Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat die Richtlinien für die anstehende Hallenfußball-Saison 2013/2014 beschlossen. Demnach stellt der BFV bei den Bayerischen Hallenmeisterschaften sowohl im Jugend- als auch Erwachsenenbereich von klassischem Hallenfußball auf Hallenfußball nach FIFA-Regeln (Futsal) um. Auch bei der Endrunde der bayerischen Hallen-Meisterschaft am Sonntag, 26. Januar in der HUK-Coburg-Arena wird Futsal gespielt.

Auf Kreis- und Bezirksebene darf vom Regelwerk abweichend bei den Erwachsenen (Herren, Frauen, Senioren) in diesem Winter alternativ noch mit Seiten- und/oder Rundumbande sowie breiten Toren gespielt werden. Zudem kann im Erwachsenenbereich bei der Vor-, Zwischen- und Endrunde der Kreismeisterschaften im Übergangsjahr optional auch noch nach den alten Richtlinien der letzten Hallensaison gespielt werden. Kronachs Kreisspielleiter Egon Grünbeck hat bereits beschlossen, dass 2013 noch nach altem Muster gespielt wird.
Bei privaten Hallenturnieren lässt der Verband weitere flexible Spielmöglichkeiten zu: So kann in der Hallenfußball-Saison 2013/2014 entweder komplett nach Futsal-Regeln oder alternativ (erlaubte Abweichungen) weiterhin mit Seitenbande oder Rundumbande, großen Toren, einem normalen Hallenfußball und ohne kumulierte Fouls gespielt werden.

Ob, und wenn ja, welche Abweichungen zur Anwendung kommen, entscheiden die Vereine selbst. Private Hallenturniere können sowohl im Jugendfußball als auch bei den Erwachsenen ebenfalls noch komplett nach den alten Richtlinien ausgetragen werden. Im nachfolgenden Gespräch mit unserer Zeitung erläutert Jürgen Faltenbacher, BFV-Schatzmeister und Vorsitzender der BFV-Hallenkommission, die Hintergründe der Umstellung und erklärt die wesentlichen Unterschiede im Regelwerk. Er beschreibt auch die möglichen Ausnahmeregelungen für die Vereine.

Herr Faltenbacher, warum stellt der BFV von klassischem Hallenfußball auf Futsal um?
Jürgen Faltenbacher: Eine Fortführung des bisherigen Meisterschaftsdualismus mit einem parallel laufenden Spielbetrieb von klassischem Hallenfußball und Futsal macht weder für die Vereine, noch für die Zuschauer, noch für die Verbandsmitarbeiter Sinn. Der Aufwand war immens und ein effektives Sponsoring ist nur für eine Meisterschaft möglich. Natürlich weiß ich, dass der klassische Hallenfußball in einigen Regionen Bayerns eine große Tradition hat, aber Fakt ist: Futsal ist die weltweit einzige offizielle Hallenvariante, Futsal boomt international und national und der DFB fordert bei dieser Entwicklung die Mitwirkung Bayerns. Dem können wir uns nicht verschließen, zumal es wirklich gute Argumente für Futsal gibt.

Welche Argumente sind das?
Futsal fördert gerade unseren Nachwuchs wesentlich besser als der klassische Hallenfußball. Der Futsal-Ball springt weniger auf, das erleichtert die Ballkontrolle. Im Vordergrund stehen bei den Akteuren also die technischen Fertigkeiten. Das ist nicht meine Exklusiv-Meinung, sondern wird zum Beispiel auch von Trainern wie Pep Guardiola so gesehen, der ein großer Befürworter des Futsals ist und typische Elemente wie viele Ballkontakte und Kombinationsspiel auf engstem Raum in seine Trainingsarbeit einbaut. Das Regelwerk macht das Spiel zudem schneller und es wird ganz sicher weniger ‚gebolzt‘. Auch das Verletzungsrisiko ist wesentlich geringer.

Dennoch: Die Vereine sind teilweise von der Umstellung überrascht.
Das kann ich, völlig unabhängig davon, welche Meinung man als Verein zum Futsal hat, ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen. Wir haben seit Jahren offen kommuniziert, dass die Umstellung kommen wird.
Beim Hallenfußball sind wir deshalb lange zweigleisig gefahren, um den Vereinen maximalen Spielraum für die Umstellung zu geben und den Übergang einfacher zu gestalten. Es gibt auch Vereine, die das Futsal-Angebot längst für sich entdeckt haben und regelmäßig große Erfolge feiern. Dazu gehört übrigens auch die Jugend des FC Coburg.

Kritiker sagen hingegen den "Tod des Hallenfußballs" voraus. Keine Zuschauer, keine Stimmung, kein Spektakel mehr...
Natürlich ist Futsal erst einmal neu und bei vielen Vereinen in Bayern noch relativ unbekannt. Was unbekannt ist, wird in der Regel zunächst sehr kritisch, zum Teil auch ablehnend betrachtet.
Aber mal ganz ehrlich: Warum soll eine Mannschaft von ihren Anhängern jetzt beim Futsal weniger angefeuert werden als beim klassischen Hallenfußball? Die Zuschauer freuen sich doch genauso über Tore, Siege ihrer Mannschaft und das eine oder andere ‚Kabinettstückchen‘ der Spieler. Und warum soll ein 0:1-Rückstand 30 Sekunden vor dem Ende beim Futsal weniger spannend sein? Vielleicht hilft auch ein Blick ins Ausland.

Inwiefern?
In Europa ist Spanien führend. Hier gibt es seit 1989 eine Futsal-Profi-Liga. Das öffentliche Interesse ist da, es werden sogar Spiele live im TV übertragen. England hat 2008 reagiert und die dreigleisige FA-Futsal-League mit aktuell 23 Mannschaften geschaffen. Frankreich hat dann 2009 seine Futsal-Liga offiziell eingeführt. Deutschland ist die einzige Top-Fußballnation, die noch keine Liga und keine Futsal-Nationalmannschaft hat.

Was sagen Sie Vereinen, die für ihre eigenen Turniere teure Banden angeschafft haben und jetzt auf die Barrikaden gehen?
Dass sie bei privaten Hallenturnieren auch weiterhin mit ihrer Bande spielen können.

Die neuen "Richtlinien für Hallenfußball" gelten also nicht für alle Turniere?
Doch, grundsätzlich schon. Es gibt darin aber Ausnahmeregelungen, mit denen wir den Vereinen gerade bei privaten Hallenturnieren entgegenkommen. Dort darf alternativ weiterhin mit Seitenbande oder Rundumbande, großen Toren, einem normalen Hallenfußball und ohne die Bestimmungen zu den kumulierten Fouls gespielt werden.
Die Vereine können also selbst entscheiden, ob sie Abweichungen anwenden und wenn ja, welche. Das gilt für alle, Herren, Senioren, Frauen, Junioren und Juniorinnen. Wer noch mit Bande spielen will, braucht also nicht, wie teilweise befürchtet, ständig die Banden auf- und abbauen, wenn er an einem Wochenende mehrere Turniere im Erwachsenen- und Jugendbereich hat. Und es gibt für alle in dieser Hallensaison noch die Sonderoption, nach den Hallenrichtlinien des letzten Winters zu spielen. Anders sieht es allerdings bei den offiziellen Hallenturnieren aus.

Die Fragen stellte
Thomas Müther