Flink huscht das Tier durchs Wasser. Sechs Beine und drei antennenartige Fortsätze am Körperende - aus der Nähe betrachtet wirkt es wie ein Alien aus einem Science-Fiction-Film. Doch dieser Geselle ist weder gefährlich noch erschreckend. Er ist gerade einmal zwei Zentimeter groß und ein Beweis dafür, dass an dieser Stelle die Natur noch intakt ist. Er ist die Larve einer Eintagsfliege.

Wo Eintags- oder Köcherfliegen auftauchen, erreiche die Wasserqualität mindestens einen guten Wert, erzählt Susanne Meyer vom Bund Naturschutz (Stadtoase). Wenn dann noch Steinfliegen-Larven zu finden seien, sei das Wasser perfekt. Im Frankenwald gibt es solche Idylle noch, wie die gelernte Erzieherin weiß. Im Kindergarten ist sie schon lange nicht mehr tätig. Beim Bund Naturschutz hat sie inzwischen den Job für sich gefunden. Meyer führt unter anderem für die Stadtoase Neugierige - sehr oft Schulkinder - durch die Landschaft des Frankenwaldes. Wald, Wiese, Hecke und Fluss sind vier Mosaiksteine ihrer Arbeit. Die Flüsse nimmt sie heuer besonders genau unter die Lupe.

Während sie an der Marktrodacher Schule losmarschiert und ein paar Hundert Meter dem Flusslauf der Rodach folgt, schwärmt sie von ihrer Aufgabe. "Ich muss rausgehen, zu jeder Jahreszeit", stellt sie fest. Ob zum Sport, zum Malen oder eben als Führerin - in der Natur fühlt sich die Kronacherin am wohlsten.

Sie erzählt von Prallufern und Gleitufern. Sie seien Zeichen dafür, dass sich ein Fluss sein Bett selber suche. Sie freut sich über Bachstelzen und Wasseramseln, die auf Ruhesteinen im Gewässer rasten. Diese Vögel sind ein Zeichen dafür, dass es an diesem Fluss gut um die Qualität des Wassers steht. "Die Wasseramsel braucht klares Wasser, weil sie ihre Nahrung unter der Wasseroberfläche erspähen muss", erklärt Meyer.


Kreativität wird geweckt

Überhaupt begeistert sie das Thema "Fluss". Und sie freut sich, dass es anderen offenbar genauso geht; die Stelle, die sie an diesem Tag bei Marktrodach unter die Lupe nimmt, haben ihr Schulkinder verraten. "Bei Kindern wird in der Natur die Kreativität geweckt", ist Susanne Meyer fest überzeugt, dass ihre Arbeit beim Nachwuchs Früchte trägt. Dabei kommt ihr natürlich auch ihre berufliche Ausbildung zugute. Und ihre langjährige Erfahrung.

"Wenn man täglich mit Kindern rausgeht, dann kriegt man mit, worüber sie sich freuen, was sie fühlen", sagt sie. Deshalb trete sie auch nicht als "Oberlehrerin" bei den Führungen auf, sondern sie verstehe sich als eine Spielgefährtin, wenn der Nachwuchs die Binokulare zückt, wenn er kleine Boote schnitzt und auf die Reise schickt.

Diese Reise führt die Schiffchen bei uns noch vielfach durch grüne Kurven, die ein ansonsten so gut geordnetes Landschaftsbild durchschneiden. Dass es hier noch idyllische Flussläufe gibt, liegt für Meyer auch daran, dass heute seitens der Behörden behutsamer mit der Natur umgegangen wird als es in früheren Zeiten der Fall war.
Und so offenbart sich zu jeder Jahreszeit eine besondere Welt unter Wasser. "Die Eintagsfliege häutet sich beispielsweise 30-mal. Sie hat auch eine faszinierende Bautätigkeit unter Wasser." Die Kronacherin nimmt einen Stein und freut sich riesig, ihre Aussagen auf Anhieb belegen zu können. Dort findet sich der Rückzugsort einer Eintagsfliege, die Steine mit einem Spinnfaden an ihrer Behausung festgezurrt hat, um der Strömung zu widerstehen. Manchmal sehen diese Bauten aus wie kleine Städte mit Türmchen.


Kleine Tiere ganz groß

Aber es gibt noch viel, viel mehr, mit dem Meyer ihre Weggefährten bei den Exkursionen ins Staunen bringt: Strudelwürmer, die sich durch Teilung vermehren, Ekeleier, Wassergeistchen, Napfschnecken oder bei Steinwiesen einen nachtaktiven Fisch, die Koppe.

Selbst im Winter herrsche reges Treiben im kühlen Nass. "Unter Wasser geht das Leben am geschütztesten weiter. Im fließenden Wasser wird es nie kälter als vier Grad. Deshalb haben wohl viele Insekten ihre Entwicklungsprozesse dorthin verlegt", berichtet Meyer. Langweilig wird es ihr also sicher nicht, denn die Natur bietet für Entdecker ein ganzjähriges Rund-um-die-Uhr-Programm.