Wenn es einen Punkt gibt, auf den der amtierende Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) stolz ist, dann ist es seine stringente Haushaltskonsolidierungspolitik. Denn unter seiner Regie hat Kronach wieder einen genehmigungsfähigen Haushalt aufstellen können - und ist damit wieder investitionsfähig. Beiergrößlein hat zehn Millionen Euro an Schulden abbauen können. "Was wir gemacht haben, ist ,Management by Känguruh' - große Sprünge mit leerem Beutel. Natürlich haben wir immer noch einen hohen Investitionsbedarf. Aber man kann halt nicht alles auf einmal machen", sagte Beiergrößlein.

Schuster verteidigt Parteikollegen Manfred Raum

Jetzt sind der Neubau des Feuerwehrgerätehauses und die Sanierung der Volkshochschule beschlossene Sache. Bis 2015 werden 7,8 Millionen Euro nötig sein. "Wenn wir einen genehmigten Haushalt haben, dann können wir auch so eine Eigenleistung schultern. Wenn man aber zu viele Visionen hat, dann kriegt man keinen Haushalt hin und schließlich kann man nicht einmal mehr die Pflichtaufgaben erfüllen", sagt Wolfgang Beiergrößlein.




Herausforderer Sven Schuster indes verteidigte die Investitionspolitik, die vor Beiergrößleins Zeit, vielmehr zu Zeiten seines Parteikollegen Manfred Raum, getätigt worden ist - und damit auch den Schuldenaufbau. Tatsächlich war das Vermögen der Stadt Kronach im Jahr 2008 weniger wert als die Verbindlichkeiten. Und die lagen bei bis zu 60 Millionen Euro.

Persönlich sieht Schuster viel Einsparpotenzial durch die Kooperation Kronach Süd, sagte er und forderte auch gleich, dass das Crana Mara und das Landesgartenschaugelände nicht mehr so defizitär sein dürften. Doch wie genau das funktionieren soll, blieb im Laufe der Diskussion offen. Kinderbetreuung und Familienfreundlichkeit jedenfalls liegt wohl beiden Kandidaten am Herzen. Doch während sich der amtierende Bürgermeister an den geschaffenen Krippenplätzen, an den sanierten Kindergärten erfreute und weitere Bedarfsanerkennungen und Sanierungen ankündigte, war das Sven Schuster nicht genug. "Die Betreuung in Randzeiten muss ein Ziel sein", sagte er.

Angriff
"Wir sind mit den Trägern im Gespräch", sagte indes Beiergrößlein. - "Mit wem sie alles im Gespräch sind, Ihr Tag muss 30 Stunden haben", griff Schuster den Amtsinhaber an. Und Beiergrößlein ließ sich aus der Reserve locken: "Wissen Sie eigentlich, was es heißt, wenn man Bürgermeister ist? Ich bin Bürgermeister mit Haut und Haaren und ich liege noch mit den Akten im Bett - nicht mit meiner Frau", so Beiergrößlein - und hatte dabei dann die Lacher auf seiner Seite.

Bei der Podiumsdiskussion, die FT-Redaktionsleiterin Corinna Igler gemeinsam mit Christian Kreuzer von der Neuen Presse moderierte, zeigten sich auch die Leser und Zuhörer interessiert an der zukünftigen Politik, stellten kritische Fragen und entlockten den beiden Bewerbern so einiges. Die Vereine seien wichtig, auch die Förderung. Nach dem Neubau des Feuerwehrhauses könnte vielleicht ein Museum in der Oberen Stadt eingerichtet werden, erklärte Wolfgang Beiergrößlein. Und auch in puncto Behinderten- und Seniorenfreundlichkeit unternehme die Stadt einiges an Anstrengungen - wo eben möglich.

Richtig hitzig
Dass der potenzielle Investor von Loewe diese Woche abgesprungen ist, war die wohl bislang schlechteste Nachricht in Sachen Loewe überhaupt.

"Wir hatten mehr als 1000 Arbeitsplätze bei Loewe, jetzt sind es noch 400. Es wäre wichtig, dass wir wenigstens diese erhalten können. Aber ich habe momentan keinen Kontakt zu Loewe und der Landrat auch nicht", wusste Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein bei der Podiumsdiskussion nichts Neues zu berichten. Beiergrößlein widersprach Parolen, dass die ortsansässigen Banken dem Unternehmen nicht unter die Arme greifen möchten, und betonte, dass es zwischen der Sparkasse und dem Unternehmen seit Jahrzehnten keine Geschäftsbeziehungen gebe.
"Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich Beamter bin. Aber meine Gedanken sind bei den Loewe-Mitarbeitern", wusste auch Bürgermeisteranwärter Sven Schuster nicht weiter. "An jedem Arbeitsplatz hängen Familien und letztlich betrifft Loewe dann auch die Gastronomie, den Einzelhandel. Ich hoffe für Loewe", sagte Schuster.

