Sophia, Angelina, Lisa und Emily haben gerade alle Hände voll zu tun. Sophia, mit ihren fünf Jahren die Jüngste im Bunde, befestigt am Aufsatz einer Küchenmaschine ein Stück Apfel. Die Steinbergerin dreht kräftig an der Kurbel. Schon entstehen lange "gelockte" Apfel-Spaghetti, die sogleich ihren Platz auf einer bunten Gemüseplatte finden - "einträchtig" neben Rettich-, Möhren- und Blaukraut-Spaghetti.

"Gemüse ist toll. Es ist gesund und hat viele Vitamine. Außerdem schmeckt es lecker", sind sich die Mädchen einig. So ist es kein Wunder, dass einige Gemüse-Spaghetti gleich zum Testen in ihrem Mund landen. Keine Frage: An diesem Vormittag ist "Handarbeit" gefragt. Aus den Außenblättern des Blaukrauts schneiden sich die kleinen Hobbyköchinnen einen essbaren Teller, auf dem sie das Gemüse anordnen. Auch das von den Kindern selbst ausgesägte und abgeschliffene Besteck ist Marke Eigenbau. Dieses brauchten sie beispielsweise für das gekochte Blaukraut, für das die Jungen und Mädchen den Rotkohl zunächst in feine Streifen schnitten.

Freiluftküche in der Halle

Zubereitet wurden diese Köstlichkeiten von den Ferienkindern in der Kronachtalhalle. Eigentlich wollte man bereits an diesem Mittwoch wieder eine komplette Freiluftküche vor dem Gelände einrichten, was am Eröffnungstag aber buchstäblich ins Wasser fiel. Trotzdem konnten die Kinder vieles davon benutzen, was man bei der Stadtoasen-Feriensaison 2012 - ebenfalls unter dem Motto "Küche Open Air" - "gezaubert" hatte.

Mit dabei war natürlich auch der zerlegbare, schnell konstruierbare und stets veränderbare mobile Backofen. Er erhielt für das große Kuchen- und Keksebacken noch einen zusätzlichen Backraum - sprich eine Etage mehr. Überhaupt stand an den drei Tagen mit Torten und Kuchen, Kraut und Klößen die Zubereitung von richtigem "Sonntagsessen” auf dem Küchenplan.

Lieblingsspeisen zubereitet

"Es wäre wirklich jammerschade, die turbulente Idee von der ,Draußenküche‘ im vergangenen Jahr nicht weiterzudenken und den angesammelten Zubehörfundus nicht zum Gebrauch zu wecken. So soll das ,Küche aus Brettern, Steinen und Umzugskarton Aufbauen‘ noch einmal zum Ritual werden. Kinder mögen solche festen, überschaubaren Strukturen und Aufgaben", weiß Projektleiterin Susanne Meier. Nach Brot, Pizza, Nudeln und Nutella im Vorjahr warteten heuer noch weitere Lieblingsspeisen, "Grundnahrungsmittel” und traditionelle alte Rezepte darauf, zum Thema gemacht zu werden.

Seit sieben Jahren ist die Stadtoase, die Umweltbildungseinrichtung der Kreisgruppe Kronach des Bundes Naturschutz, im Landkreis Kronach unterwegs. Die fünfwöchige Tournee richtet sich an alle sieben- bis zehnjährigen Ferienkinder. Seinen Auftakt hat das alljährlich neue dreitägige Programm immer in der Gemeinde Wilhelmsthal.

Auch heuer waren Susanne Meier und alle Jugendlichen, die im Ferienprogrammteam mitwirken und alles gemeinsam vorbereiten, sehr gespannt auf den Programmstart in Steinberg. Am ersten Tag waren dies Tom und Franka Witthauer aus Weißenbrunn sowie Lea Neubauer und Kim Werner aus Kronach, allesamt Schüler des Frankenwald-Gymnasiums. Die Achtklässler Franka, Lea und Kim sind zum ersten Mal dabei, Zehntklässler Tom wirkte bereits im vergangenen Jahr mit. "Mir hat es vergangenes Jahr viel Spaß gemacht. Deswegen bin ich auch heuer wieder dabei", erzählt Tom. Mit seiner Begeisterung hat er seine Schwester Franka angesteckt. "Tom hat so viel erzählt, da dachte ich, dass das auch etwas für mich sein könnte", meint Franka, die auch sonst viel und gerne mit Kindern zu tun hat. "Bei unserem Sportverein in Weißenbrunn betreue ich Kinder und helfe ihnen beim Turnen. Das macht mir viel Freude. Und auch heute gefällt es mir richtig gut, obwohl wir leider nicht nach draußen können", bedauert sie.

Der Jugend gefällt das

Auch Kim und Lea feierten eine "erfolgreiche Premiere". "Franka hat uns erzählt, dass sie mitmacht. So sind wir dazugekommen", verraten die beiden. Gut gefällt ihnen dabei, dass sie sich selbst bei der Gestaltung des Programms mit einbringen durften. "Es gab im Vorfeld ein Treffen mit Susanne Meier, bei dem wir Ideen zusammengetragen haben. Außerdem haben wir Kochen geübt", erzählt Kim. Besondere Erwartungen an den Tag hatte sie nicht. Sie wollte sich überraschen lassen, wie das so sei. "Und es ist voll schön", resümiert sie. Dass sie dafür ihre Ferien unterbrechen, stört alle nicht. "Ich mag Kinder. Und die Jungen und Mädchen unserer Gruppe sind echt brav. Es ist schön, wenn ihnen der Tag Spaß macht", sagt Lea.

Susanne Meier ist begeistert vom Engagement ihrer jungen Helfer. Vier Jugendliche sind neu, sieben Jugendliche waren schon öfters dabei - einige bereits das dritte Jahr und das trotz Abschlussprüfungen. Meier freut sich: "Es ist so gedacht, dass die "älteren" die "jüngeren" anlernen - toll, wie das klappt."

Die Meinung der Kinder

Wir haben drei Mädchen gefragt, wie ihnen das Ferienprogramm gefällt. Sie sind zum ersten Mal dabei.
Alina, sechs Jahre aus Gifting: "Mir macht der Tag viel Spaß. Am schönsten ist es, zusammen zu kochen und zu essen."
Sophia, fünf Jahre aus Steinberg: "Mir gefällt alles gleich gut und man lernt viel dabei. Man kann vieles ausprobieren."
Angelina, acht Jahre aus Steinberg: "Wir machen heute ganz spannende Sachen. Schön finde ich die Spiele dazwischen, weil sie lustig und spannend sind."

Der Ablauf

Tag 1 Unter dem Motto "Blaukraut bleibt Blaukraut" lernten die Kinder, was man aus Gemüse und insbesondere Rotkohl alles machen kann: beispielsweise traditionelles Sonntagsgemüse und Salatvarianten.

Tag 2 "Klöß' und Knödel kochen wir" hieß es am nächsten Tag. Die Kinder bereiteten Kartoffel-, Semmel- und Hefeklöße sowie Topfen- und Apfelknödel zu.

Tag 3 Am dritten Tag wurde Teig gerührt, geknetet, ausgerollt und ausgestochen. Die Kinder belegten Kuchen, Kekse und Tortenböden mit einheimischem Erntegut von Erdbeere bis Haselnuss, die schließlich im selbst gebauten Ofen gebacken wurden.