Ist es möglich, aus dem Stand - also ohne gezielte Vorbereitung - das Deutsche Sportabzeichen zu erwerben? Idealerweise in der Leistungsstufe Gold? Dieser Frage bin ich seit Anfang August nachgegangen - mit ersten Erfolgen. Nach den ersten beiden Disziplinen liege ich nämlich auf Kurs, ebenso meine Mitstreiter/innen, auch wenn zwei von ihnen im ersten Anlauf "nur" die Leistungen für Silber erreicht haben.

Elf Punkte reichen aus

Die Ergebnisse in den einzelnen Disziplinen werden nämlich mit einem (Bronze), zwei (Silber) oder drei (Gold) Punkten bewertet. Und da es das Sportabzeichen in Gold für elf und zwölf Punkte gibt, muss man nicht in jeder Disziplin die Höchstpunktzahl erreichen. Einmal "Silber" würde also trotzdem reichen.

Ausdauer und Schnelligkeit sind zumindest für mich abgehakt. Am zweiten Trainingstag stehen Kraft und Koordination auf dem Programm. Aber nicht Kugelstoßen und Zonenweitsprung werden trainiert, sondern Standweitsprung und Schleuderballwurf.

Dieser erweist sich als schwieriger als zunächst gedacht. Nicht nur die Weite muss stimmen, sondern auch die Richtung. Nach einigen Probewürfen und Anschauungsunterricht bei Reinhard Weber (der das richtig gut macht) ist einer der drei Wertungswürfe fürs Sportabzeichen gar nicht einmal so schlecht. 29,3 Meter reichen immerhin für Silber.

Weiter geht's zum Standweitsprung. Das habe ich bislang ebenfalls noch nie gemacht, und auch hier schaffe ich die Leistung für Gold nicht. 1,81 Meter werden gemessen, neun Zentimeter zu wenig, aber immerhin zwei Punkte. Das ergibt in der Gesamtwertung zehn von zwölf möglichen Punkten.

Ehrgeiz ist geweckt

Was nun? Das Sportabzeichen in Silber habe ich zwar damit geschafft, zum goldenen muss ich aber entweder bei der Kraft oder bei der Koordination noch etwas zulegen. Der Ehrgeiz ist geweckt. Das muss doch mit etwas Training möglich sein, denke ich. Schließlich habe ich noch den ganzen Herbst Zeit.

Die Sportler des TVE Gehülz sind derweil auf einem guten Weg. Martin Hauck und Hubertus Reich schaffen im Standweitsprung jeweils "Gold"; das hat auch Reinhard Weber im Schleuderballwurf und im 50-Meter-Lauf nach dem ersten Tag schon sicher. Jasmin Neubauer steigert sich über 100 Meter zu ihrem dritten "Gold", nachdem sie es auch im Standweitsprung geschafft hat, doch im Weitsprung fehlt ebenso wie bei Julia Neubauer noch einiges. Für jeweils 3,54 Meter gibt's "nur" jeweils einen Punkt.

Goldenes Abzeichen sicher

Besser wird's am dritten Trainingstag. Julia schafft im Standweitsprung die "Gold-Weite", und Jasmin gelingt im Weitsprung ein Satz über 3,76 Meter. Dafür gibt's Silber. Sie ist damit die erste, die die Anforderungen für das Sportabzeichen in Gold erfüllt - zusammen mit Reinhard Weber. Der lässt nämlich auch über 3000 Meter und im Medizinballwurf keinerlei Schwächen erkennen.

Ein gutes Ergebnis fehlt noch

Soweit ist Birgit Rodewald dagegen noch nicht. Immerhin schafft sie im Standweitsprung "Gold". Jetzt fehlt nur noch ein gutes Ergebnis im Schleuderball, Weitsprung oder (im Spätherbst) beim Hochsprung.

Derweil greift auch Timo Weber, der zusammen mit Hubertus Reich fürs Training und die Sportabzeichen-Abnahme verantwortlich ist, ins Geschehen ein, und das mit Erfolg. Im Kugelstoßen übertrifft er die erforderliche Weite locker. Auch im 100-Meter-Lauf holt er sich die drei Punkte.

Bei mir ist am dritten Tag verstärkt Krafttraining angesagt. Zunächst geht's zum Kugelstoßen. 7,50 Meter mit der 6-Kilo-Kugel sind der Maßstab für "Gold". Zwei Trainingsversuche reichen zur Erkenntnis, dass das schwer werden könnte. Gerade einmal je knapp sieben Meter fliegt die Kugel - das hilft mir nicht entscheidend weiter.

Nicht regelkonform

Unerwartete Hilfe kommt von Reinhard Weber, der den Medizinball mitgebracht hat. Schon als ich ihn nur in der Hand halte, bin ich mir sicher: Das wird was! Beim Testwurf übertreffe ich die geforderten zehn Meter deutlich. Beim Wertungswurf kurz darauf sind es sogar über 15 Meter. Damit wären die Anforderungen fürs Sportabzeichen in Gold erfüllt. Genau - wären, wenn ich den Wurf regelkonform - also beidhändig - ausgeführt hätte. Habe ich aber nicht. Also ist der Wurf ungültig, und ich muss nochmals ran.

Der vierte Trainingstag bringt dann für auch für einige andere die erhofften Ergebnisse. Julia verbessert sich im Weitsprung auf 3,91 Meter. Das bringt Silber; zu Gold fehlen genau neun Zentimeter. Also muss sie sich entweder im Sprint oder in einer der Koordinations-Disziplinen weiter steigern. Birgit Rodewald und Hubertus Reich schaffen im Weitsprung zumindest das Abzeichen der Stufe Bronze und haben damit insgesamt zumindest schon einmal das Abzeichen in Silber sicher.

Bei fast allen zeigt sich: Die Disziplinen im Bereich Koordination sind der Knackpunkt. Aber alle haben noch Potenzial, um sich noch entscheidend zu verbessern. Ohne weiteres Training wird dies aber nicht funktionieren.

11,50 Meter reichen

Im zweiten Anlauf mache ich übrigens den Medizinballwurf regelkonform - also mit zwei Händen. Das geht zwar zu Lasten der Weite, aber 11,50 Meter sind über einen Meter weiter als nötig. Das heißt: Neben Jasmin und Reinhard bin ich ebenfalls am Ziel.

An diesem Tag bin ich der einzige, der jetzt die Füße hoch legen könnte. Kurz vor mir hat der Jüngste im Bunde, Tobias Gleichmann, innerhalb einer Stunde drei der vier Anforderungen für Gold erfüllt (über 1000 Meter, 50 Meter und beim Werfen). Jetzt ist der Elfjährige noch beim Weitsprung gefordert. Mit Daniel Münzel ist ein weiterer junger Sportler des TVE Gehülz erstmals dabei - und muss erkennen, wie schwer es gerade in den Altersklassen zwischen 20 und 30 ist, das Sportabzeichen in der Stufe Gold abzulegen.

Wird er es trotzdem schaffen? Und können auch Julia, Birgit, Hubertus, Timo und Martin Hauck, der verletzungsbedingt eine Pause eingelegt hat, die letzten benötigten Leistungen für "Gold" erbringen? An der Motivation scheitert's bestimmt nicht (Auflösung folgt).