Jetzt wird es ernst: In den kommenden drei Wochen soll sich entscheiden, ob eine mögliche Realschule in Pressig Realität wird oder die Idee in der großen Kiste nicht umgesetzter Vorschläge verschwindet. Wie das bayerische Kultusministerium auf FT-Anfrage mitteilt, haben Eltern aus dem nördlichen Landkreis ab Montag die Möglichkeit, zeitgleich mit den Anmeldungen an den beiden Kronacher Realschulen anzugeben, dass sie ihr Kind in Pressig zur Schule gehen lassen würden - sofern dort eine Realschule errichtet wird.
Ist das Aufnahmeverfahren abgeschlossen, sollen die Daten der Probeeinschreibung zeitnah ausgewertet werden, so das Ministerium. "Wenn dabei als Ergebnis herauskommt, dass es genug Schüler machen würden, fangen wir in Pressig im nächsten Schuljahr an", sagt der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner, der das Thema seit vielen Jahren begleitet.


Keine Mindestanzahl

Nach wie vor gelte jedoch das Kredo: Qualität vor Geschwindigkeit. "Bei uns gibt es da überhaupt keinen Stress, wir verstehen auch die Aufregung nicht", sagt der Landtagsabgeordnete. Sobald die Zahlen der Probeeinschreibung ausgewertet sind, soll in Arbeitsgruppen diskutiert werden, wie die Realschule in Pressig qualitativ aufgestellt werden muss.

Doch wie viele der 82 potenziellen Schüler aus dem gesamten Landkreis, die kommendes Jahr eine fünfte Klasse besuchen werden, müssten sich denn für Pressig entscheiden, damit das Projekt Realschule dort beginnen kann? "Eine feste Mindestzahl gibt es nicht", erklärt Julia Graf von der Pressestelle des Kultusministeriums. "Es muss aber eine dauerhafte Zweizügigkeit gewährleistet sein." Auch die Auswirkung auf die Maximilian-von-Welsch-Realschule sei zu beachten. Denn bei der angedachten Schulform handelt es sich bekanntlich um eine Kooperation der RS I mit der Pressiger Grund- und Mittelschule. Die Schüler, die nach Pressig gehen würden, wären demnach offiziell RS I-Schüler (wir berichteten).
Ins gleiche Horn wie das Ministerium stößt auch Baumgärtner. Steht die genaue Zahl fest, müsse besprochen werden, ob sie auch ausreichend ist, um in der Qualität genauso gut zu sein wie die Realschulen in Kronach. Das bestehende Bildungsangebot dürfe dabei aber nicht gefährdet werden, fordert er.


Eine Lösung für alle

Vor einem Scheitern scheint der Landtagsabgeordnete keine große Angst zu haben. "Dann müssen wir uns etwas Neues überlegen, was wir für die Kinder aus dem nördlichen Landkreis machen. Was immer das dann auch ist", sagt er. Das Problem des langen Schulwegs habe sich durch die neue Schülerbeförderung zwar deutlich entspannt, sei aber immer noch vorhanden.

Wichtig sei vor allem gewesen, dass die Staatsregierung eine Schule im nördlichen Landkreis erlaubt hat, so Baumgärtner. Nun müsse eben eine Lösung gefunden werden, die Eltern, Schüler, Lehrer und die Wirtschaft im Norden des Landkreises zufriedenstellt. Die Realschule sei da nur ein erstes Angebot. "Die Region hat es jetzt in ihrer Hand", betont Baumgärtner.


Rauh fordert ein Signal

Ein Schreiben mit dem Antrag des Landratsamts, eine Realschule in Pressig errichten zu dürfen, liegt übrigens längst in München. "Dieses wird nach Auswertung der Zahlen beantwortet", teilt das Kultusministerium mit.

Richard Rauh vermisst ein klares Signal aus der Landeshauptstadt. "Der Freistaat soll mal langsam in die Puschen kommen", fordert der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kronacher Kreistag und verweist auf seine Gegenrede zum Haushalt in der vergangenen Kreistagssitzung, in der er erklärte, in Sachen Realschule Pressig keine Hängepartie haben zu wollen. "Dem Ministerium sind die aktuellen sowie die auf die kommenden Jahre hochgerechneten Schülerzahlen bekannt. Da müssen sie doch sagen können, ob die ausreichen", findet Rauh und schnappt sich noch einmal die Liste mit den vom Landratsamt gemeldeten Daten.
Komme nach der fünften Klasse jedes Jahr ein weiterer Jahrgang hinzu, würden erstmals mit dem Schuljahr 2026/27 alle Jahrgänge unterrichtet. "Das wären dann um die 200 Schüler, die in Kronach entsprechend fehlen würden", rechnet er vor. Und einen Qualitätsverlust an den beiden Kronacher Realschulen möchte er ebenfalls um jeden Preis verhindern. Generell sei er dafür, dass der nördliche Landkreis eine eigene Schule erhält. "Wir hatten uns mit einer Gemeinschaftsschule zwar ein anderes Konzept gewünscht, sind aber nicht gegen eine Realschule in Pressig", betont er. Ob es nun soweit kommt, liegt nun also in den Händen der möglichen Schüler - und deren Eltern.