Die Coburger Richter sahen die Schuld des Mannes als erwiesen an: Ein 57-jähriger aus dem Landkreis Kronach, der die Tochter seiner Lebensgefährtin über Jahre hinweg sexuell missbraucht hatte, muss ins Gefängnis. Vier Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe lautete das Urteil. In 26 Fällen konnte dem Mann schwerer sexueller Missbrauch von Kindern nachgewiesen werden. Vier Fälle, in denen er sich an der Jugendlichen vergangen hatte, gelten bereits als verjährt.
 

 


Erhebliche Vorwürfe in der Anklageschrift

Ursprünglich stand Angeklagte wegen fast 100 Taten vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht. Über einen Zeitraum von April 2005 bis April 2009 soll der Mann sich auf verschiedenste Art und Weise in seinem Einfamilienhaus, das sie gemeinsam bewohnten, an dem Mädchen vergangen haben. Bei der ersten Tat war das Kind laut Staatsanwältin Jana Huber erst 13 Jahre alt. Der Mann aus dem Kreis Kronach soll ihr zuvor eine Schlaftablette verabreicht haben, um sie willenlos zu machen. "Wir gehen davon aus, dass der Angeklagte ihr ein Medikament, (...) ein entsprechendes Mittel gegeben hat", sagte der Vorsitzende Richter, Christoph Gillot, bei der Urteilsverkündung. Zudem habe der Mann ihr gedroht, sie solle es niemandem erzählen, weil sie ansonsten ins Heim käme.

Das Opfer, das mittlerweile 24 Jahre alt ist, leidet laut Gillot noch immer unter der Tat. Es befindet sich in psychiatrischer und psychologischer Behandlung.

Der Prozess fand weitgehend hinter verschlossenen Türen statt: Auf Antrag des Verteidigers des Angeklagten blieben - neben der Aussage der jungen Frau und ihrer Mutter - auch die Aussagen des 57-Jährigen im nichtöffentlichen Rahmen. Mit den Plädoyers von Staatsanwältin Jana Huber und Verteidiger Till Wagler wurden ebenso verfahren. Öffentlich waren lediglich das Urteil und die Begründung.

 

 

 


57-Jähriger räumt die Taten ein

Einen minderschweren Fall verneinten die Richter. Zugunsten des Angeklagten sprach, dass er frühzeitig ein Teilgeständnis abgelegt und die sexuellen Kontakte auch nicht bestritten hat. Nach einem Verständigungsgespräch zwischen den Richtern, der Staatsanwaltschaft und dem Verteidiger des Angeklagten, habe der 57-Jährige die Taten "vollumfänglich" eingeräumt, erklärte Gillot. Und auch, dass die Initiative für den Sexualkontakt mit dem Kind allein von dem Angeklagten ausgegangen sei, habe er zugegeben.

"Als Richter hatte ich durchaus deutliche Worte an den Angeklagten gerichtet", sagte der Vorsitzende. Es habe einen Grund, warum der Gesetzgeber solche Taten unter erhebliche Strafe stellt. Der Mann sei nicht vorbestraft, er bereue die Taten. Parallel zum Strafprozess befand das Gericht über einen Adhäsionsantrag des Opfers: Die Richter sprachen der jungen Frau 10.000 Euro Schmerzensgeld zuzüglich Zinsen zu. 6000 Euro hatte der Angeklagte bereits im Vorfeld anerkannt.

Den bestehenden Haftbefehl des Amtsgerichts Kronach setzten die Richter außer Vollzug: Der Mann werde durch die Staatsanwaltschaft zum Haftantritt geladen und "soll sich selbst stellen". "Bis dahin darf er in Freiheit bleiben", sagte Gillot.

Im Anschluss richtete der Vorsitzende sein Wort noch einmal an den Verurteilten. "Das Gericht schließt sich dem Wunsch der Nebenkläger-Vertreterin an, dass man nicht versucht, Versionen des Geschehens in Umlauf zu bringen, die der Geschädigten schaden könnten", sagte er und bat, das Opfer "im Blick zu behalten". Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.