Die Länge der Strecke mit 300 Kilometern war für ihn genauso ungewöhnlich wie die Startzeit (frühmorgens um 4.26 Uhr) und die Verpflegung. Unter anderem gab es Milchbrötchen und Blaubeersuppe, als sich Stefan Kratkai einen lange gehegten Wunsch erfüllte und beim "Vätternrundan" an den Start ging.

Bei der 49. Auflage dieser im Jahr 1966 erstmals durchgeführten Tour beteiligten sich heuer Radsportler aus 55 Ländern. "Das war schon nicht nur für mich etwas Besonderes", schwärmt der 43-jährige Ludwigsstadter im Hinblick auf den Volksfestcharakter und die landschaftlich sehr reizvolle Strecke.

Er hatte sich über einen Radsportclub aus dem norddeutschen Stade für dieses Ereignis angemeldet, was sich organisatorisch als großer Vorteil erwies. In Eigeninitiative einen Startplatz zu ergattern, ist nämlich ziemlich schwer. Kratkai: "Die waren innerhalb von zwölf Minuten alle weg." Auch vor Ort (übernachtet wurde in einer Jugendherberge) musste er sich um nichts kümmern.

Auf Grund der Vielzahl der Teilnehmer wurde in Gruppen gestartet. "Wir waren um 4.26 Uhr an der Reihe. Das bedeutete: um 2 Uhr wecken und um 3 Uhr mit dem Bus zum Start in Motala. Die Nacht war also sehr kurz. Dafür war die Atmosphäre schon in der Morgendämmerung super."

Wellige Strecke

Bei guten äußeren Bedingungen nahm Stefan Kratkai schließlich die 300 Kilometer in Angriff. Das wellige Streckenprofil mit etwa 1500 Höhenmetern schreckte ihn nicht. Seit der ehemalige Fußballer des TSV Ludwigsstadt vor 13 Jahren aufs Rennrad umgestiegen ist, hat er schließlich schon zwei bis drei Radmarathons pro Jahr bewältigt, und zwar nicht nur im Frankenwald, sondern auch in den Alpen.

In zehn Stunden, so war sein Plan, wollte er die Rundfahrt um den See beendet haben. Die ersten rund 100 Kilometer liefen für ihn sehr gut, und auch der ständige Gegenwind bis Kilometer 260 machte ihm bei sonnigem Wetter weniger zu schaffen als gedacht. "Und dann wollte ich einfach wissen, was noch geht", erzählt der 43-Jährige.
Es ging noch einiges. Nach neun Stunden und 20 Minuten erreichte er schließlich das Ziel und konnte die Medaille in Empfang nehmen. Wie beachtlich diese Zeit ist, zeigen die anderen Ergebnisse. Die Schnellsten benötigen etwa acht Stunden; die Höchstdauer liegt bei 28 Stunden.

Während des Rennens machte er nur an zwei Verpflegungsstellen Pause. "Eigentlich bin ich da immer sehr vorsichtig, aber es hat keine Probleme gegeben", sagt er angesichts des doch recht ungewöhnlichen Angebots, das unter anderem aus Blaubeersuppe bestand.

Mit vielen positiven Eindrücken ist er längst wieder zurück im Frankenwald und hat bereits die nächsten Wettbewerbe in Aussicht. Der Frankenwald-Radmarathon Anfang August gehört fast schon traditionell dazu. Bereits 14 Tage früher fährt er nach Österreich zum Radmarathon im Tannheimer Tal. Dann sind immerhin 230 Kilometer und deutlich mehr Höhenmeter als in Schweden zu bewältigen.