Oberfranken ist für Photovoltaikanlagen ideal - weil es hier nicht zu warm ist und hin und wieder regnet, sagt Michael Müller. Es klingt kurios. Aber tatsächlich kommt es nicht auf brütende Hitze an, sondern auf einen angenehmen Mix. Die Ausbeute bei den durchschnittlichen oberfränkischen Temperaturen sei ideal. "Und vor allem ist es wichtig, dass es immer mal wieder regnet. In Portugal haben sie schon Anlagen wieder abgebaut, weil sie einfach verstauben. Wir haben durch unser Wetter ideale Bedingungen", sagt Müller.

Seit drei Jahren hat sich die Rauschert-Gruppe um den Bereich Solar erweitert. Und trotz stetig sinkender Einspeisevergütung lohnt sich das Geschäft - auch in Zukunft. Denn Energieproduktion ist wichtig.
Bislang hat Rauschert Solar vor allem an den Rauschert- Standorten Solaranlagen aufgebaut, allerdings ausnahmslos auf den Industrieflächen. "Wir legen den Fokus auf größere Anlagen mit 30 KWP bis zu einem MWP und wenden uns deshalb an Unternehmen, öffentliche Einrichtungen oder landwirtschaftliche Betriebe", sagt Michael Müller.

Auch Privatleute können sich beteiligen, indem sie einzelne Module erwerben und dann Teil der Betreibergesellschaft sind. "Das ist meist deutlich wirtschaftlicher als eine Kleinanlage auf dem Dach des Einfamilienhauses", sagt Müller.

Derzeit hat Rauschert Solar schon 16 000 Quadratmeter Photovoltaik-Fläche - ausnahmslos auf Dächern. Und auf dieser Fläche wird unglaublich viel Strom erzeugt. Denn vier Quadratmeter reichen aus, um ein KWP zu erzeugen.

Doch Rauschert möchte sich weiter am Ausbau der erneuerbaren Energien beteiligen und verspricht sich weltweit steigende Wachstumsquoten. Auch in Pressig hat Rauschert Solar schon einmal die Situation untersucht: Doch nicht jeder Ort eignet sich. Die Kirche steht unter Denkmalschutz, der Kirchturm wirft auf das benachbarte Gebäude Schatten, zudem sei es falsch ausgerichtet - zieht die Expertise eine Ist-Bilanz. Manche Dachflächen sind zu klein. Und Schulturnhallen fallen meist aus, weil nach dem Einsturz der Bad Reichenhaller Turnhalle die Vorschriften für die Traglast erweitert worden sind. "Und die meisten Gebäude haben diesen Spielraum nicht. Denn für eine Photovoltaik-Anlage muss man noch mal 20 Kilo pro Quadratmeter rechnen", erklärt Müller und macht damit deutlich, dass der Handlungsspielraum deutlich eingeschränkt ist.

Steigerung bis zu acht Prozent
Trotzdem nimmt die Firma aus Pressig heimische Standorte ins Visier. So erklärt Projektleiterin Kerstin Gehring, dass sich Rauschert bereits für die Mülldeponie in Steinbach interessiere. Im Frühjahr 2013 wird der erste Teil stillgelegt. Man könnte also schon bald mit der Installation von Photovoltaik beginnen. Auch in Ludwigsstadt sei man mit dem Besitzer der Hartsteinwerke im Gespräch und plane bereits.

Rauschert Solar plant und konzipiert die Anlagen aber nicht nur, sondern die Spezialisten arbeiten auch an stetigen Verbesserungen. So wird derzeit ein Reflektorsystem in der Praxis erprobt. Erste Tests mit Reflektoren haben auf dem Messfeld in Veilsdorf ergeben, dass die Reflektoren zusätzlich Licht auf die Module leiten können. Dadurch lässt sich die Leistung um vier bis acht Prozent steigern.

Außerdem hat Rauschert Solar in Kooperation mit den Fraunhofer Instituten ISW und IKTS sowie mit der TU Dresden ein Dünnschicht-Photovoltaik-Modul mit Substrat aus Keramik mit hohem Wirkungsgrad entwickelt. "Aber das Modul kann mit den importierten Fertigmodulen derzeit nicht konkurrieren", erklärt Michael Müller.

Dezentrales Energiemanagement
Rauschert Solar entwickelt derzeit ein dezentrales Stromverbrauchs-Messsystem zur Überwachung von Photovoltaikanlagen. Und auch an einer Na-NiCl2-Batterie als Energiespeicher für dezentrales Energiemanagement wird geforscht.

"Energie wird immer wichtiger. Es ist wichtig, die Energie dort zu erzeugen, wo sie auch verbraucht wird", glaubt Michael Müller fest an das Zukunftspotenzial und betont: "Unser Know-How auf diesem Gebiet hat Riesen-Potenzial für die deutsche Wirtschaft. Übrigens interessiert man sich auch in Saudi Arabien für erneuerbare Energien", sagt Müller.