Als Ende November 1988 der letzte Spieltag der C-1 vor der Winterpause über die Bühne geht, da scheint sich der Kreis der Titelkandidaten auf drei reduziert zu haben. Während der TSV Gundelsdorf (7:0 gegen Schmölz), der FC Seibelsdorf (7:4 gegen Ziegelerden) und der FC Unter-/Oberrodach (3:1 in Burggrub) nämlich erfolgreich sind, muss sich der FC Gehülz mit einem 3:3 in Hummendorf begnügen.

"Zur Winterpause waren wir eigentlich weg vom Fenster und wollten die Serie mit Anstand und Charakter zu Ende spielen", erinnert sich Willibald Bittruf, der beim FC Gehülz als Spielertrainer fungiert. Der FC spielt seit der Saison 1969/70 in der C-Klasse, und da liegt es auf der Hand, dass sich Mannschaft und Spielertrainer (bei seiner ersten Station als Übungsleiter) den lang ersehnten Aufstieg zum Ziel gesetzt haben.

Fünf Punkte Rückstand

Bei fünf Punkten Rückstand zum Spitzenreiter TSV Gundelsdorf sind die Aussichten im Frühjahr 1989 nicht allzu rosig, doch die Mannen von Willibald Bittruf lassen sich nicht hängen und lauern weiter auf ihre Chance - und auf Fehler der Konkurrenz. Sie selbst geben nur noch einen Punkt ab und werden schließlich belohnt. "Nach dem Winter haben die Unterrodacher und die Seibelsdorfer plötzlich Schwächen gezeigt, und unser Patenverein aus Gundelsdorf ebenso", blickt er zurück.

Im letzten Saisonspiel gegen den FC Seibelsdorf am 4. Juni 1989 bietet sich die Chance, mit einem Sieg mit den spielfreien Gundelsdorfern gleichzuziehen und ein Entscheidungsspiel zu erzwingen. Bittruf: "Die Seibelsdorfer hatten keine Chance mehr, konnten ganz locker aufspielen und haben es uns sehr schwer gemacht. Bei dieser Partie waren natürlich auch die Spieler des TSV Gundelsdorf anwesend, aber das hat uns einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben." Die Entscheidung fällt erst in der Nachspielzeit: Nach einer Ecke ist Dieter Preiß mit dem Kopf zur Stelle und erzielt das entscheidende und auch hochverdiente 2:1.

Die Entscheidung fällt

Sechs Tage später steht im Neuseser Flößerstadion das Entscheidungsspiel auf dem Programm. Besonders motivieren muss Willibald Bittruf seine Schützlinge nicht mehr, zumal der Kontrahent aus Gundelsdorf bereits drei Wochen zuvor irrtümlich in einer Kronacher Tageszeitung zum Meister gekürt worden ist. "Da musste ich nur noch den Bericht an die Kabinentür kleben ..."

Das Entscheidungsspiel vor 700 Zuschauern ist an Dramatik nicht zu überbieten. "Uns kam der große Sportplatz in Neuses, einer der größten im Landkreis, zwar nicht unbedingt gelegen, aber wir haben nochmals alles gegeben", so Bittruf. Die Gehülzer geraten schon in der 4. Minute durch ein Tor von Heim in Rückstand und drängen nach dem Wechsel auf den Ausgleich. Der Spielertrainer selbst trifft nur den Innenpfosten, ehe Dieter Preiß den Ausgleich erzielt (82.). Die Entscheidung fällt durch einen abgefälschten Schuss von Frank Biesenecker kurz vor Ende der Verlängerung (117.), und die Gehülzer können doch noch den lange Zeit nicht mehr für möglich gehaltenen Meistertitel gebührend feiern.

Die Freude ist jedoch nur von recht kurzer Dauer. Der FC Gehülz steigt nämlich ohne Willibald Bittruf, der aus beruflichen Gründen als Spielertrainer nicht weitermachen kann, schon ein Jahr später wieder ab. Besser macht es der TSV Gundelsdorf, der in der Saison 1989/90 das Versäumte nachholt und als Meister der C-2 in die B-Klasse Kronach aufsteigt.