Auch in Zeiten sehr niedriger Zinsen kann man sein Geld gut anlegen. Allerdings sollte der Sparer seine Vermögenswerte streuen, damit er, wenn eine Schiene nicht so gut läuft, keinen Totalverlust erleidet. Michael Holzmann rät, auf mehrere Standbeine zu setzen. Holzmann weiß, wovon er redet, denn er ist nicht nur Privatkundenbetreuer der Raiffeisen-Volksbank Kronach-Ludwigsstadt, sondern auch Wertpapierspezialist.

Traditionell steht das Sparen in der letzten Oktoberwoche, speziell am Weltspartag, bei den Banken im Mittelpunkt. Grundgedanke ist nach Holzmanns Ansicht, die Notwendigkeit des Sparens näher zu bringen. Sowohl den Großen als auch den Kleinen. Für Letztere gibt es in der Schalterhalle seiner Bank einen Kinderschalter mit der Burg Sparenstein, ein Gewinnspiel und es werden Eintrittskarten für die Brose Baskets verlost. Die Großen können an einem Gewinnspiel mit hohen Geldpreisen teilnehmen.

Vorsicht bei hohen Renditen
"Nichtstun ist die schlechteste aller Varianten", rät Michael Holzmann dazu, auf jeden Fall mit dem Geld, das auf der hohen Kante liegt, etwas anzufangen. Aber was? Schließlich will jeder geringes Risiko fahren, aber trotzdem eine hohe Rendite erzielen. Michael Holzmann rät nicht zu irgendeiner Anlageform mit scheinbar hoher Rendite, denn das widerspräche dem Grundgedanken des genossenschaftlichen Bankenwesens, eine ganzheitliche Beratung durchzuführen.

"Welches Geld brauche ich für längere Zeit nicht?", lautet für ihn die erste Frage. Und er schränkt gleich ein: "Es muss eine Liquiditätsreserve vorhanden sein, denn keiner weiß, ob er nicht in der nächsten Woche für eine Reparatur oder Ähnliches tief in die Tasche greifen muss."

Deutsche Staatsanleihen
Bei hohen Renditen sollte man vorsichtig sein, meint der Fachmann, "denn die Krisen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass höhere Erträge auch mit einem gewissen Risiko behaftet sind".

Staatsanleihen seien die ganze Zeit sicher gewesen, doch mit der Überschuldung mancher Länder - Stichwort: Schuldenschnitt - gehe auch davon inzwischen ein gewisses Risiko aus. Die Lehre daraus: Man sollte sich Gedanken machen, wie das Geld am besten angelegt sei. Am besten nicht einseitig, sondern mit breiter Streuung. Niemals alles auf eine Karte setzen! "Es gibt Anlagemöglichkeiten, bei denen man nicht Angst um sein Gesamtvermögen haben muss", beruhigt Michael Holzmann. Bei zehnjährigen deutschen Staatsanleihen hätte er keine Bedenken. Weiteres Standbein: Immobilien, eventuell in Fonds. Und natürlich Aktien, wenn möglich auch in Fondsanteilen.

"Die Analyse der Vermögensstruktur ist sehr wichtig", verdeutlicht er. Dabei stellten sich mehrere Fragen: Wie bin ich als Anleger aufgestellt? Wie risikobereit bin ich? Als Anleger müsse man befürchten, dass sich das Zinsniveau kurzfristig nicht verbessere. Es stelle sich die Frage, ob man dann längere Laufzeiten wählen solle, "denn bei kurzfristigen Anlagen verlieren Sie auf Grund der Inflation!" Und so landete Holzmann wieder beim Rat vom Anfang des Gesprächs: zusammen mit dem Finanzberater eine Vermögensstruktur zu erarbeiten.

Die Realzinsfalle
Auch Gebietsdirektor Robert Porzelt von der Sparkasse in Kronach hält nichts davon, den Kunden irgendeine Geldanlage als Allheilmittel zu verkaufen. "Pauschalsachen sind antiquiert", meint Porzelt. Vielmehr müsse die Beratung auf die persönliche Situation des Sparers zugeschnitten sein.


"Das ist wie beim Autokauf. Der eine mag's sportlich, der andere legt Wert auf Komfort und Sicherheit", führt Porzelt einen bildlichen Vergleich an. Deshalb ist für ihn ein Anlageberatungsprozess unabdingbar. Im Laufe des Gesprächs kristallisiere sich heraus, ob das Vermögen längerfristig angelegt werden solle oder nicht. Stünden, zum Beispiel, in drei Jahren ein Autokauf oder eine Hausmodernisierung an, dürfe man das dafür vorgesehene Geld natürlich nicht längerfristig binden.
Robert Porzelt ist auch nicht glücklich über die derzeitige Realzinsfalle, das heiße, die Inflation sei höher als die übliche Verzinsung. "Der Kunde verliert Geld, wenn er ein Standardprodukt nimmt", bedauert Porzelt.

Zum Weltspartag gibt es bei der Sparkasse eine Weltspartagsanleihe mit einem Zinssatz von über zwei Prozent - bei einer Laufzeit von viereinhalb Jahren. Und selbstverständlich sind für die kleinen Kunden die kleinen Geschenke am Kinderschalter obligatorisch. Damit wolle man den Kleinen den Spargedanken pädagogisch näher bringen: "Ich schaffe mir was in kleinen Schritten und ich freue mich dann, wenn ich das Ziel geschafft hab."