Schuster mit Innenstadt zufrieden

Mit der generellen Situation in Kronachs Innenstadt zeigte sich dagegen der Herausforderer zufrieden. "Unsere Einzelhändler sind gut aufgestellt. Aber wir wollen auch überregionale Ketten und wir müssen jetzt Förderprogramme abzweigen", so Schuster und drängte zu schnellem Handeln. Denn der demographische Wandel geht weiter - und sobald Kronach unter die 15 000-Einwohner-Grenze gefallen ist, sieht Schuster nur noch mäßige Erfolgsaussichten.

Doch das wollte Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein nicht im Raum stehen lassen. Denn seit 2008 arbeite das Wirtschaftsmanagement der Stadt mit Hochdruck. Doch die großen Ketten haben ihre Vorgaben und nicht immer könnten diese erfüllt werden. Es gelte, so Beiergrößlein, "die Geschäfte, die wir haben, zu erhalten". Schuster regte an, "leer stehende Hallen zu nutzen und als Stadt Immobilien zu erwerben". "Was denn für leer stehende Hallen? Sie sind sehr an der Oberfläche. Ich kann doch keine Eigentümer enteignen. Wollen Sie so mit ihren Bürgern umgehen? Um Bürgermeister von Kronach zu sein, gehört mehr dazu", konstatierte Beiergrößlein und ließ sich ziemlich aus der Reserve locken.

"Eine Halbtagesstelle ist nicht genug", bezog sich Schuster auf das Wirtschaftsmanagement der Stadt. Doch Beiergrößlein verwies in diesem Zusammenhang auf die Tatsache, dass 20 Arbeitsplätze im Rathaus haben abgebaut werden müssen.

"Es ist eine Farce, zu träumen, dass neue große Betriebe nach Kronach kommen", relativierte Beiergrößlein auch in puncto Neuansiedlungen die Visionen seines Herausforderers. Vielmehr müsse man den bestehenden Unternehmen Möglichkeiten zur Erweiterung bieten. "Wir haben doch Grund in Fröschbrunn, Knellendorf und Gundelsdorf", konstatierte indes Sven Schuster. "Fröschbrunn gehört uns doch gar nicht. In Neuses hätten wir noch was", stellte dagegen Beiergrößlein richtig.

Bürgerspital
Das Bürgerspital entspricht nicht mehr den Anforderungen des neuen Pflege- und Wohngesetzes, deshalb ist ein Betrieb nicht mehr möglich. Während Wolfgang Beiergrößlein auf den sozialen Stiftungszweck hinweist, ihm eine Art "Wohnen im Alter"-Einrichtung vorschwebt, könnte sich Sven Schuster auch eine ganz andere Nutzung vorstellen: "Vielleicht könnte dort auch Wohnraum für Jugendliche geschaffen werden", regte der Herausforderer an.

Schützenplatz
Auf dem Schützenplatz finden heuer kaum Veranstaltungen statt. Hintergrund ist die Beschwerde eines Anwohners wegen der Lärmbelästigung. Beide Kandidaten, sowohl Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein als auch Herausforderer Sven Schuster sagen, man müsse sich hier bemühen, einen Kompromiss zu finden.


Privates

Nicht auf den Mund gefallen, zeigten sich die beiden Bewerber, als es ums Vervollständigen von Sätzen ging:

Wenn ich mal einen freien Tag habe, ...
... verbringe ich ihn mit Freunden. (Sven Schuster)
... mache ich nichts beziehungsweise autogenes Training. (Wolfgang Beiergrößlein)

Wenn ich eine Million Euro im Lotto gewinnen würde, ...
... würde ich 999 999 Euro der Stadt schenken, mir reicht ein Euro. (Wolfgang Beiergrößlein)
... würde ich das Geld anlegen und mir vielleicht eine Immobilie in Kronach kaufen. (Sven Schuster)

Wenn ich Sven Schuster wäre, ...würde ich mich freuen, wenn ich in den Stadtrat käme. (Wolfgang Beiergrößlein)

Wenn ich Wolfgang Beiergrößlein wäre, ... würde ich mir nicht wünschen, in den Stadtrat zu kommen. (Sven Schuster)

Warum sollte man Sie wählen, wollten die Moderatoren von den Kandidaten wissen.

Wolfgang Beiergrößlein: Weil ich einer von euch bin und einer für euch. Ich bin bodenständig, argumentiere auf der Sachebene, halte auch mal eine Backe hin, die zweite nicht.

Sven Schuster: Kronach ist in Zeiten des Wandels und braucht frische, neue Ideen. Ich bin engagiert, jung und euphorisch. Bitte gegen Sie mir ihre Stimme und Ihr Vertrauen.