"Sowas gibt's sonst nirgends", sagte Ludwigsstadts Bürgermeister Timo Ehrhardt am Ende des Theaterabends. Sicher gibt es viele Aspekte an den Ludwigsstädter Shakespeare-Spielen, für die das zutrifft. Aber was er in diesem konkreten Fall meint: Dass so viele unterschiedliche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eine bestimmte Veranstaltung in unserer Region besuchen. Da war die Premiere ein regelrechter Magnet. Und die Besucher wurden nicht enttäuscht.

Theaterchef Daniel Leistner und Bürgermeister Timo Erhardt, starteten den Abend erst einmal mit einem Briefing der Zuschauer. Das siebte Jahr, die achte Spielzeit, so Leistner. Nach dem "Hamlet" im vergangenen Jahr, "der angeblich allen gefallen hat", diesmal ein heiteres, putziges Stück, "um sich zu amüsieren". Ausgesucht hatten die Ludschter "Miles gloriosus" ("Der Prahlhans") des römischen Autors Titus Maccius Plautus, "dem Urvater der abendländischen Komödie". Heftig und deftig geht es bei ihm zu - und "von ihm haben alle abgeschrieben", wie Theaterwissenschaftler Leistner sagte.

Timo Ehrhardt erinnerte daran, dass man mit dem "Projekt Shakespeare" den Ludschter Dialekt habe retten wollen: "Wer hätte 2011 damit gerechnet, dass wir jetzt damit überregional bekannt sind?"

"Miles gloriosus" heißt das Stück im Original, das seit Samstag bei den Shakespeare-Spielen zu sehen ist. Übersetzt als "Der glorreiche Soldat" klingt es noch recht seriös, in der Titelübersetzung "Der Prahlhans" dann schon ziemlich burschikos. Und in der "Ludschterischen" Version "Der bomfortioneese Generoal Hans Proahl" klingt es fast schon wieder liebevol lyrisch. Dabei ist es alles andere als das - nämlich vor allem drastisch-derb.

Nach der Pause war die Stimmung dermaßen humoristisch aufgeladen, dass das Publikum von einem Lacher und Gluckser zum nächsten getrieben wurde. Denn, dem bomfortioneesen Generoal, der "alden blembm", ging's quasi an die Wäsche. Zumindest an die Zähne und ans Toupet. Spielt Jan Welsch ganz am Anfang noch einen fast ernstzunehmenden, erfolgreichen Feldherrn, ist er binnen kürzester Zeit als ein Schaumschläger mit Privatarmee entlarvt; ein "Mister Posing", der "muskelstrotzende, herrliche Mann" - auf den Spuren von Mister Universum.

Vorfahre von Trump

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"Wir müssen Dich doch schützen, Herr General", sagt süffisant gerne Leutnant von und zu Schleim - aber als der Prahlhans erst sein Gebiss, dann seine Haare und seine sowieso nicht vorhandene Würde verliert, haben die Herren von der Leibgarde schnell etwas Besseres zu tun. Und der General, hinter dem sogar der späte Nachfahre Trump verblasst, ist nur noch ein mitleidheischendes Häuflein Elend. Nichts mehr mit "dem Obermetzler, dem Metzelmetz" seiner Epoche.

Die Herren der Privatarmee (Jonas Vetter, Wolfgang Messer, Annika Sieber sowie Daniel Leistner) hatten nicht nur ihre Auftritte im Laufschritt als unfreiwillige Möbelpacker - ihnen gehörte die besondere Aufmerksamkeit immer beim obligatorischen Wackeln mit dem Hintern vor jedem Abgang.

"Ich finde es sehr sinnvoll, dass Daniel Leistner diesmal nur eine kleine Statistenrolle übernommen und dass er seinen Leuten den Vortritt gelassen hat, die alle sehr gut spielen", stellte Stammgast Regierungsvizepräsident Thomas Engel fest. Selbst die "Militär-Statisten" hatten diesmal die Möglichkeit, sich grimassierend auf der Bühne zu präsentieren.

Im Stück geht's eigentlich um eine Liebesgeschichte - worum sonst? Um eine Intrige der Sklaven und Frauen gegen den Herrn General und sogar um einen Wettbewerb der Dialekte. Proahl und Titus, der gute aber durchaus schlürfintensive Liebhaber (Julian Rauh) sorgen bei den Herren für den kultivierten Dialekt. Bei den Damen in Frauen- und Männerrollen sind es die Nudelholz schwingende und Männerwürstchen verzehrende Köchin (Astrid Vetter) und der alte Grieche (Evi Heyder als nonchalanter Hausbesitzer mit trockenstem Humor und britischem Understatement), die auf furiose Weise zeigen, das in Ludscht die Frauen die Hosen anhaben.

Im Konkurrenzdialekt, ein wenig sächsisch-thüringisch, parlieren Marlon Wurzbacher als Leutnant Schleim und die Stars des Abends, der etwas "daabe" Rumpelfuss (Rico Wurzbacher) und Pfiffikus (Gerti Wurzbacher). Diese lenkt alles schelmenleicht - vor allem Rumpelfuss, der auch als Zofe und als Kapitän im Ölzeug seine Wandlungsfähigkeit beweist. Ihre Rolle ist so angelegt, dass sie mit ihren Kommentaren den Abend in einer Eine-Frau-Show alleine füllen könnte - und doch lässt sie den anderen genug Raum zum Spielen.

Der Trick mit den Dialekten

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Zwar haben die drei Wurzbachers mit ihrem Dialekt und der Textmenge gegenüber den Ludschtern eindeutig die Nase vorn - doch das fällt Auswärtigen wohl kaum auf. Und der "verdoppelte" Dialekt gehört zu den besonders gelungenen Tricks im Stück. Damit bleiben für die beiden Damen der Gesellschaft, Manja Hünlein als römische, kecke, knutsch- und kuschelsüchtige Frau Aurelia, um die sich alles dreht, und für Julia Knauer als schöne Schauspielerin Lobbia im getragenen Hochdeutsch mehr Effekt.

Am Ende gab's für die großartigen Leistungen aller Beteiligten stehende Ovationen über eine rekordverdächtige Zeitspanne.