

Dabei sind die Tage nach dem Wahlsonntag gerade für Memmel spannend: Wahrscheinlich als einzige der Direktkandidaten im Stimmkreis Kronach/Lichtenfels hat die 67-Jährige noch eine reelle Chance, über die Listenstimmen (Zweitstimmen) in den Landtag einzuziehen.

Bis zuletzt ist es ein knappes Rennen für die Direktkandidaten. Weil bis Redaktionsschluss am Montag noch nicht alle Zahlen für die oberfränkischen Wahlkreise vorlagen, kann im Folgenden nur von vorläufigen Ergebnissen gesprochen werden. Sicher ist: 18 Sitze wird Oberfranken im neuen Landtag bekommen. Davon acht Direktsitze und zehn Listensitze. Wenig überraschend: Acht Mal machten die Direktkandidaten der CSU das Rennen.

Jürgen Baumgärtner (CSU) konnte schon am Sonntagabend aufatmen, seine Erststimmen haben ihm (wieder) zu einem Sitz im Landtag verholfen.

Die Sitze der übrigen Parteien berechnen sich über die Listenstimme: drei Sitze gehen an die SPD, zwei an die Freien Wähler (FW), zwei an die Grünen, zwei an die AfD und einer an die FDP.

Für Memmel besteht Hoffnung

Nach den oberfränkischen Wahlergebnissen hat Edith Memmel (Grüne) noch die besten Chancen, über die Listenstimme ins Maximilianeum einzuziehen. Fakt ist: Ursula Sowa (Bamberg-Stadt) und Tim Pargent (Bayreuth) sitzen mit großer Wahrscheinlichkeit im neuen Landtag. Nach den vorläufigen Berechnungen würde der dritte Sitz der oberfränkischen Grünen an die langjährige Abgeordnete Ulrike Gote (Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags) gehen. Damit wäre Edith Memmel eigentlich raus.

Doch genau bei Gote kommt der springende Punkt: Gote kündigte vor der Wahl an, ins Europa-Parlament wechseln zu wollen. Das bestätigt Edith Memmel im Gespräch mit dem FT. Somit könnte Edith Memmel nachrücken. Ob es tatsächlich so kommt, stand bei Redaktionsschluss am Montagabend jedoch noch nicht fest. Vielleicht kommt mit Memmels Genesung ja auch der Einzug in den Landtag.

Einen Rückschlag musste der Weißenbrunner Detlef Rauh (AfD) einstecken. Auf Platz zwei der AfD-Oberfrankenliste war er ins Rennen um einen Listensitz im Landtag gegangen. Doch die Konkurrenz durch die anderen Stimmkreise war stärker: Martin Böhm (Coburg) und Jan Schiffers (Bamberg-Stadt) können sich wahrscheinlich mit ihren Listenstimmen den Einzug ins Maximilianeum sichern. Bereits am Wahlabend hatte Rauh prognostiziert: "So, wie es ausschaut, wird es nicht reichen. Ich habe keine große Hoffnung auf den Landtag."

Wenig Hoffnung, noch über die Listenstimme in den Landtag einzuziehen, besteht nach dem blamablen Abschneiden der SPD auch für Ralf Pohl (SPD). Für die SPD werden aller Wahrscheinlichkeit nach stattdessen Inge Aures (Wunsiedel-Kulmbach) und Klaus Adelt (Hof) über die Liste in den Landtag einziehen. Mit 25,6 Prozent erreichte Adelt bayernweit das beste Erststimmen-Ergebnis bei der SPD. Bis zum Redaktionsschluss deutete alles darauf hin, dass der Coburger Landrat Michael Busch den dritten Listensitz belegt.

Bei den Freien Wählern wird Michael Zwingmann leer ausgehen. Das war schon vor der Wahl absehbar. Das starke Abschneiden der Freien Wähler hatte aber zwischenzeitlich Hoffnung auf die Listenstimmen gemacht.

Die zwei Listensitze der Freien Wählern werden wohl Thorsten Glauber (Forchheim) und Rainer Ludwig (Wunsiedel-Kulmbach) bekommen. Harald Bischoff (FDP) muss sich ebenfalls keine Hoffnungen auf einen Listensitz im Maximilianeum machen.