Fragend stehen Christian, Anika, Elena, Oliver und Nicolas vor den Suppentellern. Mittagessen um diese Zeit? Weit gefehlt, denn es ist wieder einmal - wie so oft - Forscherzeit im Steinberger Kindergarten.

Die Leiterin der Einrichtung, Doris Haderlein, gibt den fünf Großen der "Wackelzahnbande" jeweils einen Strohhalm. Dann geht es los: Die Kinder rühren, pusten und saugen wie die Weltmeister. Kleine Blubberblasen entstehen. Dann werden größere Geschütze - in diesem Fall Riesen-Strohhalme - aufgefahren. Die sind so groß, dass sich die Kinder auf die Stühle stellen müssen, um durch die Halme blasen zu können. Ein wenig Spülmittel dazu, dann legen die kleinen Forscher richtig los.


Wissensdurst ist groß



Im Handumdrehen entstehen hohe Türme aus bunt schillernden Blasen ebenso wie Blasen im XL-Format. Die Kinder zaubern ein Seifenblasenland, das die Augen ihrer kleinen Erbauer strahlen lässt. Doch damit haben die kleinen Forscher ihren Wissensdurst noch längst nicht gestillt.

Können Karotten schwimmen? Wie wird die Kaulquappe zum Frosch? Wohin entschwindet unser Schmutzwasser? Das sind weitere Fragen und Phänomene, die es zu beantworten und zu erforschen gilt. An diese Aufgabe haben sich die Kinder und Erzieherinnen des Steinberger Kindergartens gemacht - und sie wurden dafür mit der Plakette "Haus der kleinen Forscher" belohnt.


Start vor vier Jahren


Natürlich freut man sich im Kindergarten sehr über die Auszeichnung, geforscht wird an dieser Einrichtung aber schon viel länger. "Mit dem Forschen haben wir vor etwa vier Jahren angefangen. Damals hat meine Kollegin Nadja Stumpf, jetzt verheiratete Föhrkolb, jeweils einen Nachmittag in der Woche Forscherprojekte mit den Kindern gemacht. Die Kinder waren total begeistert", erinnert sich Doris Haderlein, die mit Karin Kochdumper den Kindergarten leitet. Seitdem forsche man oft und gerne.

"Wir hatten schon Hühnerküken im Haus, die in einem Brutautomaten aus Eiern geschlüpft sind. Dann ging es mit unserem Aquarium weiter. Auch kleine Hasen hatten wir schon in unserer Obhut", verrät Haderlein lachend. "Hinzu kamen Fluss-Expeditionen, bei denen wir das Wasser erforscht haben, und viele Aktionen mit der Stadtoase." Es wurden Mikroskope angeschafft, um den Erdboden und verschiedene Erdschichten zu untersuchen. Glücklicherweise gewann der Kindergarten einen Forscherkoffer.


Abenteuer im Wald


"2008 haben wir die Waldtage eingeführt. Seitdem gehen wir jeden Freitag mit den großen Kindern in den Wald. Wir haben dort einen Adlerhorst", verrät die Kindergarten-Leiterin. Es sei faszinierend zu sehen, wie die Jungen und Mädchen immer wieder aufs Neue begeistert seien, und dass es ihnen nie langweilig werde. Im Kindergarten kommt die Gruppe dann stets mit vollen Säcken und Hosentaschen an. Die gesammelten "Schätze" werden gemeinsam untersucht.

"Kinder tragen einen Forscherdrang und ein kindliches Interesse in sich. Wenn wir beispielsweise am Wasser sind, dann müssen wir gar nicht viel sagen. Die Kinder beginnen von sich aus, mit dem Wasser zu experimentieren", weiß die Leiterin. Die Jungen und Mädchen fänden auch für sich selbst Erklärungen für bestimmte Phänomene, was dem tatsächlichen wissenschaftlichen Prozess ganz ähnlich sei. "Die Kinder erklären sich ihre Welt selbst. Alles, was sie dazu brauchen, sind kleine Hilfestellungen. Eigentlich müssen wir nur das Material zur Verfügung stellen und ihnen die Möglichkeit zum Forschen geben", ist sich Haderlein sicher.

Zum "Haus der kleine Forscher" kam der Kindergarten über eine Info-Veranstaltung im Landratsamt, bei der die Initiative vor zwei Jahren vorgestellt wurde. "Das gefiel uns sehr gut. Seit dieser Zeit forschen wir regelmäßig mit den Kindern", erklärt die Doris Haderlein, die mit ihrer Kollegin Kerstin Appelius für die einzelnen Forscheraktionen verantwortlich zeichnet.


Die vierte Auszeichnung im Landkreis



Groß war bei den Kindern und dem Team des Kindergartens die Freude darüber, es - als die erst vierte Einrichtung im Landkreis überhaupt - geschafft zu haben, die Auszeichnung zu erhalten. Die Urkunde und die Plakette wurden überreicht vom oberfränkischen IHK-Präsidenten Heribert Trunk.

Mit dem Forschen wird aber auch nach der Zertifizierung weitergemacht. Schließlich stecken die Jungen und Mädchen weiter voller Wissensdrang. Ein begeisterter Forscher ist beispielsweise Christian, der großes Interesse an allem hat, was um ihn herum geschieht. Auch dieses Mal hat er wieder etwas dazugelernt. Fachmännisch erklärt er: "Um durch kurze Strohhalme zu blasen, braucht man wenig Kraft, für große dagegen viel mehr."