Fest haut Nick drauf. Mit all seiner Kraft. Erst links. Dann rechts. Mit beiden Fäusten. Das Lachen kann er sich dabei nicht verkneifen. Schließlich ist es nur eine Übung. Eine Übung, die dem Achtklässler im Ernstfall aber mal aus der Klemme helfen könnte. Oder sogar das Leben rettet.

Der Realschüler ist nur einer von vielen, der am Dienstag den einstündigen Selbstverteidigungskurs am Schulzentrum besuchte, der Teil des zweiten Integrativen Sporttags war. Das Besondere daran: Alle Schulen des Schulzentrums haben teilgenommen: das Frankenwald-Gymnasium, die Gottfried-Neukamm-Mittelschule, die Siegmund-Loewe-Realschule, die Pestalozzi-Schule und die Lebenshilfe. Bis auf für die Gymnasiasten war die Teilnahme für alle Schüler freiwillig - angemeldet haben sich dennoch fast alle der insgesamt 2000 Kinder und Jugendlichen.

Sportlich ausgetobt haben sie sich nicht nur bei Übungen zur Selbstverteidigung, sondern auch bei einem Fußballturnier, einem Handballtraining und verschiedenen Tanzstunden. Für die Fünftklässler gab es einen Gaudiwettkampf mit Dosenwerfen und anderen Disziplinen.

"Bei all dem geht es immer um Integration. Die Mannschaften sind immer gemischt aus Schülern der verschiedenen Schulen", erklärt Anna-Lena Lessmann, Elftklässlerin am Frankenwald-Gymnasium. Im P-Seminar haben sie und ihre Mitschüler den Sporttag gemeinsam organisiert. Mit nur einem Ziel: den Zusammenhalt zwischen den Schulen zu stärken - miteinander statt nebeneinander. "Am Anfang gibt es unter den einzelnen Schülern vielleicht noch Berührungsängste, das verflüchtigt sich aber schnell", glaubt Karin Zheng, ebenfalls aus der elften Klasse.

Auch Petra Höpp, Lehrerin des P-Seminars, ist vom Zweck des Sporttags überzeugt: "Vor allem Kinder der Lebenshilfe und der Pestalozzi-Schule sind unheimlich stolz, gemeinsam mit Gymnasiasten spielen zu können." Der erste integrative Sporttag war vor zwei Jahren, ebenfalls auf die Beine gestellt vom damaligen P-Seminar. Im Vergleich zum ersten Mal haben die Schüler diesmal aber ein paar Veränderungen vorgenommen: Neu dabei im Programm sind der Selbstverteidigungskurs und das Handballtraining.

Dass der Sporttag einen positiven Effekt auf das Miteinander der Schulen hat, daran glauben die Schüler des P-Seminars fest: "Es sind ja auch Kinder mit Behinderung dabei. Sie haben sonst vielleicht nicht so die Möglichkeit, sich gegenseitig kennen zu lernen", findet Nathalie Kragler.

Andere Schüler sind da teilweise anderer Meinung. So wie beispielsweise Realschülerin Laura Müller, neunte Klasse: "Ich finde die Idee gut. Großartige Auswirkungen wird der Tag aber nicht haben. Ich habe den Eindruck, dass sich vor allem die Hauptschule ausgrenzt." Unterschiede zwischen den Kindern der einzelnen Schulen stellte auch Alfred Busse, Gewaltpräventionstrainer des TSV Küps, beim Selbstverteidigungskurs schnell fest: "Manche lassen sich schnell in die Opferrolle drängen. Andere sind dagegen sehr selbstbewusst."

Eins haben die Schüler seit gestern aber auf jeden Fall gemeinsam: Nicht nur, dass sie jetzt alle wissen, wie man sich aus einem Festhaltegriff lösen kann. Sondern vor allem, dass beim Sport alle gleich viel schwitzen. Bei 30 Grad Außentemperatur sowieso.

Berührungsängste gab es deshalb wohl vor allem an einem Ort nicht, nämlich dort, wo es Abkühlung gab: am Wasserhahn.