Die Lebenshilfe Kronach e.V. wurde heute vor 50 Jahren, am 2. Februar 1968, gegründet. Aus bescheidensten Anfängen heraus werden in der so segensreichen Einrichtung mittlerweile Menschen vom Säugling bis ins hohe Alter nachhaltig gefördert, betreut und unterstützt.

1958 gründete Tom Mutters in Marburg die Lebenshilfe als Elternvereinigung von Menschen mit geistiger Behinderung. Erste Vereine entstanden auch um Kronach herum. Davon erfuhren Renate und Manfred Döring, die Fördermöglichkeiten für ihre 1964 geborene Tochter Petra suchten. Bis 1967 galt diese - wie alle anderen Kinder mit geistiger Behinderung - als bildungsunfähig. Erst ab 1967 wurde die Schulpflicht in Bayern für diesen Personenkreis eingeführt.

Die 2015 verstorbene Gründerin und langjährige Erste Vorsitzende der Lebenshilfe Kronach organisierte mit Konstanze Schoreck in Kooperation mit den beiden Kirchen eine Zusammenkunft betroffener Eltern. Die zweite Einladung führte zur Vereinsgründung am 2. Februar 1968 mit dem Gründungsvorsitzenden Manfred Döring. Seine Ehefrau sowie Wolfgang Eckert-Hetzel fuhren im Landkreis zu allen Familien mit Kindern mit Behinderungen. "Wir mussten die Eltern überzeugen, dass ihre Kinder lernen können wie alle anderen und sie um ihr Vertrauen bitten", heißt es in Aufzeichnungen von Renate Döring.


Start im Schullandheim

1969 nahm die Tagesstätte ihre Arbeit mit sechs Kindern in bescheidenen Verhältnissen im Schullandheim an der Hammermühle auf. Die erste Erzieherin war Monika Kölbl. Jeden Tag kam eine andere Mutter als Helferin in die Gruppe. Mit einem vom Lions-Club Kronach gespendeten VW-Bus holte man die Kinder ab und brachte sie heim.

1971 zog die Lebenshilfe in neue Räume in die Kreishandwerkerschaft. Durch die räumliche Erweiterung konnten mehr Gruppen eingerichtet werden und man erhielt die Anerkennung zur Privaten Sonderschule für Kinder mit einer geistigen Behinderung. 1972 wurde der damalige Sonderpädagoge Helmut Richter durch die Regierung von Oberfranken der Schule zugeteilt. Der spätere Schulrektor trug wesentlich zur Entwicklung der Lebenshilfe bei, der er - über seine Pensionierung hinaus - nach wie vor tief verbunden ist.


Viel Geld gesammelt

Die wachsende Anzahl der Schüler erforderte eine eigene Einrichtung. Im Sommer 1979 zog die Lebenshilfe mit ihren Einrichtungen Schule, Schulvorbereitende Einrichtung und Tagesstätte in einen Gebäudeteil des Kronacher Schulzentrums. Für die Finanzierung waren in vielen Aktionen Eigenmittel gesammelt worden. Hierzu zählte auch ein von beiden Kirchen sowie Jugendgruppen organisierter Trödelmarkt mit einem Erlös von 43 000 DM.


Eine Frühförderstelle

Im Laufe der Jahrzehnte konnte das Angebot stetig um weitere Fachbereiche erweitert werden - so auch um die 1980 hinzugekommene Frühförderstelle. Hier erhalten Eltern, die wegen der Entwicklung ihres Kindes in den ersten Lebensjahren in Sorge sind, frühzeitige Hilfestellungen. 1987 mietete der Verein im Stadtgebiet ein Wohnhaus an, in dem erwachsene Menschen mit einer geistigen Behinderung ein neues Zuhause fanden. Der Familienentlastende Dienst (FED) - heute "Offene Hilfen" - wurde 1990 eingerichtet. Mittlerweile in eigenen Räumlichkeiten in der Mittelstraße, bietet er Beratung,Hilfestellung und Freizeitangebote für Menschen mit geistiger Behinderung. Bereits 1992 zogen die ersten Erwachsenen in das Wohnheim - jetzt Horst-Frenzel-Haus - neben dem Schulzentrum ein. Das Haus bietet Platz für 30 Menschen mit einer geistigen Behinderung. Die Eigenmittel kamen erneut durch großzügige Spenden bei Benefizaktionen zusammen, insgesamt 467 000 DM!

