Der Bayerische Bauernverband (BBV), Kreisverband Kronach, klagt über eine Schwarzwild-Plage. Ein zunächst emotional geführtes Gespräch zwischen Landwirten und Jägern endete nach fast zwei Stunden doch noch mit der Einsicht, dass man auch zukünftig nur in Gemeinsamkeit die Probleme lösen kann.

Auslöser für die Aufregung waren Wildschäden an zwei Feldern in der Nähe von Kehlbach. Eingeladen hatte deshalb der BBV im Landkreis Kronach, um die massiven Probleme mit dem Schwarzwild aufzuzeigen. "Die Schäden durch Schwarzwild in der Landwirtschaft im Bereich Kehlbach haben das Tragbare weit überschritten, und die Hilferufe der Landwirte an den Jagdpächter verhallen ins Leere. Jetzt reicht es uns endgültig", seufzte BBV-Kreisobmann Erwin Schwarz.

Er hatte Jagdgenossenschaftsvorstände, Jäger und Landwirte zu einer Aussprache an die beiden verwüsteten Gerste-/Haferfelder eingeladen. Diese Felder, die von den Landwirten Jörg Blinzler aus Eila und Eugen Heyder aus Ebersdorf betrieben werden, sind zu über 80 Prozent von Schwarzkitteln zerstört und umgewühlt worden. Eine Abernte ist nicht mehr möglich.

Zu wenig bejagt?

Die betroffenen Landwirte prangerten vor allem das Verhalten des Jagdpächters Reinhold Wagner an, der ihrer Meinung nach dieses Gebiet ganz einfach zu wenig bejage, "sonst hätten wir den Schlamassel nicht", meinte Heyder. Er hat wegen des Schadens auf seinem 2,4 Hektar großen Feld - es werden weit über 2000 Euro sein - einen Schätzer eingeschaltet der in seinem Gutachten von "einer einzigen Sauerei" schreibt, wie Heyder vorlas.
Ein weiteres Problem sind die Vertragsvereinbarungen zwischen Jagdgenossenschaft und Jagdpächter. Wie Bernhard Schmitt, Kreisvorsitzender des Jagdschutz- und Jägerverbandes, Kreisgruppe Kronach, informierte, gebe es die vertragliche Regelung, dass der Jagdpächter eine Wildschadenspauschale von 350 Euro zahle. Laut Gesetz müsse die Jagdgenossenschaft auftretende Wildschäden sogar selbst tragen, erklärte Schmitt.

In den meisten Fällen hätten sich Jagdpächter und Jagdgenossenschaft geeinigt, Wildschäden durch eine Pauschale abzuwickeln, die von Vertrag zu Vertrag und von Jagdrevier zu Jagdrevier unterschiedlich sein könne. Daraus resultiere eben auch, dass man in der Regel Wildschäden gar nicht dokumentiere, was auf Nachfrage auch die Gemeinde Steinbach am Wald so bestätigte.

In der Regel gebe es eine Einigung zwischen Landwirt oder Pächter und Jagdgenossenschaft auf der einen Seite sowie Jagdpächter auf der anderen Seite, so Geschäftsleiter Thomas Kotschenreuther, dem aus diesem Jahr vier Wildschadens-Meldungen vorliegen. Die Gemeinde werde in den wenigsten Fällen eingeschaltet, da man Bürokratie und Gebühren vermeiden wolle.

Schmitt wies die Vorwürfe an die Jägerschaft wegen eines Einzelfalles zurück. Jeder wisse, dass die Population von Schwarzwild um 200 Prozent zugenommen habe. Außerdem handle es sich beim geschädigten Gebiet um eine schwer bejagbare Fläche.

Jagdpächter weist Vorwürfe zurück

Auf unsere Nachfrage sagte der 63-jährige Jagdpächter Reinhold Wagner: "Ich bin bewusst nicht zu diesem Termin, weil ich mich nicht an den Pranger stellen lassen wollte. Ich muss mich bei der Jagd an strenge Gesetzesauflagen halten und jage nach Recht und Gesetz, wie ich dies vor 30 Jahren bei der Jagdprüfung gelernt habe. Meine Jagd, die ich seit nunmehr 23 Jahren habe, beläuft sich bei der Jagdgenossenschaft Kehlbach auf rund 440 Hektar, dazu kommen noch einmal so viele im Gebiet um Windheim, also insgesamt über 800 Hektar für die ich Jagdverantwortung trage."

