Wenn es auf den Start des Freischießens zugeht, wirkt es mittlerweile, als würde man in eine Endlosschleife geraten: Klagen einzelner Nachbarn gegen den Festbetrieb hier, Schimpftiraden des Festbesucher über die Kläger da. Und seit Jahren muss das Gericht dann einen Kompromiss zwischen Anwohnern und Schützen finden.


Neuer Kläger

Im Jahr 2017 war es nicht anders. Nachdem mit einem Nachbarn im Vorjahr ein Vergleich gefunden werden konnte, stand diesmal ein neuer Kläger auf der Matte. Dieser wollte kürzere Öffnungszeiten des Volksfestes erreichen, weil er sich nachts durch den Lärm belästigt fühlte. Vor allem die XXL-Nächte waren dem Anwohner ein Dorn im Auge.

Ende Juli befasste sich schließlich das Verwaltungsgericht Bayreuth mit dem Fall. Dabei drehte es sich um den Bescheid der Stadt aus dem Jahr 2016 zum Freischießen-Betrieb. Dieses Fest war zwar bereits abgelaufen, doch sollte das Gericht den damaligen Bescheid für falsch erklären, dann würden sich natürlich Konsequenzen für die nachfolgenden Feste ergeben. Davon ging jedenfalls die Klägerseite aus.

"Der kritische Punkt ist für uns das Geschehen nach 24 Uhr", stellte Anwalt Alexander Reitinger für den Nachbarn fest. Sein Mandant und er wollten nicht an den historisch gewachsenen Öffnungszeiten rütteln, allerdings kritisierten sie einen 13-tägigen Festbetrieb bis Mitternacht und die in den vergangenen Jahren hinzugekommenen XXL-Nächte.


Eine Frage der Lärmwerte

Vorsitzende Richterin Angelika Schöner verwies darauf, dass nicht die Festzeiten zu diskutieren seien, sondern die Einhaltung der Lärmwerte. "Man muss sich nicht sklavisch daran halten", räumte Schöner ein, "aber Abweichungen müssen herausragend begründet sein."

Die Anwälte der Stadt (Karl-Friedrich Hacker) und der Schützen (Volker Hampel) zeigten auf, dass die XXL-Nächte ihrer Ansicht nach die Innenstadt entlasten und Lärmmessungen durchgeführt wurden.
Obwohl das Problem in der Verhandlung nicht endgültig gelöst werden konnte, gelang es dem Gericht, einen vorläufigen Waffenstillstand zu erreichen. Beide Seiten einigten sich darauf, das Verfahren zunächst ruhen zu lassen. Die Schützen verzichteten freiwillig auf eine XXL-Nacht. Der Kläger sagte zu, keine Rechtsmittel gegen den 2017er-Bescheid einzulegen. Weitere Lärmuntersuchungen und Vergleichsgespräche sollten folgen.