Die Merkzettel an der Tafel leuchten knallbunt. Ideen haften in rosa, blau und grün an der Wand. Wilde Skizzen schlängeln sich hindurch. Brainstorming international. Dieses Gedankenkonstrukt wird nun für "Kronach leuchtet" in eine sichtbare Realität verwandelt.

"It's not really nice", sagt Jaehoon Choi. Der Student aus Südkorea eröffnet die erste Präsentation seiner Gruppe im Saal des katholischen Pfarrgemeindehauses. Zu siebt haben die jungen Leute aus aller Welt mit ihrer Workshop-Leiterin Sabine De Schutter aus Berlin ein erstes Konzept für die kleine Gasse zwischen Lucas-Cranach- und Amtsgerichtsstraße entwickelt.

Vor rund 50 Studenten und Schülern, die an den internationalen Lichtdesign-Workshops in Kronach teilnehmen, zeigen sie nun, was ihnen für den unscheinbaren Abschnitt zwischen häßlicher Baustelle, Bratwurstmaß und Historischem Rathaus in den Kopf gekommen ist. Statt "not nice" soll es dort nämlich "interesting" werden.


Wie in einem Theater

Chois Kollegin Hanna Stijnen erzählt von vielen Ideen. Am Ende orientieren sich die Studenten am Konzept eines Theaters. Drama, Roter Teppich, Kostümwechsel - die Gedanken schweifen weit.
Die Studentin erklärt das Vorhaben in Englisch, obwohl sie auch deutsch spricht. Doch ihre Zuhörer kommen aus aller Herren Länder. Nordeuropäer, Südeuropäer, Asiaten, Afrikaner - die Mischung ist bunt, das Miteinander harmonisch und offen.

Riku Pirtilä führt die Präsentation fort. Er spricht von ersten Versuchen mit warmem und kaltem Weiß zu arbeiten. Er erzählt, wie die Gruppe Silhouetten und Schatten herausarbeiten will. Und er erklärt, wie die unschöne Baustelle zum ansprechenden Teil des Beleuchtungskonzepts mutieren soll.
Wie dieser Bereich am Ende genau aussehen wird, lässt sich nach dieser Gesprächsrunde aber noch nicht sagen. Änderungen können bis auf den letzten Drücker passieren.

"Wir werden viel ausprobieren und breit denken", erklärt Sabine de Schutter, dass sich erst beim Test vor Ort zeigt, ob alle Überlegungen in der Praxis wirklich so funktionieren, wie es sich die Studenten über mehrere Tage theoretisch erarbeitet haben. Schließlich müssten völlig unterschiedlichen Vorstellungen von sieben Menschen auf einen Nenner gebracht und auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt werden. "Beim Test zeigt sich dann, wo noch etwas fehlt, wo wir etwas magischer oder gruseliger machen können." Und dann muss der Aufbau auch noch so gewählt werden, dass er zehn Tagen Festival Stand hält.


Richtigen Ansatz finden

Den richtigen Dreh versuchen auch die vier anderen Gruppen zu finden. So unterschiedlich die Studenten ticken, so verschiedenartig ihre Einsatzorte sind, so differenziert sind auch ihre Herangehensweisen. Hier wird die Architektur in den Fokus gerückt, dort soll eine Geschichte durch das Licht erzählt werden und wieder anderswo wird das Motiv der Drei-Flüsse-Stadt als Grundlage für "fließendes Licht" aufgegriffen.

Anerkennung und sachliche Kritik rücken in den Mittelpunkt der Diskussion unter den Studenten und Dozenten. Ein Kompliment wird dabei so manchem Teilnehmer zuteil; immer wieder macht das Wort "brave" die Runde. "Mutig", welche ambitionierten Ideen von den knallbunten Zetteln die jungen Leute umsetzen wollen.


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