Aus dem Regal in der Obsttheke lachen uns die Tomaten an. Rot, groß, mit prallem Fruchtfleisch. Lecker! Aber geht bei solchen Prachtexemplaren alles mit rechten Dingen zu? Sind da am Ende Gentechnik oder massenweise Pflanzenschutzmittel im Spiel gewesen? Wer würde seine Zweifel beim Biss in die reife Frucht nicht gerne beiseite schieben und lieber im eigenen Garten ernten? Doch im kühlen Frankenland ohne Gewächshaus und Chemie selbst Tomaten anzupflanzen, ist wohl ein recht hoffnungsloses Unterfangen.

"Wir sind in einer schwierigen Region für Tomaten zu Hause", gesteht Georg Meisinger vom Biogärtner Haase aus Wertheim ein. Doch wie die zahlreichen anderen Referenten und Fachleute beim Rosen- und Gartenfestival in Kronach weiß er Rat für die Besucher der Messe, die ihn umlagern, ihn mit Fragen löchern und auf Tipps hoffen. Eine Lösung für das Problem sind seiner Ansicht nach alte, bewährte Sorten im Garten - und zwar nicht nur bei den Tomaten. "Wir nehmen robuste Sorten", erklärt er diesen Schritt und kehrt mit seinen Ausführungen wieder zum Beispiel der Tomate zurück.

Die alten Sorten

"Bei den alten Sorten geht es vor allem um die Sortendiversität", antwortet er auf die Frage danach, warum er nicht auf die heute gängigen Früchte aus dem Massenanbau setzt. Deren Verbreitung ist seiner Ansicht nach das Ziel der Großbetriebe, die ihre Lizenzen darauf haben, damit gutes Geld verdienen. So mancher alte Samen verspreche hingegen auch in unseren Breiten eine erfolgreiche Aufzucht der Pflanzen - zum Teil sogar ohne Gewächshaus.

"Was soll man gegen die Braunfäule tun?", bittet eine Frau um eine Lösung ihres Problems. Die Braunfäule ist eine Pilzerkrankung, die von Hobbygärtnern gefürchtet wird und die Ernte schnell zunichte machen kann. Die Sporen dieses Pilzes breiten sich in der Luft aus und bleiben sogar im Boden erhalten. Sie können daher auch wieder auf später gepflanzte Tomaten übergreifen.

"Resistente Sorten gibt es nicht erst seit heute", erklärt Meisinger. Deren Aufbau sei so angelegt, dass sie für das Wetter in Franken besser geeignet seien als so manche "moderne" Pflanze. Das liegt unter anderem an ihrer Blattstellung oder der dünneren Behaarung. Allerdings räumt Meisinger ein, dass alt nicht immer gleich gut sein muss. Die Pflanzen sollten sich vielmehr auch schon bewährt haben. "Und garantiert ist es nie, dass die Tomate nichts bekommt", räumt er ein. Die Erkrankungen träten bei robusten Sorten aber seltener auf - auch ohne die chemische Keule.

Das Saatgut erhalten

Doch wie haben sich diese Sorten angesichts der Großkonzerne in der Lebensmittel- und Gartenbaubranche in unsere Zeit gerettet? "Es gibt Vereine, Verbände und Gemeinschaften, wie zum Beispiel ,Dreschflegel‘, die solches Saatgut erhalten", erklärt Meisinger. Zum Teil finde unter diesen sogar ein Austausch statt.

Der Fachmann weist die Messebesucher auf einen Korb hin, der neben ihm steht. Darin sind Dutzende Tomaten - von denen so manche aber gar nicht an die bekannten Früchte aus der Obsttheke erinnert. Da sind grüne, gelbe, orangefarbene, hell- und dunkelrote sowie gesprenkelte. Alle haben einen eigenen Namen, ganz wie ein paar Stände weiter die vielfältigen Rosen.

Mit einem Schmunzeln reagiert Meisinger auf die fragenden Blicke in den Korb. "Tomaten stammen ursprünglich aus Mittelamerika. Schon damals gab es alle möglichen Farben und Formen. Nicht erst seit wir sie züchten. Und die ersten waren gelb." Und längst haben sie den Sprung sogar in den Frankenwald geschafft - die Züchtung macht's möglich.

Tipps für den Hobbygärtner

Schutz Um auf chemische Schutzmittel gegen die Braunfäule verzichten zu können, empfiehlt Georg Meisinger unter anderem den Einsatz von Brennesseljauche-Konzentrat oder Knoblauchbrühe. Diese Mittel sollten jeweils im Verhältnis 1:10 mit Wasser gemischt werden. Die Brennesseljauche sei zugleich ein guter Dünger.

Aussaat Nach Meisingers Ansicht muss die Tomate nicht wie vielfach angenommen schon im Februar gesät werden. "Mitte, Ende März reicht", unterstreicht er. Die später gesäten Pflanzen würden die früher ausgebrachten im Wachstum wieder einholen.

Einkochen Meisinger hat für das Einkochen von Tomaten einen besonderen Tipp für den Geschmack. "Russisches Basilikum hat sich bewährt", spricht er die extravagante Zutat an. Ansonsten kämen noch Essig, Salz und Zucker mit ins Glas. "Und je nach Geschmack kann man zum Beispiel auch Pfeffer dazugeben."