Update 29.01.2020: Wasser läuft in der Ködeltalsperre nun aus Schläuchen

Planke für Planke hieven die Männer in der blau-neongrünen THW-Uniform auf die schwimmende Plattform, die sie am Mittwochmorgen auf dem Stausee in Mauthaus aufgebaut haben. Sie bringen ein provisorisches Geländer an, damit niemand während des Einsatzes ins Wasser fällt.

Für den Beobachter wirkt das Treiben auf dem tiefschwarzen Wasser ein wenig wie Mikado mit übergroßen Stäbchen, doch die Holzplanken sorgen dafür, dass die schwimmende Plattform an Ort und Stelle bleibt.

Das ist wichtig für das, was die Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks vorhaben: Zwei Mann streifen orangefarbene Schutzkleidung über, nehmen auf der Plattform Platz und leiten Wasserschläuche, wie sie von der Feuerwehr benutzt werden, durch die Öffnung in der Mitte der Plattform in den Stausee.

Bereits am Dienstagabend ist das THW mit Blaulicht und rund 20 Mann erneut an der Ködeltalsperre vorgefahren, um am Ufer des Stausees zu baggern. "Seit gestern werden im Betriebshof der Talsperre Erdbauarbeiten durchgeführt, um die Anschlüsse an die Rohwasserleitung herzustellen", heißt es in der Pressemitteilung, die das Wasserwirtschaftsamt Kronach am späten Mittwochmorgen (29. Januar 2020) veröffentlicht hat.

Trinkwasser für eineinhalb Tage

"Die jetzigen Aktivitäten dienen dazu, vorsorglich und schnell wieder eine zweite Trinkwasserentnahmemöglichkeit aus der Talsperre einzurichten." Denn wie der Vorsitzende des Fernwasserversorgung (FWO) Heinz Köhler bestätigt, reicht das gespeicherte Wasser in den Hochbehältern, um die Trinkwasserversorgung für die 400 000 belieferten Haushalte etwa eineinhalb Tage lang aufrechtzuerhalten.

"Länger kann das Trinkwasser da nicht verbleiben", erklärt Köhler. Sollte es in der aktuellen Situation auch zu Problemen mit dem anderen Rohr kommen, wäre die durchgängige Trinkwasserversorgung gefährdet.

Damit das nicht passiert, soll besser heute als morgen wieder eine zweite Versorgungsleitung her. "Seit gestern Abend ist das THW vor Ort damit beauftragt, eine neue Zusatzleitung zur weiteren Absicherung des Systems zu errichten", teilt das Wasserwirtschaftsamt mit. Wie die Fotos dokumentieren, handelt es sich bei dieser zusätzlichen Leitung um Wasserschläuche.

Aus diesen soll, solange der Schaden an der leckgeschlagenen Rohrleitung noch nicht behoben wurde, Wasser aus dem Stausee gepumpt und letztendlich zum Betriebsgebäude transportiert werden. "Wir suchen derzeit nach einer Lösung, wie das funktionieren kann. Die Kräfte vor Ort testen dafür aktuell verschiedene Pumpen aus", erklärt der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Hans Hemmerlein. Außerdem muss eine Lösung gefunden werden, wie die Schläuche an die weiterführenden Versorgungsleitungen am Betriebsgebäude angeschlossen werden können.

Da die bestehenden Betonrohre unterirdisch verlaufen, müssen die Bagger an der hinteren Seite des Gebäudes eine Öffnung für die provisorischen Schläuche schaffen.

"Die Rohwasserlieferung nach Rieblich über die Grundablassleitung 1 läuft problemlos weiter, so dass die Versorgungssicherheit für die FWO-Kunden sichergestellt ist", betont das Wasserwirtschaftsamt noch einmal. Auch die Bergwacht ist laut der Behörde am Dienstag und am Mittwoch vor Ort gewesen, um zu prüfen, wie der Entnahmeturm in der Seemitte auch von außen erreicht werden kann.

Klar ist aber auch: Selbst wenn die Wasserableitung über die Feuerwehrschläuche funktioniert, handelt es sich um keine Dauerlösung. Experten des Umweltministeriums untersuchen bereits, wie die defekte Rohrleitung saniert werden kann.

Meldung, 29.01.2020: Nach Großalarm an der Ködeltalsperre: Unsichere Tage am Staudamm in Mauthaus

Ruhig steht das Wasser in dem See, sein Grund 60 Meter in tiefer Schwärze verborgen. Die Regentropfen brechen das Spiegelbild des einsam über der Oberfläche thronenden Entnahmeturms. Dahinter verschmilzt der Verlauf des Sees in schier endloser Weite mit dem Horizont. Über den grünen Hügeln des Frankenwalds hängt ein grautrüber Regenschleier.

