Es sind ausschließlich private Gründe, betont Dietrich Denzner, die ihn zusammen mit seiner Ehefrau zum Aufhören bewogen haben: "Nichts anderes. Das Geschäft läuft sehr gut." Nunmehr habe er aber ein Alter erreicht, mit dem er nicht mehr sechs Tage die Woche im Geschäft stehen möchte und am Wochenende das erledigen wolle, was unter der Woche liegen geblieben sei. "In all der Zeit haben meine Frau und ich kaum Urlaub gemacht - wenn, dann nur ein paar Tage, und immer das Handy in
Reichweite", verdeutlicht er.

Ein weiterer Grund sei, dass keines seiner Kinder im Geschäft mehr tätig ist. "Unsere Kinder haben sehr gute Arbeitsplätze, die ihnen Spaß machen - und das ist gut so. Wir würden sie nie drängen, das Geschäft fortzuführen", betont er. Leicht falle ihm die Geschäftsaufgabe dennoch nicht. "Ich habe hier 45 Jahre gearbeitet, meine Lehre gemacht, meine Meisterprüfung. Seit 1993 bin ich alleiniger Geschäftsführer des Unternehmens, das mein Großvater gegründet und von meinem Vater und später von mir immer weiter ausgebaut wurde. Da steckt natürlich viel Herzblut drin", räumt er ein.

Der Entschluss sei mit der Zeit in der Familie gereift und stehe bereits seit Ende 2017 fest. Eigentlich sei es angedacht gewesen, erst zum Ablauf dieses Jahres zu schließen. Dass es jetzt so schnell geht, habe eigentlich einen erfreulichen Grund. "Uns war es sehr wichtig, unsere langjährigen Mitarbeiter in anderen Unternehmen unterzubringen. Ich habe mich diesbezüglich bei unseren Mitbewerbern umgehört und vermittelt. Wir sind sehr froh darüber, dass alle Mitarbeiter bereits neue Arbeitsplätze
gefunden, diese zum Teil bereits auch schon angetreten haben beziehungsweise dass ihnen Jobangebote vorliegen", so der Inhaber des 1936 von seinem Großvater Georg Kaim, damals noch in der Bahnhofsstraße, gegründeten Unternehmens. Später konnten die Gebäude in der Schwedenstraße erworben werden. Im Laufe der Jahre sei vor allem das Geschäft im Bereich der Telekommunikation, also allen voran mit Handys, explodiert.

Vor rund 30 Jahren sei dies noch ganz anders gewesen. "Damals war alles Schallplatten-lastig. Wir waren die einzige Anlaufstelle für Discjockeys in der Region. Die haben sich bei uns - damals noch im alten Laden - immer jeden Freitag getroffen", blickt er zurück. Gerade die digitale Welt sei ungemein schnelllebig und erfahre eine ständige Veränderung. Man dürfe sich nicht ausruhen, sondern man müsse immer mit der Zeit gehen und sich den Trends anpassen. Deswegen sei es auch gelungen, sich gegen die Online-Mitbewerber zu behaupten.

"Wir gehen mit vielen schönen Erinnerungen und blicken voller Dankbarkeit zurück", sagt Dietrich Denzner. Ein großer Wunsch von ihm ist, dass das Geschäft in der hervorragenden Innenstadtlage
nicht leer stehe, sondern einen Nachfolger finde. Ein Interessent sei erfreulicherweise bereits vorhanden. Dennoch denke man noch in alle Richtungen. Falls ein junger Existenzgründer Interesse bekunde, würde er diesen - falls gewünscht - unterstützend zur Seite stehen und beim Aufbau behilflich sein.

Abschließend ist es ihm ein großes Herzensanliegen, Danke zu sagen - allen langjährigen Mitarbeitern und insbesondere den vielen treuen Kunden. "Ich hoffe, auf Ihr Verständnis", bittet Dietrich Denzner. Dass es ihm langweilig wird, glaubt der Informationstechniker Radio- und Fernsehtechnikermeister nicht, wird er doch sein Amt als von der Handwerkskammer für Oberfranken
öffentlich bestellter Sachverständiger weiter fortführen. Auch den Vorsitz der Aktionsgemeinschaft Kronach will er beibehalten.

Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein bedauert die Geschäftsaufgabe. Die Nachricht kam für ihn vollkommen überraschend: "Ich habe von der bevorstehenden Schließung nicht gewusst", so der Bürgermeister, der zunächst "geschockt" auf diese Information reagierte. "Ich bedauere es zutiefst, dass ein so renommiertes, alteingesessenes Traditionsunternehmen schließt", so der Bürgermeister, der die Familie Denzner schon sehr lange kennt und schätzt. Mit dem Unternehmen verbindet er viele Erinnerungen. "Ich bin schon als Kind reingegangen und habe mir Schallplatten gekauft", erzählt der Rathauschef, der für die Gründe der Geschäftsaufgabe vollstes Verständnis zeigt und der Familie von
Herzen alles Gute wünscht. Erfreut zeigt er sich, dass Dietrich Denzner den Vorsitz der Aktionsgemeinschaft, wofür er sich seit vielen Jahren mit voller Kraft einsetzt und sehr viel bewegen konnte, beibehält. Für die Suche nach einem Geschäfts-Nachfolger bietet er die volle Unterstützung
seitens der Stadt an. Hierdurch konnte man bislang schon in vielfacher Art und Weise einen Beitrag dazu leisten, dass gewerbliche Nutzflächen schneller wieder einen neuen Mieter finden.

Eckpunkte der Unternehmensentwicklung vom Kaim-Denzner: 1936: Firmengründung durch Georg Kaim mit Geschäftsräumen in der Bahnhofsstraße; 1950: Erwerb des Geschäftsgebäudes in der Schwedenstraße 12; 1960: Übernahme der Firma durch die Tochter Ingrid Denzner; 1989: Anmietung des Nebengebäudes in der Schwedenstraße 13; 1993: Übernahme der Firma durch Dietrich Denzner;
ebenfalls 1993: Erweiterung des Produktportfolios mit Telekommunikation; 1998: Eröffnung einer Vodafone-Partneragentur in der Schwedenstraße 22; 2001: T-Partner der Deutschen Telekom; 2003: Umzug der Vodafone-Partneragentur zum Bahnhofsplatz 6; 2009: Erweiterung des Produktportfolios
mit Telekom-Geschäftskundenvertrieb; 2010: Komplettrenovierung der Geschäftsräume in der Schwedenstraße 13 mit Telekom Shopkonzept & Euronics mobile Konzept; 2011: 75-jähriges Jubiläum der Kaim-Denzner GmbH