"Corinna, da ist der Herr Gottschalk dran." Redaktionssekretärin Ursula Mertel verbindet den bekannten Blondschopf wie jeden anderen Anrufer auch. "Ach Gott, ein Spaßvogel. Nur weil Gottschalk groß bei uns in der Zeitung ist, meint einer, sich nun für ihn ausgeben zu müssen", schwirrt mir als erster Gedanke durch den Kopf.
Der Kollege dreht sich um, macht große Augen, kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Er scheint auch gespannt zu sein, wer da wohl tatsächlich dran ist.

Doch tatsächlich - es ist Thomas Gottschalk. Die Stimme ist unverwechselbar. Er plappert wie ein Wasserfall. Dass er Radio aus dem Ärmel mache, er sich da am Sonntagabend einfach hingestellt habe "und den üblichen Blödsinn erzählt" habe. Von einer Schnapsidee ist die Rede. "Das ist er echt", schwirrt mir nur im Kopf herum. Denn wer sonst kann so schnell und viel plappern? Mir fehlen die Worte.

Ja, ich hatte seiner Büroleiterin am Montag eine E-Mail geschickt, ihr auf die Mailbox gequatscht, sie möge sich bitte mal bei mir melden, da nur Gottschalk selbst aufklären könne, ob sich der Skandalbischof Tebartz-van Elst, wie Thommy am Sonntagabend auf Bayern 3 behauptete, tatsächlich in Nurn im Frankenwald aufhält oder ob das alles nur einer seiner bekannten Scherze war. Aber - keine Reaktion.

Nicht damit gerechnet

Sicher hätte ich es heute nochmal probiert, bei ihr durchzukommen. Vielleicht hätte ich dann auch eine kurze Stellungnahme bekommen, eine Aufklärung der ganzen Geschichte. Aber dass Thomas Gottschalk, der da gerade am anderen Ende der Leitung gar nicht mehr aufhört zu reden, mich von selbst anruft - zugegeben, das hätte ich nun wirklich nicht gedacht.

Er sei in Kulmbach, habe beim Frühstück Zeitung gelesen und habe jetzt die ganze Sache einfach nur aufklären wollen, höre ich ihn da sagen. "Das war dann also ein Scherz", bringe ich gerade so über die Lippen. Das Fragezeichen in meiner Stimme ist sicher mehr als deutlich zu hören. "Na klar", sagt Thommy, der mit mir spricht, als wären wir schon seit Jahrzehnten Kumpel, mich freundlich duzt. "Ich wollte mich selbst nicht unter diesen Vorführdruck wie beim letzten mal setzen", sagt er. Bei seinem Radio-Comeback bei Bayern 3 im März habe er nämlich viel zu sehr unter öffentlicher Beobachtung gestanden. Deshalb habe diesmal auch niemand etwas davon gewusst, dass er erneut beim Kultabend in Bayern 3 hinter dem Mikro steht.

Einfach drauf los geplappert

Und Thommy habe sich deshalb auch nicht großartig vorbereitet, sondern einfach drauf los geplappert. Radio aus dem Ärmel eben, wie er sagt. "Eigentlich wollte ich nur Frankenwald sagen, aber ich hatte Nurn einfach so in der Birne", erklärt er. Er streut ein Lob für die Recherchearbeit ein, es stimme, dass er Nurn gut kenne, dort geheiratet habe. Und deshalb sei ihm Nurn dann einfach so mit heraus gerutscht. "Ich wollte den Nurnern keinen Bischof ins Nest legen", sagt er und ergänzt, dass diese den Skandalbischof nun wirklich nicht verdient hätten. "Ich muss mich vor Nurn tief verneigen."

Und ich? Ich weiß noch immer nicht, was ich mit ihm reden könnte. Aber Thommy macht das schon, plappert und plappert. "Ich hab' ja nicht gedacht, dass da eine Corinna zuhört, die dem dann gleich nachgeht." - "Naja, so hatten wir wenigstens einen tollen Aufmacher", stammle ich. Thommy ist da wesentlich schlagfertiger. "Na dann machen wir es beim nächsten Mal einfach so, dass ich dir vorher Bescheid sag'. Dann sag' ich, ich kauf' Loewe und mach 'ne Zweigstelle in Malibu auf", witzelt er. Es wird noch ein bisschen gelacht. Er hätte wohl auch noch ein bisschen gequatscht. Aber ich bin immer noch ganz verwirrt, völlig von der Rolle und deshalb irgendwie kurz angebunden. "Mach's gut", "Servus", "Grüße in den Frankenwald" - Thomas spricht noch, als ich schon den Hörer auflegen will. Nett war's - und noch netter ist, dass wir nun Klarheit haben: Tebartz-van Elst hält sich also nicht in Nurn versteckt. Wobei eines sicher ist: Nach all dem Wirbel, würde ihn hier jetzt wohl sicher keiner mehr so schnell vermuten.