So ruhig, wie sich der Ködeltalstausee an diesem Dienstag in sein, teils natürliches und teilweise von Menschen geschaffenes, Ambiente einfügt, so ereignisreich waren die vergangenen Tage hinter den Kulissen der dicken Staumauern dieses majestätischen Bauwerks.

Ködeltalstausee: Vergangenes Jahr war noch alles in Ordnung

"Das Rohr wurde erst im vergangenen Jahr überprüft. Da war noch alles in Ordnung." Wenn Hans Hemmerlein in diesen Tagen eines gelernt hat, dann: Alle Sicherheitsmaßnahmen der Welt können nicht verhindern, dass - wie aus dem Nichts - doch eine Komplikation auftritt.

Nichts deutete auf Probleme hin

Vor vier Tagen deutete noch nichts auf Probleme an dem Stausee in Mauthaus hin, am Dienstagmorgen hat der Leiter des Kronacher Wasserwirtschaftsamtes bereits eine Kostenübernahmeerklärung unterschrieben, die laut seiner Aussage inzwischen auch der Fernwasserversorgung vorliegt. Die beliefert derzeit etwa 400.000 Menschen mit Trinkwasser aus der Ködeltalsperre.

In dem Dokument sichert das Bayerische Umweltministerium zu, die Kosten für die Sanierung der leckgeschlagenen Rohrleitung - sie liegen voraussichtlich im mittleren sechsstelligen Bereich - zu übernehmen.

"Wir sind froh, dass so schnell eine Entscheidung dahin gefallen ist, dass wir einen Sanierungsplan erstellen können, damit zeitlich kein Vakuum entsteht", befindet der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes. Finanzielle Mittel für die Reparatur eines plötzlich aufgetretenen Schadens, der mit ein wenig Zeit und Sachverstand behoben werden kann.

Von einer Katastrophe kann keine Rede sein

Von einem Unglück mit weitreichenden Folgen oder gar einer Katastrophe könne zu keinem Zeitpunkt die Rede gewesen sein. "Wenn die Sanierung des Kanals richtig gemacht wird, rechne ich mit einer Dauer von etwa einem Jahr", schätzt Hemmerlein.

Defekte Leitung: Vier bis fünf Lecks

Eine Begutachtung der defekten Leitung mit einer Kamera habe ergeben, dass auf einer Länge von rund 25 Metern vier bis fünf Lecks entstanden sind. "Natürlich schicken wir, wenn das Rohr undicht ist, keine Menschen da hinein."

Anders habe das noch vor einem Jahr bei der turnusmäßigen Überprüfung ausgesehen: "Da wird das Rohr mit einem Durchmesser von 1,40 Metern trockengelegt", schildert Hemmerlein. "Dann geht da ein Mitarbeiter mit einer Stirnlampe und guten Nerven 300 Meter weit rein und untersucht die Betonwände nach möglichen Rissen."

Warum das betroffene Rohr jetzt an mehreren Stellen undicht geworden ist, müssen nun umfangreiche Untersuchungen klären. Erst dann könne entschieden werden, wie die Leitung saniert werden soll. "Wir wollen in jedem Fall verhindern, dass so etwas noch einmal passiert." Darum zieht das Wasserwirtschaftsamt für die weiteren Untersuchungen Sachverständige vom Umweltministerium zurate.

Zwei Optionen

Denkbar wären zwei Optionen: Die Lecks könnten vom Inneren des Rohres aus wieder verschlossen werden. "Oder wir tauschen das komplette Teilstück aus." Obwohl das Rohr sofort trockengelegt wurde, läuft noch etwas Wasser durch die Lecks in den angrenzenden Bach. "In den Sommermonaten wäre es kritischer, wenn kaum Wasser im Bach ankommt, weil es da trockener ist", erklärt Hemmerlein.

THW mit Blaulicht zur Ködeltalsperre

Dass die Situation noch lange nicht geklärt ist, schien sich am Dienstagabend zu bestätigen. Erneut rückte das Technische Hilfswerk (THW) unter Blaulicht zur Ködeltalsperre aus. Weshalb, war vor Ort allerdings nicht zu erfahren. Es wurde lediglich auf eine Pressemitteilung verwiesen, die im Laufe des heutigen Mittwochs veröffentlicht werden soll. Allerdings war zu sehen, dass Baggerarbeiten an der Ködeltalsperre stattfanden. Wann das Wasser wieder mit voller Druckkraft durch das Rohr fließt, dürften wohl erst die kommenden Monate zeigen.

Auch am Mittwoch war das THW vor Ort wieder im Einsatz, wie aktuelle Bilder zeigen. Laut Informationen der Agentur News5 unterstützt das THW vor Ort das Wasserwirtschaftsamt, das weiter prüft, wie eine Sanierung des Rohres sinnvoll ist.