Mit ihren Einkäufen im Wagen steht Hannelore Greim (Name von der Redaktion geändert) an der Kassse im Supermarkt. Erst da bemerkt sie, den offenen Reißverschluss ihrer Handtasche, das Fehlen ihres Geldbeutels.
"Ich habe meinen Einkaufswagen mitsamt der Tasche kurz bei den Zeitschriftenregalen abgestellt, um ein Getränk mitzunehmen", erzählt Frau Greim. In dieser Zeit muss ihr jemand den Geldbeutel gestohlen haben. Das Ganze war gegen Mittag am 25. Juli in einem Kronacher Supermarkt.

Und dabei hatte sie den Geldbeutel sogar in einem Seitenfach mit geschlossenem Reißverschluss vermeintlich sicher in ihrer Handtasche aufbewahrt.
"Glücklicherweise ist eine Freundin von mir gekommen, die mir Geld zum Bezahlen meiner Einkäufe geliehen hatte", erinnert sich Hannelore Greim an den Moment an der Kasse. Anderweitig hätte sie die Lebensmittel wohl im Supermarkt zurück lassen müssen.

Sie schaut nochmal in ihrem Auto nach, läuft mit der Geschäftsführerin die Filiale - beides jedoch vergeblich.
"Also bin ich sofort zur Polizei gegangen, um meine EC-Karte sperren zu lassen", erzählt Hannelore Greim. Außerdem habe sie bei ihrer Bank angerufen, weil sie ihre Daten (Kartennummer, Gültigkeit, Ausweisnummer) erfragen musste. Diese habe sie am Abend der Polizei mitgeteilt. Wenn sie sieht, was es im Fall eines Diebstahls alles zu erledigen und zu beschaffen gilt, stellt sich für Hannelore Greim die Frage, ob sie nicht von allen Dokumenten Kopien anfertigen sollte. "Eine Kopie des Personalausweises, des Reisepasses und der EC-Karte zuhause aufzubewahren, kann nicht schaden. Für die Polizei ist es so leichter, die mündlich aufgenommenen Personalien zu überprüfen", rät Anne Höfer von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken.

Am selben Tag hat es in dem Supermarkt einen weiteren Diebstahl gegeben, berichtet die Geschäftsführerin. "Dort ist es eben leichter für die Verbrecher, zu entkommen." Die Polizei berichtet noch von einem weiteren Vorfall in einem anderen Markt in Kronach. Sie vermutetet, dass hinter all den Delikten eine Bande steckt.
Ein solcher Vorfall, wie er Hannelore Greim passiert ist, ist in Deutschland keine Seltenheit, wie die Kriminalstatistik beweist: Vor zwei beziehungsweise drei Jahren lag die Zahl der angezeigten Taschendiebstähle bei circa 120 000. Im Jahr 2013 waren die polizeilich erfassten Fälle um circa 15 000 gestiegen. Die Aufklärungsquote lag zu dieser Zeit jedoch nur bei 5, 7 Prozent, da die Opfer das Fehlen der Wertgegenstände häufig nicht sofort bemerken.

2013 betrug die Schadenssumme fast 40 Millionen Euro, wobei meist Frauen die Opfer waren.
Anne Höfer von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken berichtet: " Man muss zwischen Diebstahl aus Handtaschen und Diebstahl der Handtasche differenzieren." In Oberfranken hätten sich beide Diebstähle in den letzten zehn Jahren kaum verändert. Es seien etwa 700 bis 800 Fälle jährlich polizeilich bekannt.
"In der Regel werden meist Bargeld, Geldbeutel sowie Scheckkarten gestohlen." Vor allem bei Veranstaltungen, in Einkaufszentren, bei großen Menschenansammlungen (Bahnhof, Flughafen, Supermarkt), beim Stadtspaziergang oder beim Einkaufsbummel könne man Dieben zum Opfer fallen.
"Es hat auch schon Fälle gegeben, bei denen, neben Geld und Ausweis, auch noch der Haustürschlüssel entwendet wurde", weiß Höfer. Folglich seien die Täter in die Wohnung des Opfers gegangen und hätten diese ausgeraubt.

Die Diebe gingen oft professionell vorgehen und international umherreisen. Sie kommen insbesondere aus dem süd- oder osteuropäischen Ausland, obwohl es auch welche aus dem örtlichen Bereich gebe. "Der Spruch ,Gelegenheit macht Diebe‘ trifft tatsächlich zu. Folglich sollte man stets auf seine Wertsachen achten und diese nie unbeaufsichtigt lassen", betont Anne Höfer.

Tipps, wie Sie sich vor Taschendieben schützen


Rat Anne Höfer, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken, mit Sitz in Bayreuth, rät:

Geld Nehmen Sie immer nur so viel Bargeld mit, wie sie tatsächlich benötigen.

Innentaschen Tragen Sie Geld, Schecks, Kreditkarten und Papiere immer in verschiedenen verschlossenen Innentaschen der Kleidung möglichst dicht am Körper.

Verschließen Halten Sie Ihre mitgeführte Tasche stets verschlossen.
Tragweise Tragen Sie Ihre Hand- oder Umhängetasche immer mit der Verschlussseite zum Körper oder klemmen Sie sich die Tasche unter den Arm.

Aufsicht Lassen Sie Ihre Handtasche oder Jacke mit Inhalt niemals unbeaufsichtigt.

Beim Einkaufen Legen Sie Geldbeutel nicht oben auf die Einkaufstasche, den Einkaufskorb oder in den Einkaufswagen, sondern tragen Sie ihn möglichst körpernah.

Nicht abstellen Hängen Sie Handtaschen im Restaurant nicht an die Stuhllehne und stellen Sie sie im Kaufhaus, am Bahnhof, Flughafen usw. nicht unbeaufsichtigt ab.

Karten sperren "Falls ihre EC-Karte, trotz der Vorsichtsmaßnahmen, gestohlen wurde, lassen Sie jene umgehend sperren. Die Sperr-Notrufnummer lautet: 116 116", unterstreicht Anne Höfer.

Anzeige Außerdem sollte man den Diebstahl umgehend bei der Polizei anzeigen, damit nach dem Täter beziehungsweise den Tätern gefahndet werden könne. Davina Zipfel