Wenn Regionalbischöfin Dorothea Greiner mit Dekanin Dorothea Richter und weiteren Vertretern aus Kirche und Diakonie an den Türen in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Kronach klingelt, ist das nicht nur eine schöne Geste vor Weihnachten. Greiner kam mit den Menschen aus Äthiopien, Nigeria, dem Iran, aus Armenien, Aserbaidschan und Kasachstan ins Gespräch - und erfuhr viel von den Sorgen und Nöten.

Natürlich hatten Elmar Jonas und Gerd Weickert, die beiden hauptamtlichen Migrations- und Flüchtlingsberater der Diakonie, die Menschen, die derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft für in Kronach leben, auf den hohen Besuch von Regionalbischöfin Dorothea Greiner und Dekanin Dorothea Richter vorbereitet. Mit sieben weiteren Personen aus Kirche und Diakonie - mit Albrecht Bischoff, mit Pfarrerin Kathrin Neeb, mit Horst Moser von der Dekanatssynode, mit Michael Thein, dem Referenten der Regionalbischöfin und mit Harald Klier, dem zweiten geschäftsführenden Vorstand des Diakonischen Werks Kronach-Ludwigstadt-Michaelau - wollte die Regionalbischöfin den Kronacher Asylanten einen Besuch abstatten. So kurz vor Weihnachten hatte sie einen Karton mit selbstgebastelten Papiersternen dabei. Als Geste und vielleicht auch als Türöffner.


Große Herausforderung

"Ich habe im Juni die Asylbewerber in Münchberg besucht", erzählt die Regionalbischöfin und versucht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Gerade im Themenjahr "Reformation und Politik" möchte sie den Blick auf eine der größten menschlichen Herausforderungen richten. Und genau das ist der Umgang mit den Menschen, die um Asyl bitten, sagt Greiner. So viel weiß sie schon vorher.

Doch dann klingelt sie mit ihrer Abordnung an den Türen in Kronach. Das Asylantenheim gleich hinter dem Schützenhaus, ist mit 38 Asylbewerbern belegt. Es besteht aus zwei Häusern und sieben Wohnungen. Die meisten Asylbewerber sind alleinstehend, aber auch drei Familien sind darunter. Die Menschen kommen aus Armenien, Aserbaidschan und Kasachstan, die alleinstehenden Asylbewerber aus Äthiopien, dem Iran und aus Nigeria.


Unterkünfte werden geprüft

Auch Hermann Schuberth von der Regierung für Oberfranken ist dabei. Er prüft die Unterkünfte und beurteilt auch im Vorfeld, ob die Unterbringungsmöglichkeiten geeignet sind. "Das ist leider nicht immer der Fall - und manche Kommunen sperren sich auch gegen die Unterbringung von Asylanten, weil sie völlig falsche Vorstellungen von den Menschen, die um Hilfe bitten haben", sagt Schuberth. Er erzählt von Kommunen, die Räumlichkeiten, die geeignet sind, wegkaufen. Oft herrschen völlig falsche Vorstellungen und Ängste. "Könnte man beispielsweise einmal darüber nachdenken, ob man ein Asyldorf mit vielleicht 50 Häusern einrichtet?", gibt Gerd Weickert einen Denkanstoss. Doch eine Unterbringung unter der Aufsicht der Regierung in einzelnen Häusern sei nicht zu bewerkstelligen. Überhaupt steht das Asylrecht vor großen Herausforderungen, erklärt Schuberth. Denn ab 1. April fallen die Essenpakete, die die Asylbewerber jetzt bekommen, weg. "Das wird neue Probleme machen. Denn wie sollen die Leute dann mit ihrem Geld auskommen - und wo wird das Geld bleiben?", sagt Schuberth. In der Praxis bekommen nur die Asylanten ein Girokonto, die auch eine Aufenthaltsgestattung haben - doch das ist nicht bei allen der Fall. Und bislang können die Lebensmittelpakete günstig eingekauft werden.

Soweit die Theorie, dann schaute sich die Regionalbischöfin mit dem gesamten Gremium die Praxis an und klingelte in einem der Häuser an der Wohnungstür. Suleman Satullajew, 37 Jahre alt, aus Aserbaidschan öffnete die Tür. Suleman Satullajew ist schon ein Jahr und acht Monate in Deutschland und spricht fließend deutsch. "Ich war Redakteur und ich habe Probleme mit der Politik bekommen", erzählt er und beteuert auch gleich, dass er gerne in Deutschland bleiben möchte.


Warten auf den Bescheid

Gleich neben ihm wohnt Yusuf Mammadov, ebenfalls ein Mann aus Aserbaidschan. Er wartet seit einem Jahr und sieben Monaten auf einen Bescheid der offiziellen Stellen. "Ich spiele in Seibelsdorf Fußball", erzählt Yusuf. Und ein Praktikum in der Bastion Marie hat er auch schon gemacht. Denn er ist Koch. Schon nach den ersten Gesprächen wird der Regionalbischöfin klar, dass die Asylverfahren rascher entschieden werden sollten. Denn die Menschen, die in Kronach leben, führen ein Leben in Ungewissheit. "Asylbewerber sollen rascher einer Arbeit nachgehen können", zieht Greiner eine Lehre aus den Gesprächen.

Im Obergeschoss der Unterkunft leben mehrere alleinstehende Äthiopier. Sie haben für den hohen Besuch Injera gekocht. Dabei handelt es sich um ein Fladenbrot aus Teffmehl. Das Mehl muss einige Tage gären. Dazu haben Adisa Alem, Metesebia Kefle und Rosa Agonfer schmackhafte und äußerst würzige Aufstriche aus roten und grünen Linsen, einen Salat und einen Mix aus Kartoffeln und Paprika zubereitet. "Das isst man mit den Fingern", erklärt Metesebia Kefle und lacht, weil die Regionalbischöfin und auch die anderen Besucher die Injera mit der Gabel zerteilen.


Die Äthiopier legen los

Und beim Essen legen auch die anderen Äthiopier los. "Nein, die Entwicklungshilfe, die nach Äthiopien geschickt wird, ist nicht gut. Denn sie stützt das Regime. Und in Äthiopien gibt es kein Recht und Unrecht. Es zählt das Recht des Stärkeren, es herrscht Diktatur", schildern die Menschen. Metesebia Kefle wurde verletzt und hat um ihr Leben Angst. Sie ist schon zwei Jahre und sieben Monate in Deutschland und hofft, dass sie bleiben darf. Sie betet oft, hat ihr Zimmer wohnlich mit vielen christlichen Symbolen ausgestattet. "Wir lieben unser Land. Wir haben dort unsere Familien und wir hatten dort gute Arbeit. Aber wir konnten nicht dort bleiben", erzählt der 41-jährige Yimenu Kebele Yibekal. Auch er hat ein Kreuz am Hals - ein letzter Hoffnungsschimmer. Er hatte einen Bruder, der im Gefängnis gestorben ist. Der politische Druck sei immens und willkürlich. Auch Fissah Tsion bestätigt das. Deshalb nehmen die Menschen das Risiko in Kauf, mit einem viel zu kleinen Schiff nach Deutschland zu kommen. Auch unter Lebensgefahr. Ja, all die Asylanten würden gerne arbeiten. Und die Frauen wünschen sich einen Deutschkurs - auch einen Kurs für Anfänger.

"Es wäre gut, wenn wir Ehrenamtliche hätten, die die Flüchtlinge und Flüchtlingsfamilien begleiten würden", sagt Greiner und hofft auf Menschen, die sich einer solchen Aufgabe annehmen möchten.