Wie der Vorsitzende Richter am Landgericht Coburg feststellte, drohen einem 55-jährigen Polizeibeamten aus dem Landkreis Kronach bis zu 15 Jahre Haft. Der Mann war Anfang März unter großem Polizeiaufgebot von einem Sondereinsatzkommando festgenommen worden. Seitdem sitzt der Polizist in der Justizvollzugsanstalt in Nürnberg in Untersuchungshaft. Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Staatsanwaltschaft in Coburg wirft ihm Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und vorsätzliche Körperverletzung vor.


Körperverletzung, Nötigung, Vergewaltigung


Insgesamt acht Punkte listet die Anklageschrift auf. Der Mann soll seine von ihm getrennt lebende Ehefrau im März dieses Jahres in ihrer Wohnung in Kronach am Arm gepackt, ins Wohnzimmer gezerrt, sie dort auf die Couch geworfen und versucht haben, die 47-Jährige zum Sex zu zwingen. Aufgrund ihrer Gegenwehr, so formulierte es Staatsanwältin Jana Huber bei der Verlesung der Anklageschrift, und weil die Frau eine Panikattacke bekam, ließ der Mann schließlich von ihr ab.
Ein weiteres Mal im Januar soll der Polizist seine Frau gegen ihren Willen in seinem Auto zum Oralverkehr gezwungen haben. Außerdem soll er der 47-Jährigen in zwei Fällen, ihrem Sohn und einer weiteren Frau in ihrer Wohnung in je einem Fall körperliche Gewalt angetan haben.

Eine dritte Frau soll der Angeklagte in deren Wohnung im Juli 2013 unter Zwang entkleidet und versucht haben, den Geschlechtsverkehr zu vollziehen. Aufgrund der massiven Gegenwehr der Frau, so die Staatsanwältin, habe er schließlich den Versuch abgebrochen und die Wohnung verlassen. Knapp zwei Jahre später soll der Polizist von der Frau erneut Sex gefordert haben. Dabei soll er sie aus dem Auto, mit dem sie unterwegs gewesen seien, gezogen und sie gewaltsam gegen eine Parkbank gedrückt haben. Auch hier ließ der Angeklagte laut Huber schließlich von der Frau ab, weil sie sich massiv zur Wehr setzte.


Vier Nebenkläger

Alle Geschädigten treten als Nebenkläger auf. Zudem werden in dem Verfahren, für das sechs Verhandlungstage anberaumt wurden, zwei Gutachter aussagen: ein Neurologe der Forensischen Psychiatrie in München sowie ein Professor der Rechtsmedizin von der Universität Erlangen.
Zu Beginn des Prozesses gab der Anwalt des Angeklagten eine Erklärung ab: "Zum jetzigen Zeitpunkt werden keinerlei Angaben gemacht - weder zur Person noch zur Sache." Die Anwältin der Ehefrau, Kristina Freifrau von Imhoff, beantragte für die Aussagen ihrer Mandantin den Ausschluss der Öffentlichkeit. Dem folgte das Gericht aus Gründen des Opferschutzes weitgehend: Alle Aussagen zu den sexuellen Tatvorwürfe finden demnach hinter verschlossenen Türen statt. Auch die Plädoyers. Der Vorsitzende Richter am Landgericht, Christoph Gillot, betonte den besonderen Schutz der Intimsphäre von Beteiligten und Zeugen.



Ehefrau sagt nur zur Körperverletzung aus


Die Ehefrau sagte deshalb nur zu den Vorwürfen der Körperverletzung aus. Sie habe ihren Mann, den sie im Jahr 2015 kennengelernt und im Dezember 2015 geheiratet hat, im November 2016 verlassen und sich heimlich mit ihren beiden Kindern eine andere Wohnung gesucht. Die Situation zwischen beiden habe sich "extrem gesteigert", sagte sie. Ihr Mann habe sie zeitweise bis zu viermal täglich an ihrer Arbeitsstätte aufgesucht. "Das hat meinen Arbeitgeber aufgeregt." Ein Besuch ihres Mannes endete mit einer blutigen Nase: "Er hat mir mit der rechten Faust ins Gesicht geschlagen", erklärte sie. "Ich war benommen und hab' Sterne gesehen." Sie schilderte Auseinandersetzungen: "Wenn er manchmal nicht aufgehört hat mit seinen Diskussionen, habe ich mich im Bad eingeschlossen." Er habe dann so lange an der Tür geklopft, bis sie wieder geöffnet habe. Danach habe er sie an den "Klamotten" gepackt und diese zerrissen.

Bei einem Vorfall habe er sie auf den Boden geworfen und auf ihre Beine eingetreten. Sie erzählte auch, dass ihr Mann unter einem gutartigen Gehirntumor leide. Sie schilderte eine Art Anfall, den er nachts erlitten und bei dem sie den Notarzt gerufen habe. Der Prozess wird am 8. Januar fortgesetzt.