Es braucht schon etwas Glück, wenn man beim ATSV Gehülz nicht eiskalt duschen will. Je nach Lust und Laune wechselt das Wasser die Temperatur. Und wenn die Gästespieler in ihrer Dusche in den Genuss von heißem Wasser kommen, muss die Heimmannschaft frieren. "Die müssen sich immer absprechen", sagt zweite ATSV-Vorsitzende Nadja Stöcker. Wobei, so angenehm ist das heiße Wasser auch nicht - es ist knallheiß.

Kein Wunder, dass die Gästespieler nicht gerade frohlocken, wenn sie beim ATSV antreten müssen. Obwohl es sich in dieser Saison zumindest sportlich oft gelohnt hat. Mit mageren fünf Punkten ist der Aufsteiger als Tabellenletzter der Kreisklasse 2 Coburg/Kronach/Lichtenfels direkt wieder abgestiegen.

Auch der Schimmel ist ein Problem in der Umkleide. Nach dem Duschen müssen die Spieler immer das Fenster kippen, die Tür offen lassen und das Wasser auf dem Boden herausschieben. "Die Spieler ekeln sich schon ein bisschen. Vor allem unsere Damenmannschaft. Die Damen sind da ja noch ein bisschen empfindlicher", weiß Stöcker.

Das Geld fehlt

Daher würde sie am liebsten die Duschräume als erstes renovieren. "Wir wollten schon vieles machen, aber das kostet alles einen Haufen Geld. Wenn mal etwas übrig war, haben wir es immer in den Platz oder in die Mannschaft gesteckt für Trainingslager oder hochwertige Weihnachtsgeschenke." Mit 2000 Euro ist zwar noch keine neue Dusche drin, aber zumindest könnte Stöcker damit ein weiteres Vorhaben umsetzen. "Es war mal angedacht, kleine Kästen über die Bänke zu bauen, in denen die Spieler zum Beispiel ihr Duschgel, Deo und ihren Kamm verstauen können. Dann müssen sie das nicht mehr alles mitschleppen und aufs Fensterbrett stellen." Aber das wäre nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. "Wenn ich im Lotto gewinnen würde, würde ich komplett alles rausreißen. Neue Fliesen, die Dusche, schöne Ablagefächer für die Spieler, neue Bänke." Die Sitzgelegenheiten für die Spieler sind ebenfalls schon in die Jahre gekommen und drohen unter Belastung einzubrechen.

Schöne Erinnerungen

In den 80er-Jahren wurde das Sportheim des ATSV errichtet. Seitdem hat sich nicht viel verändert: "Mal haben wir eine neue Decke in die Dusche gebaut oder neue Fließen an der Wand verlegt. Das waren aber Restposten", sagt Stöcker. Seit etwa 20 Jahren ist sie im Verein, seit sechs zweite Vorsitzende. Trotz der Unbehaglichkeit, die die Kabine versprüht, verbinden sie und der Klub viele schöne Erinnerungen mit der Umkleide. Die Laienspielgruppe, in der sich Stöcker engagiert, zieht sich hier drin um. Und hier hat sie sich auch in ihren heutigen Ehemann verliebt.

Die Fußballer feierten in der Kabine schon viele Aufstiege. Zuletzt in der Saison 2017/18 nach der Relegation. "Früher haben wir eine Woche lang durchgefeiert. Aber dieses Mal waren am Sonntag alle schon um 11 Uhr zu Hause. Am Montag waren noch ein paar Leute da, aber am Tag danach war nichts mehr", erinnert sich Stöcker. Trotz der vielen Mängel halten es die Gehülzer Fußballer in ihrer Kabine aus. Das obligatorische Bier nach dem Spiel trinken sie hier gemeinsam, bevor sie sich nach oben ins Sportheim zu den Zuschauern setzen.

Die Rivalität ruht

In der kommenden Saison werden sie ihre Umkleide aber nur halb so oft nutzen. Wie viele andere Vereine hat auch der ATSV Gehülz immer größere Probleme, genügend Kicker zu finden. Deshalb werden die Herren nun eine Spielgemeinschaft mit dem Ortsrivalen FC Gehülz bilden, dessen Sportplatz nur 500 Meter weit entfernt ist. Die SG wird nur jedes zweite Heimspiel auf dem ATSV-Platz absolvieren.