Zunächst in der Tagessstätte angesiedelt, zog die Frühförderstelle 1996 in die Adolf-Kolping-Straße und von dort 2000 in die beiden Reihenhäuser in der Nikolaussiedlung in Kronach. 1998 errichtete der Verein einen Fachdienst für integrative Kindergartengruppen und Einzelintegrationen in Regelkindergärten. 2003 erweiterte der Verein seine Angebote um das Ambulant Unterstützte (Betreute) Wohnen. Derzeit wohnen - überwiegend im Einzelwohnen - im Stadtgebiet und im Landkreis Kronach 20 erwachsene Menschen mit einer geistigen Behinderung.

Im Januar 2006 wurden die neuen Räumlichkeiten der Heilpädagogischen Tagesstätte bezogen. Seit dem 1. Januar 2010 verfügt der Verein über eine eigene Beratungsstelle sowie seit dem 1. Oktober 2012 über eine Außenstelle der Frühförderstelle in Steinbach am Wald. Anfang Juni 2015 zogen die ersten Bewohner/-innen in das neue - mittlerweile voll belegte - Wohnheim im Inneren Ring in Kronach ein.

Nach dem Tod von Renate Döring,wurde am 19. November 2015 Ulrike von Prince von der Mitgliederversammlung zur neuen Ersten Vorsitzenden der Lebenshilfe Kronach gewählt. Die Lebenshilfe stellt mit rund 180 Beschäftigten mittlerweile ein mittelständisches Unternehmen dar. Geschäftsführer ist seit dem Jahre 1996 Wolfgang Palm. In den Diensten der Lebenshilfe steht dieser bereits seit Juli 1990.


Veranstaltungsreihe zum Jubiläum

Das Jubiläum wird mit einer Veranstaltungsreihe das Jahr hindurch gefeiert, in die sich alle Fachbereiche mit einbringen. Der offizielle Festakt ist am 4. Mai im Kronacher Kreiskulturraum. Seinen Auftakt findet das Jubiläumsjahr bereits am 7. März mit einem "Fachtag der offenen Tür" im Heilpädagogischen Kindergarten. Unter dem Motto "Pädagogik zum Anschauen und Anfassen" erfolgt ein Fachvortrag der Psychologin Dr. Susanne Kade. Es bietet sich für Fachleute die Möglichkeit zum Austausch sowie einer Hausführung mit Besuch beider Kindergartengruppen.

Die Petra-Döring-Schule freut sich über die durch Spendengelder ermöglichte Anschaffung von Whiteboards. Mit einer Vorstellung in der Öffentlichkeit will man aufzeigen, dass das Zeitalter der Medialisierung und Digitalisierung auch in das Förderzentrum der Lebenshilfe Kronach Einzug hält.


Sportabzeichen und Filmreihe

Das Ableisten des Deutschen Sportabzeichens für Menschen mit Behinderung soll im Jubiläumsjahr in Kooperation mit einem Sportverein angeboten werden. Die beiden Wohnheime beziehungsweise das Ambulant Unterstützte Wohnen möchten in Kooperation mit dem Kronacher Kino eine Filmreihe mit ausgewählten Filmen anbieten. Die Offenen Hilfen streben eine verstärkte Kooperation mit Veranstaltungspartnern im Bereich Freizeit-, Bildungs- und Begegnungsmaßnahmen im Jahr 2018 an. Die Frühförderstelle plant ein Herbstfest insbesondere für Ehemalige, Gönner und Freunde wie auch fachliche Veranstaltungen mit und für Kindergärten.

Den Abschluss des Jubiläumsjahrs soll eine Party in der Zecherhalle in Neukenroth bilden. Hinzu kommen die alljährlichen Veranstaltungen wie das Sommerfest - heuer ebenfalls unter dem Thema "Geburtstagsfeier" - am 30. Juni und die Weihnachtsfeier in der Stadtpfarrkirche.

Mit der demnächst erfolgenden Gründung einer Stiftung wird eine neue Zuwendungsmöglichkeit für die Lebenshilfe Kronach geschaffen. Alle Termine werden vorher bekanntgegeben. Bereits jetzt ergeht herzliche Einladung an die Bevölkerung.