Schnell, schneller, am schnellsten. Das hätten alle Gemeinden im Landkreis gerne, wenn es um die Internet-Geschwindigkeit geht. Doch statt Datenautobahn herrscht oftmals lähmendes Warten. In Mitwitz sind es laut Ralf Heidelberger, der sich um das Thema Internet kümmert, bis zu 16 Megabit pro Sekunde möglich, doch in den Außenorten sehe die Situation anders aus: "Die Gemeindeteile sind recht langsam angeschlossen", sagte Heidelberger noch vor zwei Wochen.

Bürgermeister Hans-Peter Laschka (CSU) pflichtete ihm bei: "Wir haben Probleme in den kleinen Ortsteilen und im Bereich Burgstall. Da haben wir etliche Lücken. Schwierig ist es auch in Bächlein." Dort steht ein Hotel, weswegen "dringend etwas gemacht werden" müsse. Im Kollektiv sangen Bürgermeister und Ralf Heidelberger das Klagelied des flachen Landes. Mitwitz ist eben nicht München.


Leerrohre liegen parat

Seit Dienstag keimt Hoffnung auf. Hans-Peter Laschka und Ralf Heidelberger sind zuversichtlich, dass die Marktgemeinde, samt Ortsteile, bald schnell surfen können. Grund für den Stimmungswandel ist ein Gespräch im Kronacher Landratsamt. Mit am Tisch saßen Wolfgang Puff, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Strukturentwicklungsgesellschaft im Landkreis, Karl Manstorfer vom Regensburger Ingenieurbüro IKT, das den Kreis derzeit in Sachen Breitbandausbau berät, und Vertreter des Coburger Telekommunikationsanbieters Süc Dacor.

Letztere hatten Überraschendes für die Mitwitzer im Gepäck: Die Süc übernahm vor einigen Jahren die Stromversorgung der Gemeinde von Eon. Oberirdischen Stromleitungen verfrachtete die Süc unter die Erde und legte in diesem Zug gleich Leerrohre für Glasfaserleitungen - jene Leitungen, die für ein Hochgeschwindigkeitsinternet notwendig sind.


Ein Schritt nach dem anderen

Von einem Ring um den Hauptort wussten Laschka und Heidelberger. Neu war für sie, dass die Leerrohre auch entlegene Ortsteile erreichen. "Man muss, in Anführungszeichen, nur noch Kabel durchschießen. Zu graben gibt es nichts mehr", sagt Heidelberger. Das spare Geld und mache die Anbindung von entlegenen Gehöften wahrscheinlicher. Für Ralf Heidelberger wäre es daher die "günstigste und einfachste Lösung", die Außenorte durch die Süc und Mitwitz durch die Telekom zu versorgen, die schon ein Glasfaserkabel in Mitwitz bis zu ihrer Hauptverteilerstation in der Nähe des Wasserschlosses verlegt hat. Über Finanzen sei im Detail allerdings noch nicht gesprochen worden, sagt Bürgermeister Laschka.

Puff sagt, dass die bereits existenten Leerrohre in den Ortsteilen eine gute Nachricht seien. "Denn jeder Anbieter weiß, dass ein völliger Neubau eines Netzes sehr teuer wird und er damit im Wettbewerb nicht so günstig sein kann." Doch so weit sei man noch nicht, betont Puff. Denn zuerst müssten die Gemeindegremien entscheiden, welche Ortsteile ans Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen werden sollen.


"Ausschreiben, was realistisch ist"

So sieht auch Karl Manstorfer die Situation: "Man sollte als Gemeinde ausschreiben, was realistisch ist." Genau deshalb sei eine Machbarkeitsstudie wichtig, mit der er vom Landkreis beauftragt wurde. Schließlich kann kein Kommunikationsanbieter gezwungen werden, ein Angebot abzugeben. Wie die Machbarkeitsstudie in Mitwitz ausfällt, möchte Manstorfer noch nicht verraten: "Wir haben Ortsteil für Ortsteil angesehen und haben zu jedem Ortsteil eine Meinung, aber dazu darf ich nichts sagen, da es die Entscheidung des Gemeinderats ist." Man müsse sehen, welcher Kommunikationsanbieter zum Zug kommt und wie der "weitere Verlauf im Förderprogramm sein wird".

Das Stichwort dabei lautet Förderprogramm. Denn ohne das Zwei-Milliarden-Paket, das der Freistaat Bayern für den Breitbandausbau geschnürt hat, gäbe es wahrscheinlich keine Treffen im Landratsamt zu diesem Thema. Um selbst zu investieren, fehlt den meisten Gemeinden schlicht das Geld. Deshalb hofft Hans-Peter Laschka, dass sich Mitwitz "die maximale Förderung von 80 Prozent sichern" kann.


Schnelles, langsames Internet?

Bei der Höchstfördersumme hieße das: 400 000 Euro zahlt Bayern und 100 000 Euro die Marktgemeinde. Ob dieser Obergrenze glaubt Laschka nicht an einen Ausbau des Glasfasernetzes in Mitwitz selbst. Ein Glasfaserkabel ende zwar in der Hauptverteilerstation der Telekom in der Ortsmitte, die Häuser seien aber größtenteils mit langsameren Kupferkabeln verbunden. Wollte man hier auf Glasfaser umrüsten, "müsste man bis zu jedem Haus aufbuddeln, das wäre schon immens", sagt Ralf Heidelberger. Dennoch würde er sich diese Lösung wünschen, doch der Bürgermeister winkt ab: "Wir schaffen das nicht, denn: Was weit über 500 000 Euro hinaus geht, wäre eins zu eins durch die Gemeinde zu bezahlen."

Doch werden überhaupt alle Mitwitzer schnelles Internet bekommen? Immerhin beschränkt sich das Förderprogramm auf Gewerbe- und so genannte Kumulationsgebiete - Flächen also, in denen zumindest eine Mischung aus Wohn- und Gewerberaum zu finden ist. Das Gebiet, erklärt Karl Manstorfer, könne die Gemeinde selbst definieren. Und laut Wolfgang Puff reichen bereits Kleinunternehmen mit einer Person. Lediglich ein Unternehmen müsse einen erhöhten Bedarf anmelden. "Diese fünf Leute", behauptet Puff, "wird man in jedem Ortsteil finden." Einzige Auflage: 30 Megabit müssen im ausgeschriebenen Gebiet flächendeckend verfügbar sein - mindestens. Und das, sagt Hans-Peter Laschka, sei auch mit Kupferkabeln möglich. Er sei jedenfalls zufrieden mit dem Gespräch im Landratsamt. Wie Ralf Heidelberg halte auch er eine Kombilösung für Mitwitz als wahrscheinlich. Mit im Boot: Süc Dacor und Telekom.

Letztere hat übrigens der Gemeinde kürzlich mitgeteilt, dass sie von Kronach nach Mitwitz ein Glasfaserkabel verlege. "Wir schätzen, dass wir einen leistungsfähigeren Anschluss bekommen", vermutet Laschka. Es hört sich nach einer weiteren guten Nachricht für Mitwitz an.