Obwohl ihr an der Lucas-Cranach-Schule vieles vertraut ist, war am Dienstag der erste Schultag für Carmen Nüchterlein etwas besonderes. Denn seit diesem Tag unterrichtet sie nicht nur Schüler, sondern sie ist auch die Chefin der Bildungseinrichtung.

"Ich bin aufgeregter als die Schüler", meinte sie am Dienstagmorgen. Sie befürchtete ein Durcheinander auf den Fluren. Denn laut den neuen Datenschutzregeln dürfen keine Namenslisten mehr an den Eingangstüren angebracht werden.

In den Gängen der Schule herrschte reges Treiben. Grundschüler begrüßten sich nach sechs Wochen Ferien, suchten ihre Plätze in ihren Klassenzimmern. In der Verwaltung huschte die stellvertretende Schulleiterin Kerstin Benos ins Büro von Carmen Nüchterlein, um ihre neue Chefin mit einem Blumenstrauß zu begrüßen. Diese sprach gerade mit ihrem Team aus der Verwaltung und fand aufmunternde Worte für die acht neuen Lehrkräfte.

Draußen vor der Eingangstür sammelten sich Eltern, Großeltern und Paten, um ihre Schützlinge, die voller Stolz ihre Schultüten trugen, an ihrem ersten Schultag zu begleiten.

Währenddessen überflog Carmen Nüchterlein in ihrem Büro nochmals ihre Begrüßungsrede. Schließlich war es das erste Mal, dass sie vor so einem großen Publikum sprach.

Sie habe lange überlegt, ob sie sich als Schulleiterin bewerben sollte, erzählt die 52-Jährige. Ihr sei bewusst, dass sie in die großen Fußstapfen ihrer Vorgängerin Anita Neder trete.

Letztendlich waren es die Kollegen aus Lehrerschaft und Verwaltung, die sie zu ihrer Entscheidung bewogen haben.

Fast nur Frauen im Kollegium

Was das Gebäude, die Ausstattung und die Lehrerversorgung betrifft, hat sie keinen Grund zu klagen. An der Lucas-Cranach-Schule sind nahezu nur Frauen beschäftigt. Nur der Hausmeister und der "Bufdi" (Bundesfreiwilligendienstler) sind männlich, meint sie. Aber das Klima passt: "Es ist eine tolle Schule und wir sind ein tolles Team!" Außerdem: "Die Sanierung der Schule ist vollendet, ich habe mit Baumaßnahmen nichts mehr zu tun!"

Die zweifache Mutter kennt sich aus an ihrer Schule. In den Jahren 1990/91 absolvierte sie dort ihre Lehramtsanwärterzeit. Seit dem Jahre 2000 unterrichtet sie an der Lucas-Cranach-Schule. Während dieser Zeit absolvierte sie auch eine Weiterbildung als Beratungslehrerin.

"Diese Ausbildung kommt mir bei meiner neuen Arbeit zugute!", ist sie überzeugt. Probleme offen ansprechen, die Leute ernst zu nehmen, nach Lösungen zu suchen, darauf wird es auch in ihrer Funktion als Schulleiterin ankommen.

Carmen Nüchterlein weiß, dass auf sie neue Aufgaben zukommen werden. Sie wird mehr kommunizieren müssen mit ihren Kollegen, mit der Sekretärin, mit Eltern, mit dem Schulamt und mit Kommunalpolitikern. Sie spricht von notwendigen Netzwerken, um die Interessen ihrer Schulfamilie durchzubringen. Sie wird auch zusammen mit dem Schulamt Kollegen beurteilen müssen.

Sie berichtet von vielfältigen Projekten. An ihrer Schule sind sechs gebundene Ganztagsklassen und eine offene Ganztagsschule vorhanden.Letztgenannte geht jetzt ins zweite Jahr. "Es ist ein tolles Betreuungsangebot der Stadt." 118 Kinder sind für die offene Ganztagsschule angemeldet.

Seit vier Jahren ist die Bildungseinrichtung auch eine Bilinguale Grundschule. Das bedeutet, dass die Schüler der ersten Klasse in zwei Sprachen in ausgewählten Fächern unterrichtet werden. Nach diesem Schuljahr kommt das Modellprojekt auf den Prüfstand.

Carmen Nüchterlein sieht es als ihre Aufgabe an, zusammen mit ihren Kollegen ihre Schule weiterzuentwickeln. Sie will für ihre Belegschaft, für die Eltern und vor allem für ihre Kinder Ansprachpartnerin sein. Sie möchte, dass sich die Kinder an ihrer Schule wohlfühlen, dass sie neugierig sind und gerne lernen. Sie weiß aber auch, dass sie bei ihren Schützlingen ab und zu gewisse Regeln einfordern muss. Aber: "Die Kinder sollen keine Angst vor mir haben".

Eine Berufung

Während sie spricht, merkt man, Schule und Kinder sind für die Kronacherin kein Job, sondern eine Berufung. Sie könne sich keinen schöneren Beruf vorstellen, als Kindern Wissen zu vermitteln und ihre Persönlichkeit mitzuprägen.

Ihren ersten Tag als Schulleiterin hat Carmen Nüchterlein nun hinter sich. Sie blickt auf ihren Schreibtisch und meint: "Die Arbeit fängt nun erst richtig an!"

Sie spricht von einer spannenden Zeit, die vor ihr liegt und davon dass sie sich wohlfühlt . Und sie wünscht sich: "Hoffentlich kann ich auch weiterhin gut schlafen!"