Steinkreuze, Kreuzsteine und Sandsteinmarterln mit den Heiligen der Kirche schmücken die Fluren des Frankenlandes. Die Entstehung der fränkischen Bildstocklandschaft reicht weit zurück und dürfte in dem Urglauben des Menschen begründet sein, dass die Seele der Verstorbenen nur im Stein ihre Ruhe findet.

Sie werden verehrt und geliebt, diese Martern und ihre Geschichten, und niemand möchte sie missen, denn sie verkörpern den Geist und den tiefen Glauben der Menschen in Franken. Aus dem 18. Jahrhundert stammt das Sandsteinmarterla mit der Darstellung des heiligen Antonius zu Füßen der Festung Rosenberg in Kronach.

Antonius von Padua (1195-1231) avanciert vom umjubelten Volksprediger und Wunderheiler zum Patron der weltweiten "Schlampera". Hier der verlegte Autoschlüssel, da die unauffindbare Scheckkarte, dort das verlorene Ringlein. Wer hat nicht in solchen und ähnlichen Nöten den heiligen Antonius um Hilfe angerufen?

Wie es dazu kam, dass der Namenspatron von Anton und Antonia zum Patron der "Kopflosen" und der "Schreibtischchaoten", der "notorischen Verleger" und anderer "außerordentlicher Menschen" wurde, ist eine merkwürdige Geschichte: In einem lateinischen Hymnus zu Ehren des Heiligen war ursprünglich die Rede von verlore-nen "membra viresque" (Glieder und Kräfte).

Anscheinend der besseren Rezitationsweise wegen hat man den Passus geändert in verlorene "membra resque" (Glieder und Sachen). So wurde Sankt Antonius gleichsam durch "höhere Kräfte" zum Wiederbringer verlorener Sachen.

Er ermittelt im Fall des verschwundenen Lottoscheins mit der lebenslänglichen Zusatzrente, er macht den Weg frei beim Aufstöbern der Lesebrille und bläst zum großen Halali bei der Treibjagd auf die berühmte Stecknadel im Heuhaufen.

Deshalb schickt ihm heute seine große Frankenwaldfamilie das kleine Gebet besonders innig zum Himmel: "Heiliger Antonius hilf!"