Der Ball fliegt mit hoher Geschwindigkeit quer über das ganze Feld und landet, knapp am Torwart vorbei, direkt in der Ecke des gegnerischen Tores. Plötzlich ertönt der laute Signalton, dass die 14-minütige Spielzeit zu Ende ist. Sieg für eine Mannschaft des RVC Steinwiesen! Der tosende Jubel der Zuschauer bleibt aber aus. Das Ganze ist nämlich nur eine der seltenen Trainingseinheiten der Radballer. Aber auch an den Heimspieltagen kommen die Besucher nicht in Scharen, um ihre drei Mannschaften zu bejubeln. Das hätten diese allerdings durchaus verdient.

Auf hohem Niveau

Obwohl nur selten Training ist, spielen die Radballer des RVC in drei Mannschaften mit je zwei Spielern auf hohem Niveau, nämlich in der Bayernliga. Sie waren sogar schon in der 2. Bundesliga und bei Deutschen Meisterschaften vertreten, wie Fabian Rehmet stolz erzählt.
Bei "Deutschen" wurden ein dritter und ein sechster Platz erreicht. 2011 standen Fabian Rehmet und sein Partner sogar im Finale der Aufstiegsrunde, verpassten aber wie auch ein Jahr später die Möglichkeit, eine Liga höher zu spielen.
Es ist aber auch nicht einfach für die Radballer, ihr hohes Niveau zu halten, wenn man nur sporadisch Training betreibt. "Es liegt vor allem am Zeitmangel und daran, dass meine Mannschaftskollegen in ganz Bayern verstreut leben und deshalb nicht jedes Wochenende in ihre Heimat zurückkehren können," erklärt der 25-Jährige. "Rosenheim, Bamberg, Nürnberg und Steinwiesen liegen blöderweise nicht nebeneinander", ergänzt er lachend. Außerdem fehlt den Concorden ein Trainer.

Ein Trainer fehlt

Als sie noch in der Jugend spielten, wurden sie von RVC-Vorsitzendem Roland Kuhnlein und von ehemaligen Spielern trainiert. Aber seit sie in der Bayernliga vertreten sind, sind sie für sich selbst verantwortlich.
Auch die Finanzierung neuer Fahrräder ist nicht einfach, da nur durch Mitgliedsbeiträge, das Gartenfest an Fronleichnam und den Faschingstanz Geld in die Kasse kommt.
Ein Radball-Fahrrad ist etwas ganz Besonderes. Mit diesem kann nämlich auch rückwärts gefahren werden. Und als Torwart kann ein Spieler auch auf der Stelle stehen bleiben und so am besten das Tor verteidigen.
Fabian Rehmet kam, wie sein Bruder Sebastian auch, über seinen Vater zu dieser Sportart. Er saß somit schon mit sechs Jahren auf dem Rad und versuchte, Bälle durch die Gegend zu schießen. Mittlerweile spielt er seit 19 Jahren und ist immer noch begeistert. "Radball ist eine klasse Sportart; es macht immer wieder Spaß. Leider sind die meisten Leute nicht sehr begeistert, da sie die Sportart nicht kennen", erzählt er. "Allerdings ändert sich dies oft, wenn die Leute uns spielen sehen", fügt er hinzu.
Radball ist auf jeden Fall nicht so leicht wie es sich anhört. Der Ball muss nicht nur einfach mit einem seltsam aussehenden Fahrrad über eine Entfernung von bis zu 14 Metern ins gegnerische Tor befördert werden. Vielmehr sind Kraft, Kondition und die Beherrschung des Rades nötig, um durch schnelle Manöver an den gegnerischen Spielern vorbei zu kommen. Dabei gibt es durchaus Action. Die Spieler werden in Zweikämpfen also durchaus auch einmal von ihren Fahrrädern geworfen.
Die wichtigste Regel lautet: Man darf den Boden nicht berühren und darf den Ball nur mit dem Rad spielen. Allerdings darf man im Strafraum die Hände benutzen, um den 600 Gramm schweren Ball zu fangen. Die beiden Spieler können sowohl Torwart als auch Feldspieler sein, wobei aber meist die Rollen klar verteilt sind, so dass sich jeder auf seine Aufgabe besser konzentrieren kann.
"Wenn man sich mit seinem Partner nicht gut versteht, kann man auch kein Spiel gewinnen", weiß Fabian Rehmet. Glücklicherweise kommen die Spieler alle gut miteinander klar und haben daher auch noch höhere Ziele. "Mehr zu trainieren wäre schon wichtig, und wir möchten natürlich erst einmal in die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga gelangen und diese dann am besten auch noch gewinnen", sagt Fabian.
Im Moment sieht die Zukunft hoffnungsvoll aus, denn sieben talentierte Nachwuchsspieler stehen in den Reihen des RVC. Eine Zweier-Mannschaft nimmt schon an Jugendspielen teil und schneidet dabei nicht einmal schlecht ab.
Diese Jugendlichen werden von den aktiven Spielern trainiert, damit aus ihnen auch einmal höherklassige Teams werden. "Diese Aufgabe ist aber nicht immer leicht, da die Jungs manchmal nicht auf uns hören und machen, was sie wollen. Typisch Jugendliche eben, aber wir waren ja auch nicht viel besser", erzählt Rehmet schmunzelnd.

Weite Fahrten sind Nachteil

Der einzige Nachteil am Radball sind die weiten Fahrten zu den Spieltagen. In der Nähe gibt es nur noch den RVC Burgkunstadt und den ATS Kulmbach. Daher sind die Mannschaften an einem Spieltag immer drei- bis viermal im Einsatz. "Das ist aber auch der einzige Nachteil."
Was ist am Radball so faszinierend? Da muss Fabian Rehmet nicht lange nachdenken: "Während der kompletten Spielzeit herrscht Spannung; es kann daher gar nicht langweilig werden", sagt der Steinwiesener. Sein Mannschaftskollege Markus Michel ergänzt: "Radball ist einfach eine interessante Sportart, bei der man viel Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit benötigt. Oft ist es sehr körperbetont, aber trotzdem eher ungefährlich. Kurz und gut: Es macht einfach nur Spaß!"

Verletzungsrisiko ist gering

Tatsächlich gibt es bei diesem Sport nur ein geringes Verletzungsrisiko. Außer einigen Schrammen haben die meisten Spieler noch nichts davongetragen. Aus diesem Grund spielen viele auch bis zum Alter von 40 Jahren oder noch länger, was sich auch Fabian Rehmet zum Ziel setzt, sofern seine Mannschaftskollegen dabei mitspielen. Sollte es trotzdem einmal zu größeren Verletzungen kommen, kann auch ein Ersatzspieler aus einer niedrigeren Liga nachrücken.
Für Fabian Rehmet ist klar: "Radball ist einfach die beste Sportart, die es gibt. Ich kann es jedem nur empfehlen." In Steinwiesen wird es jedenfalls auch in Zukunft Radballmannschaften sowie begeisterte Zuschauer geben.