Es wird "geblauderd", "die Gosche wird aufgerissen" - da weiß man, wo man ist: Bei den Shakespeare-Spielen in Ludwigsstadt. Im vergangenen Jahr hatten Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD) und der Kronacher Faustfestpielchef Daniel Leistner das Theaterprojekt zur Rettung des aussterbenden Ludwigsstädter Dialekts ausgerufen. Nach den zwei "Bärschla aus Verona" durfte diesmal der weit bekanntere "Sturm" aus Shakespeares Schreibwerkstatt herhalten, um dem Publikum in der Hermann-Söllner-Halle in Ludwigsstadt ein wenig Nachhilfe im korrekten Dialekt zu erteilen.
Aber es dauert eine Weile, bis man im Dialekt ankommt. Denn erst "'s Unwaddar", das der gestützte Mailänder Herzog Prospero für seine Feinde aus Mailand und Neapel ausgerufen hat und dass die Schiffbrüchigen rund um die Neapolitanische Königen auf seine Insel versetzt, bringt den Dialekt nach etlichen Minuten des gespannten Wartens. Weil - Prospero (Erhard Witte), unumschränkter Herrscher über das Zaubereiland zwischen Tunis und dem italienischen Stiefel, schwarzer Magier ebenso wie Autokrat, nebenbei liebender Vater und Politiker, verfolgt seinen Plan der Vollendung, Rache an seinen Feinden ebenso wie Versöhnung und Rückkehr auf den Thron - in getragenem Hochdeutsch. Und seine Gefährten, Tochter Miranda, Luftgeist Ariel und das bedauernswerte "Fischviechmonster" Caliban parlieren ebenso gediegen hochsprachlich.
"'sUnwaddar" ist sowieso eine Liebesgeschichte der anderen Art: Miranda (Laura Martin), zart und elegisch, die noch nie einen Mann sah, fühlt sich unwiderstehlich zum wahrhaft schönen Geschlecht hingezogen - zum gestrandeten Prinzen Ferdinand (Manuel Koch), der ihr hühnenhaft im breitesten "Aberschdorfer" Dialekt die Sinne verwirrt. Dafür trägt er sie gentlemanlike wenigstens auf Händen. Glück für Miranda, dass sie den anderen Kerlen vom schönen Geschlecht erst später begegnet. Denn Stephano (Daniel Leistner) und Trinculo (Florian Martin), die Diener der Königin, haben ein kleines Alkoholproblem und sehen sich dafür schon als "Könich" von der Insel, wenn sie die eine oder andere "Fresse blau geschloon" haben. Mit ihrem "bleedem Geblauder brillieren auch Evi Heyder als optimistisch-gutherziger Königsratgeber Gonzalo, und die beiden Schurken Antonio (Astrid Vetter) und Sebastian (Jan Welsch). Bei den sechs Dialektprofis machts einfach Spaß, ihrem kabarettistischen Slapstick zuzusehen.


Flatterndes Kostüm


Das gilt erst recht für Manja Hünlein als Luftgeist Ariel, die sich in ihrem flatterigen Kostüm (Kostüme: Martina Wiedl) durch Lüfte und Szenen schwingt und mit ihrer Stimme für die echte zauberische Shakespeare-Atmosphäre sorgt. Und es gilt nicht für Caliban (Gerti Hertwig) - vielmehr tut es weh, das wilde Monster von Prospero so unterdrückt zu sehen.
Immerhin - Caliban wird befreit, das Brautpaar darf heiraten - oh je, "noch a Hochzich", die Gestrandeten werden gerettet und Prospero darf heim auf den Thron. Doch dafür, dass er den anderen mit seinem Zauber so übel mitgespielt hat, erwartet ihn offensichtlich Schreckliches - man merkt es ihm an, dass die Rückkehr auf den Herzogsthron echte Last statt wahre Lust sein wird.


Zu schnelles Licht


Wahre Lust hatten die über 200 Premierengäste beim Schlussapplaus - erhoben sie sich doch nach wenigen Sekunden zu Standing Ovations. Und jetzt auch noch etwas Kritisches: Die Zuschauer hätten im anheimelnden Dunkel gerne noch fünf Minuten weiter geklatscht - leider
hat das Einschalten der Hallenbeleuchtung das abrupt zum Ende gebracht - ein echtes Ärgernis.


Karten und Infos unter www.shakespeare-spiele-ludwigsstadt.de und an der Abendkasse.

Aufführungen Am 29., und 30. September sowie am 2.,3.,5.,6., und 7. Oktober - werktags um 20 Uhr, Sonn- und Feiertage um 17 Uhr, am 30. September, auch mit Kinderbetreuung.