Vor der laufenden Serie hat Christian Dietz den Aufstieg in die 2. Liga geschafft und gehört somit zum Kreis der 42 Top-Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes. Seitdem ist der 28-jährige Realschullehrer nicht nur Zweitliga-Schiedsrichter, sondern auch Assistent in der Bundesliga.

Wie oft warst Du in dieser Saison bei den Profis im Einsatz?
Christian Dietz: In der 2. Liga habe ich bis jetzt vier Spiele geleitet. Dazu kamen sechs Einsätze als Assistent oder Vierter Offizieller in der Bundesliga und fünf Spiele als Schiedsrichter in der 3. Liga und außerdem mehrere Einsätze im DFB-Pokal.

Wie fällt Deine persönliche Zwischenbilanz aus?
Für mich ist es in den neuen Ligen zunächst einmal wichtig gewesen, Fuß zu fassen und sich mit der Zeit durch gute Leistungen auch einen Namen bei den Vereinen zu machen. Das ist mir bisweilen ganz gut gelungen und soll auch mein Anspruch für das Sportjahr 2013 sein.

Welches Spiel bleibt Dir in besonders guter Erinnerung?
Ich bin mit meinen bisherigen Auftritten sehr zufrieden. Aber klar: Es gibt auch noch einige optimierungsbedürftige Dinge, an denen es in den nächsten Spielen zu feilen gilt. In guter Erinnerung bleiben mir besonders die Einsätze als Schiedsrichter, wie etwa in Sandhausen gegen Hertha BSC Berlin, das 1:6 endete. Meine einzige persönliche Strafe war in diesem Spiel eine Rote Karte gegen den Torwart von Sandhausen wegen einer Notbremse. Als Assistent möchte ich das Spiel von Borussia Dortmund gegen Düsseldorf erwähnen, das überraschend 1:1 ausging. 79.000 Zuschauer haben nach 12:12 Minuten das Stadion zu einem Hexenkessel gemacht.

Wo liegen die gravierendsten Unterschiede zwischen 3. und 2. Liga?
Der gravierendste Unterschied liegt wohl darin, dass in der Bundesliga und der 2. Liga ein noch schnellerer Fußball gespielt wird. Eine Grundvoraussetzung ist daher die Fitness eines jeden Schiedsrichters, um immer aus nächster Nähe Zweikämpfe richtig beurteilen zu können. Aber auch als Assistent an der Linie ist insbesondere die Bewertung von Abseitssituationen anspruchsvoller und in den höheren Ligen noch komplexer. Zuletzt sei noch die hohe Medienpräsenz erwähnt, die noch imposanter als bei Spielen zum Beispiel in der 3. Liga ist.

Wie funktioniert als Vierter Offizieller die Kommunikation mit den Bundesliga-Trainern? Worüber redet man da?
Ich sehe die Aufgabe des Vierten Offiziellen in erster Linie darin, das Geschehen auf dem Spielfeld mitzuverfolgen, um dem Schiedsrichter und seinem Gespann unterstützend zur Seite zu stehen. Eine Kommunikation mit den Trainern beschränkt sich meist auf Auswechsel-Vorgänge oder auf eine kurze Intervention, falls Verantwortliche über die Stränge schlagen. Das Gespräch sollte dann moderat, aber zielführend sein.

Kann man schon etwas sagen, wie Deine Chancen stehen, auch in der nächsten Saison Spiele in der 2. Liga zu leiten? Könnte es kurz- oder mittelfristig auch den "Bundesliga-Schiedsrichter" Christian Dietz geben?
Diese Frage kommt zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Mein Ziel ist es, mich langfristig in den Elite-Ligen des deutschen Fußballs zu etablieren. Dazu möchte ich mir durch weitere Einsätze die nötige Sicherheit und Erfahrung holen, um die nächsten Aufgaben - unabhängig der Ligen-Zugehörigkeit - erfolgreich zu meistern. Was unterm Strich dabei heraus kommt, wird man sehen.

Wie lässt sich die zeitliche Belastung als Zweitliga-Schiedsrichter mit dem Referendariat als Realschullehrer vereinbaren?
Natürlich ist es für mich eine große Herausforderung, den Lehrer- und Schiri-Job zeitlich und vor allem erfolgreich unter einen Hut zu bekommen. Sowohl die Schulleitung in Karlstadt, wo ich zurzeit als Realschullehrer tätig bin, als auch die Schiedsrichter-Kommission des DFB geben mir den nötigen Rückhalt, so dass sich beides gut vereinbaren lässt.

Wie wirken sich die vielen Einsätze im gesamten Bundesgebiet auf Dein Engagement in der Schiedsrichtergruppe Kronach aus, wo du ja Mitglied im Lehrstab bist?
Nachdem ich wochentags unterrichte und jedes Wochenende bundesweit zum Pfeifen unterwegs bin, leiden darunter natürlich die gruppeninternen Angelegenheiten. Falls doch Zeit bleibt, dann bringe ich mich zum Beispiel durch Lehrvorträge oder Erzählungen von Bundesligaspielen in das Lehrwesen ein. In diesem Zusammenhang sei mir gestattet, noch kurz auf den im Februar stattfindenden Neulingslehrgang der Schiedsrichter-Gruppe Kronach hinzuweisen. Interessierte möchten sich beim Obmann Andreas Müller unter Telefon 09260-562 melden.