Alle haben lange Zeit darauf gewartet, dass nach dem erneuten Fehlstart wie im Vorjahr endlich der Knoten platzen würde. Damals gelang erst im neunten Spiel der erste Sieg, mit dem eine eindrucksvolle Serie eingeläutet wurde, die sogar vorübergehend auf Platz 2 geführt hat. In dieser Landesliga-Saison wurde im achten Spiel der erste Dreier verbucht, doch die sehnlichst erhoffte Wende gelang nach dem 2:1-Erfolg gegen die SG Quelle Fürth nicht.
Woran liegt's, dass diesmal der Knoten nicht geplatzt ist? Die Verantwortlichen sind selbst mehr oder weniger ratlos. "Ich habe noch immer keine Erklärung dafür, wieso es heuer bislang nicht funktioniert hat", sagt Vorstandsmitglied Josef Geiger, der als Hauptsponsor maßgeblichen Anteil daran hat, dass der SV Friesen seit der Saison 1988/89 immer ununterbrochen höherklassig spielt, mittlerweile in der zwölften Saison sogar in der Landesliga.


Alle haben sich gefreut

Nach Platz 6 zum Abschluss der Serie 2014/15, als sie sogar lange um die Vizemeisterschaft mitspielten, war den Friesenern heuer zugetraut worden, dass sie von Anfang an in der Landesliga Nordost eine sehr gute Rolle spielen könnten. Geiger: "Alle haben sich auf die Saison gefreut, zumal unsere erfolgreiche Mannschaft zusammen gehalten werden konnte."
Die Ernüchterung kehrte jedoch recht schnell ein. Der Kronacher Rechtsanwalt nennt zunächst mehrere Faktoren, für die weder der Trainer noch die Spieler verantwortlich gemacht werden können. So sei Patrick Höhn, einer der Hoffnungsträger des Vereins, immer wieder durch Knieprobleme zurückgeworfen worden. "Dann scheint uns Lars Meyer in der Innenverteidigung doch mehr zu fehlen, als wir das vermutet hatten."
Der langjährige Abwehrchef konnte auf Grund einer langwierigen Verletzung kein Spiel bestreiten. Und es ist unwahrscheinlich, dass Lars Meyer, der mittlerweile als Co-Trainer fungiert, nochmals in die Mannschaft zurückkehrt. Umstellungen im zentralen Abwehrverbund waren die Folge, die nicht unbedingt zu einer Stabilisierung beigetragen haben.
"Man kann der Mannschaft das Bemühen nicht absprechen, aber ich hatte manchmal den Eindruck, dass nicht alle in die gleiche Richtung ziehen. Wir waren noch keine homogene Einheit", sagt Josef Geiger. Und dennoch waren die Friesener in einer Landesliga, die - auch körperlich - stärker geworden ist, ihren Gegnern kaum einmal eindeutig unterlegen. Oft waren es nur Kleinigkeiten, die den Ausschlag gaben. "Da war unser Gegner den entscheidenden Tick stärker", blickt der 62-Jährige zurück.
Aber auch ihm ist nicht verborgen geblieben, dass viele Spieler ihrer starken Form aus der Vorsaison noch hinterher laufen. Zu ihnen gehört auch Christian Brandt, der während der Saison nach seiner Vertragsauflösung beim Bayernligisten SpVgg Bayern Hof zum SV Friesen zurückgekehrt ist, die hohen Erwartungen aber (noch) nicht erfüllen konnte.


Es fehlt der Zug zum Tor

Dass zu oft der Zug zum Tor gefehlt hat, erklärt Josef Geiger auch damit, dass Hauptangreifer Patrick Höhn eben immer wieder verletzt oder angeschlagen war. Die Folge: In 21 Spielen wurden nur 23 Treffer erzielt; das sind die wenigsten zusammen mit dem FC Röslau, der erst 18-mal gespielt hat. Was Geiger aber besonders vermisst, ist ein "Leader" im Mittelfeld, der den Takt vorgibt. Es gäbe einige Spieler, die in Frage kämen, doch diese müssen aus unterschiedlichen Gründen - vor allem auch im Training - kürzer treten und können diese wichtige Aufgabe daher nicht oder nur unzureichend erfüllen.
Nach der 0:3-Niederlage zum Rückrundenauftakt gegen den ASV Vach kam es zur Trennung von Trainer Andreas Lang, der seit Juni 2014 im Amt war. Auch diesen Schritt kann Josef Geiger noch nicht so richtig einschätzen. "Vielleicht haben wir unserem Trainer zu lang die Stange gehalten, nachdem er doch an Autorität verloren hat. Vielleicht würden wir aber mit ihm besser dastehen - ich weiß es nicht."
Überzeugt ist er jedoch davon, dass die Mannschaft stark genug ist, um in der Landesliga zu bleiben. "Wir haben einen großen, fast zu großen Kader. Verstärkungen in der Winterpause wird es jedenfalls nicht geben", stellt Josef Geiger klar. Er kündigt an, dass die Mannschaft möglichst früh mit der Vorbereitung beginnen wird, damit der neue (alte) Trainer Carlo Werner genügend Zeit hat, konzentriert mit den Spielern zu arbeiten und sie noch besser kennen zu lernen. Der ehemalige Bundesliga-Profi bei Fortuna Düsseldorf ist seit dem zweiten Rückrundenspiel im Amt, konnte aber erst einen Punkt aus drei Spielen verbuchen.


Ein Abstieg wäre ärgerlich

Vier Zähler beträgt der Rückstand zum Relegationsplatz 16, deren sechs zum SSV Kasendorf, der Platz 13 belegt, der zum Klassenerhalt berechtigt. Glaubt der SV-Hauptsponsor daran, dass dieser gelingt? Josef Geiger: "Ich bin ratlos, wieso wir so wenige Punkte haben. Aber ich bin voller Hoffnung, dass wir es noch schaffen werden." Er ist Realist genug, um zu wissen, dass dies wohl nur über die Relegation möglich ist, und fügt hinzu: "Auch im Falle eines Abstiegs ginge die Welt beim SV Friesen nicht unter. Aber angesichts des Aufwandes, den wir betreiben, wäre das schon sehr ärgerlich."
13 Spiele haben die Friesener noch Zeit, den Abstieg zu verhindern. Das erste davon steht Anfang März beim FSV Erlangen-Bruck auf dem Programm.