Die Uhr läuft ab. Vermutlich nur noch ein Jahr, das Schuljahr 2014/2015, werden Kinder das Schulhaus in Schneckenlohe besuchen. Das ist am Montagabend im Weidhäuser Gemeinderat bekannt geworden, als Bürgermeister Markus Mönch (parteilos) erste Informationen zum geplanten Projekt "Bildungshaus" bekannt gab.
Ziel des Projektes ist es, dass in Weidhausen künftig der Kindergarten und die Grundschule enger verzahnt werden. Dazu gehört es auch, sämtliche Grundschüler in einem Gebäude unterzubringen.

Den Schneckenloher Bürgermeister, Knut Morgenroth (SPD), überraschte die Entwicklung nicht. "Als die Sonnefelder vor ein paar Jahren ihre Hauptschulklassen aus Weidhausen abgezogen haben, war das der erste Schritt in diese Richtung", erklärte Morgenroth gestern auf Anfrage. Die Kündigung des Vertrages, in dem die Unterrichtung der Klassen 1/2 in Schneckenlohe geregelt wird, durch die Gemeinde Weidhausen habe ihn und den Schneckenloher Gemeinderat deshalb nicht unvorbereitet getroffen. Im Gegenteil: Morgenroth und sein Kollege Mönch befanden sich stets in Kontakt und fuhren sogar gemeinsam zu einem Gespräch bei der Regierung von Oberfranken.

Eine Chance

Für die Gemeinde Schneckenlohe ist die sich abzeichnende Entwicklung aber auch eine Chance, sagte Morgenroth. "Eine Chance, dass erstmals alle Kinder aus unserem Gemeindegebiet in eine Grundschule gehen." Derzeit ist es nämlich so, dass die Kinder aus Schneckenlohe und Mödlitz in Weidhausen, die Beikheimer dagegen in Mitwitz eingeschult werden. Wenn der Gemeinderat zustimmt, wird die Gemeinde Schneckenlohe schon bald einen Antrag bei der Regierung von Oberfranken stellen und um eine Änderung des Schulsprengels bitten. Im Klartext: Alle Kinder sollen ab dem übernächsten Schuljahr in Mitwitz eingeschult werden.

Die ersten Gespräche dazu haben Knut Morgenroth und Markus Mönch bereits bei der Regierung von Oberfranken geführt. Die Tendenz dabei, bestätigten beide Bürgermeister, gehe dahin, dass die Regierung mit der Sprengel-Änderung leben kann. "Einen totalen Schnitt", ergänzte Knut Morgenroth, "wird es dabei allerdings nicht geben". Um die gewachsenen Klassenstrukturen nicht zu zerstören, werden die Schneckenloher/Mödlitzer Kinder, die in Weidhausen eingeschult wurden (und nächstes Jahr noch werden), bis zum Abschluss ihrer Grundschulzeit auch in Weidhausen bleiben.

Was ist mit den Zuschüssen?

Ein paar Fragezeichen gibt es aber noch, zum Beispiel die finanzielle Seite. So hat die Gemeinde Schneckenlohe vor gut 15 Jahren das Schulhaus für rund eine halbe Million Euro renoviert. Dies geschah mit erheblicher finanzieller Unterstützung des Freistaates Bayern. "Die Zuschüsse waren auf 25 Jahre für den Betrieb einer Schule zweckgebunden", erklärte der Bürgermeister. Theoretisch könne es deshalb sein, dass der Freistaat Bayern einen Teil seiner Zuschüsse zurückfordern wird. Noch warte die Gemeinde auf ein Signal der Regierung von Oberfranken, wie sie über dieses Problem denkt.

Zweiter Knackpunkt: Was passiert, wenn durch die neuen Schüler aus Schneckenlohe in Mitwitz die Maximalstärke (derzeit 28 Schüler) bei einer Klasse überschritten wird? Ist dies der Fall, könnte dies die Regierung von Oberfranken dazu bewegen, der Schulsprengel-Änderung nicht zuzustimmen. Allerdings scheint, ließ zumindest Markus Mönch durchblicken, dieses Problem derzeit nicht in Sicht zu sein.

Der Weidhäuser Gemeinderat hat nun am Montagabend jedenfalls die Kündigung des Vertrages mit der Gemeinde Schneckenlohe einstimmig beschlossen. "Es ist das legitime Interesse unserer Gemeinde", sagte Dritter Bürgermeister Michael Hofmann (CSU)) zur dieser Entscheidung, die voraussichtlich das Ende der Schneckenloher Schule bedeuten wird. Noch vor den Sommerferien wird das Thema auch beim Schneckenloher Gemeinderat auf der Tagesordnung stehen.