Wir konfrontierten Wagner mit dem Vorwurf Heyders, er sei seit 6. August über die Schäden auf dessen Feld informiert gewesen, habe als Jagdpächter aber nichts unternommen. Dazu erklärte Wagner, dass er schon vorher von den Schäden gewusst habe und auch seit dieser Zeit zwei weitere Sauen geschossen habe. Wagner fügte hinzu: "Allein in diesem Jahr habe ich acht Sauen zur Strecke gebracht und vier Sauen wurden bei Verkehrsunfällen getötet." Das betroffene Gebiet sei auch schwer zu bejagen, weil ein ausgebauter Waldweg vorbeiführe, auf dem Jogger und Hundehalter regelmäßig auch noch zu Mitternacht vorbeikämen.

"Ich zahle 2100 Euro an Pacht jährlich und bringe es so auf rund 100 000 Euro, die ich in das Jagdrevier investiert habe. Zusätzlich habe ich in Biotopmaßnahmen und Verbissgehölze investiert, so dass ich meiner Verantwortung als Jagdpächter in den 23 Jahren nachgekommen bin", unterstrich Wagner. "Der Landwirt Heyder wusste bei seinem Pachtvertrag, dass dieses Feld für Hafer-/Gerste-Anbau problematisch sein würde. Vorher waren dort Erdbeeren angepflanzt. Weil es schon vor acht bis zehn Jahren Verwüstungen beim Haferanbau gegeben hat, hat der Besitzer damals keinen Hafer mehr angebaut."

Wagner verweist darauf, dass die Jagdgenossenschaft dem Jagdpachtvertrag mit ihm bei nur einer Gegenstimme und 22 Ja-Stimmen zugestimmt habe. Er kann sich nicht vorstellen, dass man dies getan hätte, wäre man unzufrieden mit der Bejagung gewesen.

Auflösung vorgeschlagen

"In meinem Jagdrevier sind circa 15 bis 20 Felder durch Schwarzwild gefährdet, und bisher gab es keine Beschwerden. Nach diesen Vorkommnissen bin ich nicht mehr bereit die Missstände mitzutragen und bin auf Grund der Vorwürfe bereit, im beiderseitigen Einvernehmen meinen Pachtvertrag mit der Jagdgenossenschaft sofort aufzulösen. Allerdings sollte ein neuer Jäger die von mir geschaffenen Jagdeinrichtungen gegen Bezahlung übernehmen", erklärte Wagner.

Bernhard Schmitt sieht ein großes Problem auch darin, zu wenige Jungjäger zu bekommen. "Wer setzt sich denn schon gerne drei bis vier Nächte in der Woche stundenlang auf einen Ansitz, wenn er tagsüber auf die Arbeit gehen muss, wie das in der Regel alle Jäger tun müssen?" Und Schmitt brach noch eine Lanze für die Jäger: "Man muss wissen, Wildschweine sind intelligente Tiere mit ausgeprägtem Sozialverhalten, sie riechen und hören sehr gut und sind zudem noch sehr schnell."

Als Fazit aus dem Gespräch konnte entnommen werden, dass das Schwarzkittel-Problem sicher vorerst bestehen bleibt. Auf politische Maßnahmen, wie aus der Runde gefordert, brauche man nicht zu warten, denn dafür gebe es zurzeit keine Grundlage. Erwin Schwarz sagte: "Der Landwirtschaftsminister kennt kein Schwarzwild-Problem, da habe ich schon einen Vorstoß versucht." Er empfiehlt Landwirten künftig ihre Wildschäden konsequent bei ihrer Gemeinde zu melden. "Nur wenn Wildschäden registriert und dokumentiert werden und die Schadenshöhe bekannt wird, haben wir eine Chance, auch die Politik einzuschalten. Wir brauchen Fakten um Druck zu machen."